Abschied

Frau Lenz sagt Adieu

Noch eine Woche, dann ist Schluss: Gabriele Lenz verlässt nach 47 Jahren das Rüsselsheimer Rathaus. Doch der Abschied fällt ihr nicht leicht.

Als sich Gabriele Lenz zum ersten Mal auf ihren Stuhl im Rüsselsheimer Rathaus setzte, da diskutierte Deutschland über Willy Brandts Kniefall in Warschau und weinte über die Auflösung der Beatles. Unglaubliche 47 Jahre lang saß Gabriele Lenz im Vorzimmer der Rüsselsheimer Oberbürgermeister.

Karl-Heinz Storsberg (SPD) war der erste Rathauschef, dem sie bis zum Jahr 1981 bei der Organisation seines Terminkalenders unter die Arme griff, es folgten Norbert Winterstein (SPD), Otti Geschka (CDU), Stefan Gieltowski (SPD) und zuletzt nun Patrick Burghardt (CDU). Doch jetzt ist Schluss mit dem Terminplanen und Koordinieren, der Büro-Organisation und dem Vermitteln: Gabriele Lenz geht zum Jahresende in Rente. Und sie macht erst gar keinen Hehl draus: „Ich gehe mit einem weinenden Auge. Ich habe immer sehr gerne gearbeitet. Diese 1000 kleinen Dinge des Alltags, die ich hier jeden Tag erlebte, ich glaube, die werden mir sicher sehr fehlen.“

Während ihrer 47 Dienstjahre im Rüsselsheimer Rathaus gönnte sich die ausgebildete Rechtsanwalts- und Notargehilfin keine Ruhephase: „Ich habe keine Kinder und daher während der gesamten Jahre stets Vollzeit gearbeitet“, sagt sie. Und in dieser Zeit, da hat sie die Chefs kommen und gehen sehen. Und da gibt es doch sicher Geschichten, die sich ganz wunderbar erzählen lassen? Doch Gabriele Lenz übt sich in Diskretion: „Ich habe alle meine Chefs sehr gemocht“, sagt sie. „Ich bin mit allen Oberbürgermeistern sehr gut ausgekommen. Es waren zwar verschiedene Charaktere, aber alle waren sie sehr nett.“

Die Arbeit habe großen Spaß gemacht, sei abwechslungsreich und menschlich sehr interessant gewesen: „Ich sage immer: Ich habe hier vom Clochard bis zum Minister alle kommen und gehen sehen. Nein, langweilig war es hier nie.“ Daher habe es für sie auch nie einen Grund gegeben, einen anderen Job zu ergreifen. „Warum auch? Ich war ja hier sehr glücklich“, sagt die 65-Jährige. Die Arbeit sei ihr Leben gewesen.

Doch nun kommt eine harte Zäsur, weit ab vom Rüsselsheimer Rathaus, und das will gut geplant sein: „Mein Mann und ich haben eine Reise in die USA geplant. Wir werden in den Rocky Mountains wandern.“

Und auch sonst werde sie sich ein bisschen mehr um sich selbst kümmern: „Ich werde versuchen, mindestens einmal in der Woche Sport zu treiben, das kam in den letzten Jahren ein wenig zu kurz“, sagt sie. Wobei: An den Wochenenden, da war sie viel unterwegs, meist im Rheingau und in der Pfalz. „Dort werden wir sicher auch weiterhin oft hinfahren.“

Auch wenn Gabriele Lenz selbst nicht gerne im Mittelpunkt steht, so steht doch eine besondere Feierlichkeit an: Am 7. Dezember werden ihre ehemaligen Chefs Otti Geschka, Stefan Gieltowski und Patrick Burghardt zur Verabschiedung bei Gabriele Lenz auf der Matte stehen. „Ich habe bereits Briefe von ihnen bekommen. Und darüber habe ich mich sehr gefreut.“

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