Verschiedene Phasen der totalen Mondfinsternis.
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Verschiedene Phasen der totalen Mondfinsternis.

Astronomie

Am Freitagabend ist die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts zu sehen

  • Sven Westbrock
    VonSven Westbrock
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Davon können Sie noch ihren Enkeln erzählen. Am Freitagabend spielt sich am Himmel ein seltenes wie eindrucksvolles Schauspiel ab: eine totale Mondfinsternis, die auch noch besonders lang werden soll.

Ein Junge sitzt mit seiner Familie vor dem Haus. Es ist ein warmer Sommerabend. Am Himmel lässt sich der Vollmond schon deutlich erkennen. Plötzlich jedoch ist von ihm nur noch ein sichelförmiger Streifen zu sehen. Wenig später kommt das ganze Rund des Erdtrabanten wieder. Allerdings hat er jetzt seine Farbe geändert. Aus dem leuchtenden Weiß ist ein dunkles Rot geworden, das an Kupfer erinnert.

Die Szene hat sich bereits vor langer Zeit abgespielt: 1963. „Ich dachte nur, was ist jetzt los?“, blickt Horst Tremel mehr als ein halbes Jahrhundert später zurück auf die erste Mondfinsternis, die er erlebt hat. Seither hat der stellvertretende Vorsitzende der Rüsselsheimer Sternfreunde einige solcher Schauspiele am Himmel beobachtet. Fasziniert ist er von ihnen noch immer.

So freut Tremel sich ganz besonders auf Freitag. Denn für diesen Tag ist eine totale Mondfinsternis vorausgesagt, die die längste des ganzen Jahrhunderts werden wird. Zwischen 21.30 und 23.13 Uhr schiebt sich der Mond hierzulande hinter die Erde, so dass kaum noch Sonnenlicht auf ihn fällt. So kommt die rote Färbung des Erdtrabanten zustande.

Im Schatten-Zentrum

Eine Mondfinsternis ist im Gegensatz zu einer Sonnenfinsternis von der kompletten Nachtseite der Erde aus sichtbar. Relativ viele Menschen können sie also zeitgleich an verschiedenen Orten sehen. Anders als bei einer Sonnenfinsternis, die sich nur dort beobachten lässt, wo gerade der Mondschatten hinfällt.

An der kommenden Mondfinsternis ist, abgesehen von ihrer außergewöhnlich langen Dauer, ferner besonders, dass der Mond diesmal fast genau im Zentrum des Erdschattens stehen wird. „Sonst ist der Mond etwas höher oder tiefer, so dass eine Seite immer etwas heller bleibt“, erläutert Tremel. Beobachten lässt sich das Schauspiel allerdings nur, wenn das Wetter mitmacht. Sollte es tatsächlich bewölkt sein, wäre es unmöglich, von der Erde aus etwas zu sehen.

Wetterbericht lässt hoffen

Das gilt auch für Beobachtungen mit dem Teleskop, die die Sternfreunde am Freitag auf der Ewald-Becher-Sternwarte Am Schnepperberg an der A60 (Anschlussstelle Rüsselsheim-Mitte) planen. „Für die Teleskope sind die Wolken genauso im Weg wie für das bloße Auge“, gibt der stellvertretende Vorsitzende der Sternfreunde zu bedenken.

Dennoch lädt Tremel Interessierte für 20.30 Uhr ein, den Abend in jedem Fall mit den Sternfreunden zu verbringen. Auch wenn es bewölkt sein sollte, hält er einen Vortrag über die Rolle des Mondes im Sonnensystem. Außerdem wird den Besuchern ein Film mit Zeitraffer-Aufnahmen einer vergangenen Mondfinsternis gezeigt. Doch die Chancen stehen gut, dass Besucher auch die Mondfinsternis an diesem Abend sehen können. Im Wetterbericht für Freitagabend ist jedenfalls keine Rede von Wolken am Himmel.

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