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Vor mehr als 600 Jahren legten die Grafen von Katzenelnbogen mit ihrer kleinen Burganlage die Grundlage für eine der bedeutendsten Festungen Hessens.

Versammlung

Freundeskreis diskutiert die jüngsten Grabungen und kündigt neue Beleuchtung für den Tunnel an

Eine Umbenennung, neue Erkenntnisse rund um die Festung und ein neues Projekt, das mehr Licht in die Festung bringen soll, waren Themen bei der Mitgliederversammlung des Freundeskreises der Festung Rüsselsheim.

Eine Pulvermühle konnte bei den jüngsten Ausgrabungen in der Festung nicht gefunden werden. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Freundeskreises der Festung Rüsselsheim informierte Bärbel Maul, die Leiterin des Stadt- und Industriemuseums, über Maßnahmen und neueste Erkenntnisse rund um die Festungsgeschichte.

Schießpulver wurde bereits um 850 von den Chinesen erfunden. Als Waffe oder „ernstes Feuerwerk“ umfunktioniert haben es Europäer wie 1326 Italien und England. In ihrem kleinen Vortrag sprach Maul auch über die Herstellung des Schwarzpulvers.

Denn Herstellung und Lagerung sei ein gefährliches Unterfangen gewesen. Es gebe verschiedene schriftliche Quellen, in denen im Zusammenhang mit der Festung von Pulver die Rede sei. Eine Zeughausliste von 1626 liste mehrere Zentner Schwefel, Salpeter, aber auch Pulver auf. Auch das Lagern sei gefährlich gewesen. Denn Feuchtigkeit verderbe das Pulver, ein einziger Funken aber genüge, um alles in die Luft zu sprengen.

Stich aus dem Jahr 1636

Ein Stich der Festung von Wenzel Hollar aus dem Jahr 1636 zeigt ein höheres Gebäude, das nicht identifiziert werden konnte. Auch stellte sich die Frage, was sich unter dem Schutthügel im östlichen Festungsgraben verberge. Bei dem Bau eines Notausgangs zwecks Brandschutzbestimmungen anlässlich des Hessentags legten Grabungen eine Treppe zur Kasematte frei. Mögliche Zeichen für die Pulvermühle?. Statt gleich zu graben, kam zunächst Radar zum Einsatz, dessen Ergebnisse keinen Aufschluss gaben. Die sich anschließenden Grabungen zeigten, dass das Erdreich vor Ort fundlos blieb. Nicht ganz. Das Gesuchte fand sich nicht, dafür aber jede Menge Keramikscherben, eine Kanonenkugel und anderer Abfall der damaligen Zeit.

„Auch kein Fund ist ein Befund“, erklärte Maul. Denn die Abfälle lassen auf bestimmte Vorgehensmaßnahmen schließen. 1634 ziehen die Schweden, die eigentlich Schotten gewesen sind, aus der Festung ab. 1635/36 gibt es Bauarbeiten.

Sprengung der Bastionen

Der Halbmond wird gebaut und die Futtermauer wird verstärkt. 1644 können weitere Bauarbeiten für Baracken auf dem Wall verzeichnet werden, so dass der dort anfallende Erdaushub abgelagert werden muss. 1689 kommt es zu Sprengungen der Bastionen und zum Einsturz des unteren Zugangs zum ehemaligen Halbmond. Dieser Bereich wurde mit Schrott verfüllt, wie er damals zur Verfügung stand. Daher finden sich Tonscherben und anderes dort, wo nach einer Pulvermühle gesucht wurde.

Zurück in der Gegenwart hatte der Vorsitzende Uwe Menges eine positive Neuigkeit zu vermelden. Nach einem Gespräch mit Baudezernent Nils Kraft (SPD) bekam er die Zusage, dass das in der Nähe der Festung gelegene Parkhaus bald umbenannt wird in „Parkhaus an der Festung“. Für den Freundeskreis bedeutet die Namensänderung einen Schritt hin zur Sichtbarmachung der Festung.

Auch wer von außerhalb käme, würde durch den Namen erkennen, dass die Festung ganz in der Nähe liege. Menges, der bei den Vorstandswahlen gemeinsam mit den übrigen Amtsinhabern einstimmig für zwei weitere Jahre wiedergewählt wurde, berichtete über ein neues Projekt, dem sich der Freundeskreis der Festung in diesem Jahr annehmen möchte.

Es geht um ein neues Lichtkonzept für den tunnelähnlichen Eingang zur Festung. Ein Lichtkonzept sieht vor, die bisherige Beleuchtung abzubauen, um dafür LED-Beleuchtung in den Boden direkt an den Mauern einzulassen.

Jazz im Stadtpark

Die geschätzten Kosten liegen bei 20 000 Euro. Die Tiefbauarbeiten im Wert von 4000 Euro würden von der Stadt übernommen werden. Bislang gibt es bereits einen Sponsor. Zwei Drittel der Kosten würde die Bürgerstiftung Festung übernehmen, ein Drittel der Freundeskreis. Die Anwesenden stimmten für den Grundsatzbeschluss, so dass das Projekt in Angriff genommen werden kann.

Der Freundeskreis der Festung bietet in diesem Jahr wieder interessante Veranstaltungen an. Am 16. Juni ab 11 Uhr gibt es Festungs-Jazz im Stadtpark mit der Swing- und Dixie-Band „Trio HEF zu viert“ in Verbindung mit dem Kunsthandwerkermarkt. Am 14. und 21. Juli von 10 bis 13 Uhr gibt es jeweils ein Themenfrühstück unter dem Motto: „Gabel, Finger, Völlerei?“.

Am 11. Oktober wird um 20 Uhr wieder zu einem Kabarett in der Festung mit Tina Häussermann und ihrem Programm „Futschikato“ eingeladen.

VON SUSANNE RAPP

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