Zukunftsperspektive für Flüchtlinge

Froh, arbeiten zu können

Bei der Landesinnung Hessen des Gebäudereiniger-Handwerks wurden jetzt 17 Flüchtlinge in deutscher Sprache sowie praxisvorbereitend geschult: Nun starten sie ins Praktikum bei regionalen Handwerksfirmen und hoffen auf eine Anstellung.

Von CHARLOTTE MARTIN

Wohl kaum jemand hat ein Faible fürs Toiletten-, Boden- und Fensterputzen: Kein Wunder also, dass bei Gebäudereinigern Bewerbermangel herrscht. Die Landesinnung des Gebäudereiniger-Handwerks hat sich im Netzwerk der Flüchtlingshilfe nun dafür stark gemacht, Flüchtlinge der Region Rhein-Main und des Main-Taunus-Kreises im Deutsch-Intensivkurs zu schulen und sie zugleich auf ein Praktikum in der Gebäudereinigung vorzubereiten. Es scheint, das passt perfekt: Flüchtlinge wünschen sich Arbeit, die Innung zeigt Sozialengagement und behebt Personalengpässe.

Das Projekt der Arbeitsintegration sei im Grunde eine Aufstockung der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit 2015 geförderten Initiative, Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit zu bringen, sagt Guido Hahn, Sprecher der Landesinnung. „Zwölf Handwerkskammern bundesweit sind in diese Initiative involviert, bei der es um minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge geht“, erläutert er im Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) Weiterstadt, einem Bildungsstandort der Handwerkskammer Rhein/Main.

Im Zuge des zweiten Projekts nun, das Anfang Mai an den Start ging, absolvierten am Donnerstag 17 junge, erwachsene Flüchtlinge aus Somalia, Syrien, Pakistan und Afghanistan hier die letzte Stunde ihres Intensiv-Deutschkurses. Am Montag beginnt ihr Praktikum bei 15 Gebäudedienstleistern der Region.

Guido Hahn verweist auf die Begleitung des Praktikums durch Projekthelfer. „Erfahrung mit ausländischen Mitarbeitern, Flüchtlingen und Migranten, bestehen in unserem Sektor seit langem. Handwerksbetriebe sind oft vorbildlicher Motor der Integration“, sagt er.

Das Projekt überhaupt an den Start zu bringen, sei hürdenreich gewesen, so Peter Metz, Leiter des Integrations- und Bildungsträgers „Lernportal“ in Rüsselsheim, das 17 Flüchtlinge aus Kelsterbach, Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf dafür gewinnen konnte. Ajab Abdi aus Somalia, seit einem halben Jahr in Kelsterbach, gehört dazu. Auch für ihn sind Glas- und Sanitärreinigung, Scheuern, Wischen und Saugen nicht der Traum eines sinnstiftenden Berufs, doch ist er dankbar, aktiv sein zu können und bald Geld zu verdienen. Ebenso Zuhaib Hassan aus Pakistan, der seit acht Monaten in Walldorf lebt. Er sagt: „Warten, essen, schlafen – das ist furchtbar. Ich bin froh, arbeiten zu können. Die Praxisanleiter, Dolmetscher und Lehrer haben alle ein freundliches Lächeln – ,a friendly Smile’.“ Gebäudereiniger-Geselle Murat Gökhan, der mit Lehrer Heinz-Michael Desch für die Fachpraxis zuständig ist, gibt das Lob zurück: „Alle sind lernbegierig und dankbar.“

Peter Metz skizziert die Anstrengungen, die unternommen wurden, um für die 17 Flüchtlinge der Region erste Zukunftsperspektiven zu entwickeln: „Wenn es um Flüchtlingshilfe geht, gleicht die Zusammenarbeit mit Behörden dem Gang durch einen Dschungel. Es gab viele Knackpunkte – etwa fehlende Deutschkenntnis oder die zu leistende Überzeugungsarbeit hinsichtlich der eiligen Anträge auf Zustimmung der Arbeitsagenturen zur späteren Arbeitsaufnahme, damit nach dem Praktikum keine Lücke entsteht.“ Mit der „brennenden Thematik“ der Arbeitsintegration stoße man bei Ämtern oft auf „große Unsicherheit“, so Metz. Sobald Flüchtlinge älter als 19 Jahre sind und nicht mehr vom Hessischen Integrationsprogramm gefördert werden können, sei der Weg zu Bildung und Arbeit steinig.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare