Konzert

Frankfurter Gitarrist Max Clouth: Ein Hauch von Indien im „Rind“

Das Traumziel der Hippies in den 70ern des letzten Jahrhunderts war vor allem der indische Subkontinent mit seiner alten Kultur und seiner ganz eigenen, fremdartigen, doch auch verlockenden Ausstrahlung. Auch heute noch, trotz Digitalisierung und einem Wandel in der Gesellschaftsstruktur, ist der Zauber Indiens ungebrochen. Der Frankfurter Gitarrist Max Clouth hat sich davon inspirieren lassen.

In seinem Leben spielt Indien eine große Rolle. Er hat Jahre in Mumbai (dem früheren Bombay) verbracht, er hat dort studiert und seine Lebensgefährtin stammt daher. Natürlich hat Max Clouth dort mit seiner Band, aber auch mit einheimischen Musikern etliche Konzertreisen unternommen. Mit seiner neuen, nun dritten Veröffentlichung „Kamaloka“ im Gepäck bereiteten der Musiker und seine drei „Clan-Mitglieder“ im Jazzcafé des Rüsselsheimer „Rinds“ ein gut gewürztes Klangmenü zu.

Clouth, der schon mehrmals in Rüsselsheim gastierte, fällt durch seine ungewöhnlichen und attraktiven Gitarren des Gitarrenbauers Philipp Neumann auf: Es sind Doppelhalsgitarren, einmal mit asymmetrischen konventionellen Bünden versehen sowie einer bundlosen Variante, die es ihm erlaubt, die typischen gezogenen Töne indischer Melodielinien zu reproduzieren. Diese Spielweise hat er in den vergangenen Jahren perfektioniert, setzt sie immer songdienlich ein.

Mit dem „Kusadasi Kelim“ betreten die vier Musiker schon den richtigen Teppich: orientalische Rhythmik, wunderbar reduziert, doch punktgenau gespielt von Drummer Standke, bietet wie oft an diesem Abend das genau passende Fundament. Die Melodik ist eingängig, die Spannung wird durch Tempo- und Lautstärkeverschärfung schön hochgefahren.

„Mir geht es darum, eine zeitgenössische Instrumentalmusik zu kreieren, die Elemente der indischen Klassik in westliche Stilistik, speziell europäischen Jazz, überführt“, beschreibt Max Clouth sein Konzept.

Jazz ist es allemal, denn improvisiert wird in den langen, aber nie ausufernden Gitarrensoli reichlich. Immer strömt diese Musik leichtfüßig dahin, manchmal mit psychedelischer Note wie im Mantra-basierten „Hamsa-Soham“, dann aber wieder erdig-zupackend wie in „Shyam“ (Hindi für „Abend“) mit explosiven Drums, ungeraden Metren und spannungsträchtigen Moll-Akkorden. Die romantische Seite kommt bei dem intimen Duett „Naramada“ mit Keyboarder Andrey Shabashev ebenfalls nicht zu kurz.

Nach der Pause wird es gitarrenmäßig elektrischer, die Doppelhalsstromgitarre bringt eine etwas jazzrockigere Note ins Spiel. Hier spürt man Einflüsse von John McLaughlin, Krautrock, und gelegentlich blitzt strukturell sowie melodisch sogar etwas „Genesis“ auf. Doch Indien grüßt immer, der „Salt Lassi“ schmeckt nach Sommer und das Stück über den „Chowpatty“-Beach in Mumbai nach Strand. Der „Delhi – Jaipur Highway“ hat viel Platz und Lyrik im Spiel und bei „Kirwani“ pocht fast ein Disco-Rhythmus.

Markus Wach am Kontrabass spielt flink und beweglich, ohne das Fundament wackeln zu lassen. Keyboarder Shabashev würzt das Ganze dezent, aber nachhaltig, und seine Soli sind originell. Martin Standke an den Drums vermag es, mit Händen, Besen und Stöcken den passenden Puls in jeder Lautstärke zu pochen. Der Musik wird immer viel Raum gelassen, Atmosphäre wird großgeschrieben, doch wenn es sein muss, geht auch die Post ab. Das Publikum, darunter das kleine Töchterchen von Clouth am Bühnenrand, war zunehmend entzückt und entrückt.

Max Clouth hat mit seinem eigenständigen Konzept eine Nische gefunden und erweitert: anspruchsvoll, doch nicht verkopft, mit klaren Strukturen – so kann es gehen.

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