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Als Reinhard Hill sich vor drei Jahren ein Elektro-Auto zugelegt hat, war er damit in Königstädten der Erste.

Strom-Tanken

Grünes Licht: In Rüsselsheim sollen über 1000 Ladesäulen für E-Autos entstehen

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Das wäre bundesweit wohl einmalig: Mehr als 1000 Ladesäulen für Elektro-Autos sollen in Rüsselsheim entstehen. Jetzt hat die Stadtverordnetenversammlung dafür grünes Licht gegeben – und so Freude und Erleichterung ausgelöst.

Reinhard Hill will nicht mehr tauschen. Vor drei Jahren hat er sich ein Elektro-Auto zugelegt. In Königstädten war er damals der erste, der gänzlich auf Strom statt Benzin setzte. Das Fahrgefühl in seinem himmelblauen Renault Zoe findet er nach wie vor „einfach klasse“. So sei sein Wagen etwa besonders flott beim Anfahren auf den ersten Metern.

Eine Schwachstelle ist allerdings die Reichweite. Mit gerade einmal 150 Kilometern fällt sie deutlich geringer aus als bei Autos mit Verbrennungsmotor. „Im Winter sind es sogar eher noch etwas weniger Kilometer“, berichtete Hill.

Die Batterie in Hills Wagen leistet 22 Kilowatt. Aufladen lässt er sie meistens über Nacht bei sich daheim. Die Ladestation war im Kaufpreis des Wagens von 20 000 Euro inbegriffen. Installiert hat der Elektrotechniker sie selbst. Im Stadtgebiet gebe es zwar schon ein paar Ladestationen, doch seien die mitunter mehrere Tage am Stück besetzt.

Umso mehr freut Hill sich darüber, dass die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag das Projekt Clever-Electric-City verabschiedet hat. Dies sieht die Installation von rund 1300 Ladesäulen für Elektro-Autos in Rüsselsheim vor, die die Stadt mit mehreren Partnern realisieren will.

Luft soll sauberer werden

Für Autofahrer soll somit ein Anreiz geschaffen werden, auf die emissionsfreien Elektromodelle umzusteigen, die einen Beitrag zu sauberer Luft schaffen würden. Denn wie viele andere Städte hat auch Rüsselsheim ein Abgas-Problem. Im Rugbyring etwa werden die Stickstoffdioxid-Grenzwerte regelmäßig überschritten.

Für die Clever-Electric-City erhält allein die Stadt 7 Millionen Euro vom Bund. Außerdem gehen fünf Millionen Euro an eine Reihe von beteiligten Kooperationspartnern. Schon bis Ende September 2020 muss das Projekt umgesetzt werden. Denn dann endet das Förderprogramm.

Die Entscheidung der Stadtverordneten für das Vorhaben fiel einstimmig aus. Nichtsdestotrotz hatte etwa die CDU Bedenken wegen etwaiger Folgekosten für die Stadt angemeldet. Dass die Christdemokraten dennoch zustimmten, lag besonders an zwei Partnern des Projekts: Opel und der Hochschule Rhein-Main. Auf dem Gelände des Autobauers soll ein Großteil der Ladesäulen entstehen. Die Hochschule plant zwei Dutzend Stationen und will den Strom für sie mit eigens dafür aufgestellten Photovoltaikanlagen gewinnen. „Wir wollen zusammenstehen“, machte CDU-Chef Thorsten Weber angesichts dessen deutlich.

Prof. Birgit Scheppat, die die Clever-Electric-City an der Hochschule betreut, zeigt sich erleichtert über die Entscheidung der Stadtverordneten. „Gott sei Dank“, lautete ihr Kommentar. Die Zahl der Ladepunkte, die in Rüsselsheim angestrebt wird, wäre ihr zufolge auf die Bevölkerungszahl gerechnet eine der höchsten in Deutschland.

Pressekonferenz heute

Damit das Stromnetz nicht zu stark belastet wird, werden die allermeisten Ladesäulen niederenergetisch sein. „Die maximale Ladeleistung liegt bei elf Kilowatt“, sagte Scheppat. Bis ein Elektro-Auto vollgeladen ist, dauert es somit einige Stunden.

Doch wenn beispielsweise die Opelaner ihren Wagen morgens an einer der Säulen anschließen, könnten sie abends mit einem vollen Akku nach Hause fahren. Über den genauen Planungsstand für das Ladesäulen-Netz informieren Scheppat, Opel-Chef Michael Lohscheller, Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) und andere heute bei einer Pressekonferenz im Rüsselsheimer Rathaus.

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