Setzen sich für zukunftsfähige Fortbewegung in der Stadt ein: Sebastian Renner (links) und Vincenzo Trevisan von der Abteilung Mobilität. FOTO: Stella Lorenz
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Setzen sich für zukunftsfähige Fortbewegung in der Stadt ein: Sebastian Renner (links) und Vincenzo Trevisan von der Abteilung Mobilität.

Verkehr

Für mehr Miteinander auf der Straße

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Die Abteilung Mobilität zieht nach einem Jahr eine erste Bilanz

Rüsselsheim -Mobil sein in Rüsselsheim - wie kann das unabhängig von der Art der Fortbewegung unkompliziert, nachhaltig, zukunftsfähig und vor allem gemeinschaftlich funktionieren? Diese Frage treibt Abteilungsleiter Vincenzo Trevisan und Mobilitätsmanager Sebastian Renner gemeinsam mit drei weiteren Mitarbeitern seit etwas mehr als einem Jahr in der extra geschaffenen Abteilung Mobilität um.

Dass die Antwort darauf mehrsträngig und keinesfalls einfach ist, dass Maßnahmen Diskurs befördern (wie zuletzt um die Gestaltung der Fahrradwege in der Unterführung Friedensstraße oder am Königstädter Edeka-Kreisel) und die Kommunikation darüber Fingerspitzengefühl braucht, wissen Trevisan und Renner genau.

"Wir müssen das Thema Mobilität ganzheitlich betrachten", sagt Trevisan. "Die eigentliche Frage lautet: Wie wollen wir leben?" Er und seine Kollegen nähmen das Unverständnis, das einige Bürger über verschiedene Maßnahmen äußerten, natürlich wahr. Darauf zu reagieren, ist Trevisan und Renner wichtig: "Wir wollen die Leute zusammenbringen und beteiligen." Während für die konkrete Ausarbeitung von Maßnahmen der Input von fachlicher Seite essenziell ist, ist für Renner vor allem auch das Verfügbarmachen von Informationen wichtig. "Das ist die niedrigschwelligste Art der Beteiligung."

Mehr Transparenz und Information

Deutlich zeige sich dies gerade an Bauprojekten wie dem Kreisel: "Es herrscht oft viel Unwissen darüber, wie Radwege heute adäquat und richtlinienkonform gebaut werden", meint er. Beweggründe nachvollziehen zu können, Entscheidungsprozesse transparent zu machen und nach außen zu tragen, seien hierbei zentrale Punkte. Je nach Projekt müsse das richtige Maß der Teilhabe an solchen Gestaltungsprozessen gefunden werden, findet Trevisan. "Das Wichtigste ist die gemeinsame Zielsetzung, wo wir als Stadtgesellschaft hinwollen", betont er.

Sebastian Renner, der selbst Rüsselsheimer ist, hat diesbezüglich klare Vorstellungen: "Wir müssten uns vom Kastendenken distanzieren: ,Die Autofahrer', ,die Radfahrer' - wir sind alles Menschen, die von A nach B wollen", erläutert er. Verkehrsmittel zu kombinieren, deren Nutzung zu optimieren und ein Miteinander statt ein Gegeneinander auf der Straße zu erwirken, sieht er als Ziel an.

Getan hat sich aus Sicht der Mobilitätsexperten in der Stadt schon einiges. Neben dem regen und regelmäßigen Austausch mit zahlreichen Akteuren verschiedener Einrichtungen und Verbände zählen beispielsweise die strategische Entwicklung für Mobilität an Schulen, innerhalb der Verwaltung, im öffentlichen Personennahverkehr, für Fußgänger und Radfahrer zu den zentralen Aufgaben.

Viele Maßnahmen schon umgesetzt

Von der Planung und sukzessiven Umsetzung des Radverkehrskonzept als "großer Meilenstein" (Renner) oder dem schulischen Mobilitätsmanagement über die Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Main oder jungen Unternehmen bis hin zum Austausch im neu gegründeten Arbeitskreis Mobilität und Klimaschutz zeigt sich vor allem ein starker Wille zur Veränderung seitens der Abteilung. "Ich bin positiv überrascht, was wir alles schon - unter anderem trotz Pandemie - umgesetzt haben", findet Trevisan.

Rückhalt erhalten Trevisan und sein Team aus anderen Abteilungen: "Extrem engagiert und motiviert", so würden die Mobilitäts-Kollegen wahrgenommen, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus.

Auch Stadtrat Nils Kraft (SPD) findet lobende Worte. Mobilität als wesentlichen Baustein in der Klimapolitik zu implementieren, sei der Grund für die Etablierung der Abteilung gewesen. In einer Stadt wie Rüsselsheim, die aus industriegeschichtlicher Perspektive stark aufs Auto fokussiert ist, sei die Förderung eines neuen Verständnisses von Fortbewegung wichtig, betont Kraft.

Das sei gleichermaßen eine enorme Herausforderung für die Kollegen, die aber bisher sehr gut gemeistert werde. "Es heißt oft, Behörden seien träge. Ganz sicher gilt das nicht für diese Abteilung", sagt Kraft. Für Trevisan und Renner ist jedenfalls klar, dass die Zukunft der Mobilität in Rüsselsheim ein Prozess ist, der sich entwickeln wird. "Wir haben eine gemeinsame Vision. Es geht uns um ein Mehr an Lebensqualität."

Und die soll für alle verfügbar sein, ganz gleich, ob man von E-Bike, Bus, Auto, Rollstuhl oder den eigenen Füßen durch die Straßen der Stadt getragen wird. Stella Lorenz

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