Interreligiöser Projekttag

Wie fühlt sich ein Gebetsriemen an?

„Religion(en) zum Anfassen“ lautete das Motto des interreligiösen Projekttags am gestrigen Donnerstag an der Alexander-von-Humboldt-Schule. Das war durchaus wörtlich zu nehmen.

Wie schmeckt eine Hostie? Wie fühlt es sich an, einen jüdischen Tallit (Gebetsmantel) am Körper zu tragen? Und wie schwer ist eigentlich der Kelch, den der katholische Priester während eines Gottesdienstes hochhält? Antworten auf diese und andere Fragen sind in der Regel nicht immer leicht zu bekommen, es sei denn, es heißt: „Religion(en) zum Anfassen“. Der gleichnamige interreligiöse Projekttag begeisterte am gestrigen Donnerstag die Siebtklässler der Alexander-von-Humboldt-Schule. Sie durften in der Tat etliches anfassen und ausprobieren.

Einen Tag lang präsentierten Achtklässler ihren jüngeren Schulkameraden die verschiedenen Religionen. Sie hatten Schautafeln erstellt, zu denen sie an vier Stationen Erläuterungen gaben. Mitgebracht hatten sie zudem allerlei interessante Utensilien: Dazu zählten auch verschiedene Kopfbedeckungen, Gebetsbücher, Bibeln und Ausgaben des Koran. „Alle diese Utensilien gibt es als Anschauungsmaterial für den Unterricht. Sie sind selbstverständlich nicht geweiht“, erläuterte die evangelische Religionslehrerin Esther Lang, die zusammen mit ihrem katholischen Kollegen Pascal Henrich den Projekttag vorbereitet hatte.

Und wie fühlt es sich nun an, einen Tallit sowie Gebetsriemen am Körper zu tragen? „Irgendwie komisch“, sagte Christopher und grinste dabei etwas verlegen, nachdem er wie ein strenggläubiger Jude ausgestattet worden war. Andere hatten Spaß daran, einmal eine Hostie zu probieren. „Wie bei den Weihnachtsplätzchen“, nickte Unthram und griff gleich nach der nächsten Hostie.

Was ist zu beachten, wenn man eine Moschee betritt? Was genau ist die Klagemauer? Und welche Religionen glauben eigentlich an den einen Gott? Auch diese Fragen beantworteten die Achtklässler, unter ihnen Christen und Muslime. „Über mögliche Schüler an unserer Schule, die dem jüdischen Glauben angehören, ist mir allerdings nichts bekannt“, ergänzte Religionslehrerin Lang. „Aber wir hatten schon einmal eine Buddhistin.“

Der interreligiöse Projekttag fand zum dritten Mal statt. Es ist ein langfristiges Projekt, bei dem im kommenden Jahr die dann Neuntklässler erneut die Präsentation übernehmen werden. 2017 übernehmen die Siebtklässler.

An der Alexander-von-Humboldt-Schule gibt es Religionsunterricht für die evangelischen und katholischen Christen, außerdem Ethikunterricht. „Wir gehen im Unterricht durchaus kritisch vor“, erläuterte Esther Lang. „Dabei verstehen wir uns auf keinen Fall als Glaubensvermittler. Das Beten beispielsweise ist eine ausschließlich freiwillige Angelegenheit“, ergänzte Pascal Henrich.

Gewandelt habe sich in den vergangenen Jahrzehnten auf alle Fälle das Bild von Gott. „Wenngleich die Vorstellung eines alten Mannes, der oben im Himmel sitzt, wohl niemals aus den Köpfen der Menschen zu bekommen ist“, sagte Henrich schmunzelnd.

Auf die Frage nach Gott gaben alle befragten Schüler an, daran zu glauben. Die Frage, welche Vorstellungen sie von Gott haben, war da schon wesentlich schwieriger zu beantworten. „Gott ist ein Mysterium“, formulierte Anna, während Takyiwaa Gott als allgegenwärtig sieht, sogar in jedem einzelnen Atom. rke

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