Britta Lubik von der VfR-Sportgaststätte hat vom vergangenen Jahr die "berühmt-berüchtigten" Adressenzettel ihrer Gäste aufgehoben. Foto: Ralph Keim
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Britta Lubik von der VfR-Sportgaststätte hat vom vergangenen Jahr die "berühmt-berüchtigten" Adressenzettel ihrer Gäste aufgehoben.

Corona und die Lockerungen

Gastronomen setzen auf den Neustart

Nach mehr als sieben Monaten ohne Gäste könnten Außenbereiche sehr bald wieder öffnen

Rüsselsheim -Dauerhaft unter 100: Die sinkenden Inzidenzwerte lassen auch im Landkreis Groß-Gerau bei den Gastronomen die Hoffnungen wachsen, dass sie nach mehr als sieben Monaten endlich bald wieder Gäste bewirten können - zumindest in den Außenbereichen. Die entsprechende Entscheidung der Kreisverwaltung scheint nur noch eine Frage der Zeit. Doch ausgerechnet jetzt spielt das Wetter nicht mit. Und mittelfristig droht ein neues Problem.

Rückblick, Pfingsten 2019: Die erste kleine Hitzewelle hatte den Gastronomen eine Woche vor dem verlängerten Wochenende beste Umsätze beschert. Und auch an den beiden Feiertagen war das Wetter dann nicht schlecht. Pfingsten 2020, zweites Juniwochenende: Der erste Lockdown ist überstanden. Die Menschen freuen sich bei warmen Temperaturen auf den Sommer. In den Gaststätten muss man seine Kontaktdaten hinterlassen.

Offizieller Erlass steht noch aus

Im Mai 2021 steht nun erneut Pfingsten vor der Tür. Das Wetter wird sich dieses Mal voraussichtlich nicht gerade von seiner besten Seite zeigen, und die Gastronomen dürfen bis dato sowieso keine Gäste bewirten. Doch das Licht am Ende des gastronomischen Tunnels wird heller. Der Inzidenzwert im Landkreis hat seit Montag endlich die magische Grenze von 100 dauerhaft durchstoßen.

Für die Gastronomen kommt die damit nahende Wiedereröffnung einer Erlösung gleich - auch für Britta Lubik. Die Pächterin der Rüsselsheimer VfR-Sportgaststätte ist seit mehr als 20 Jahren Gastronomin und hat Anfang der Woche die große Außenterrasse gereinigt und auf Vordermann gebracht. Spielt das Wetter mit, könnte es hier sofort losgehen. Das Einzige, was noch fehlt, ist der offizielle Erlass seitens der Kreisverwaltung.

Zeit für einen weiteren Rückblick: "Der November lief noch ganz gut", berichtet die Gastronomin, die damals "Gans to go" angeboten hatte. Im Januar und Februar hatte Britta Lubiks Gaststätte dann geschlossen. "Das To-go-Geschäft hat sich dann einfach nicht gelohnt." Vom Staat habe sie erst einen minimalen Abschlag auf die finanziellen Unterstützungen bekommen.

Das "Weinhaus Schaab-Louis" hat es mit einer mehr als achtmonatigen kompletten Schließung richtig heftig getroffen. "Das To-go-Geschäft hätte nichts gebracht. Wir sind nun einmal keine Pizzeria", zeigt sich Ilka Hummel-Schneider realistisch. Die frühere Inhaberin des Traditionsweinhauses ist dort seit einigen Jahren als Angestellte beschäftigt und musste in Kurzarbeit.

Aber auch im "Weinhaus Schaab-Louis" wartet man jetzt auf zwei Dinge: die Erlaubnis, die Außengastronomie öffnen zu dürfen, und auf besseres Wetter. "Es sind nur noch Kleinigkeiten zu machen, dann kann es losgehen", freut sich Ilka Hummel-Schneider, die im Oktober die bisher letzten Gäste bedient hat.

Beide Gastronominnen sind ihrer beruflichen Passion aber in all den Corona-Monaten treu geblieben. Zusammen mit zahlreichen Helfern kochen Ilka Hummel-Schneider und Britta Lubik im Evangelischen Gemeindezentrum am Marktplatz für Rüsselsheimer Bürger.

Das "Brauhaus" in Haßloch hat in den vergangenen Monaten einen Liefer- und Abholservice angeboten, außerdem den Verkauf von Flaschenbier. "Aber so richtig rentiert hat sich das nicht", räumt Seniorchef Horst Gampert ein, der 1993 das "Brauhaus" im Ortskern von Haßloch eröffnete. "Jetzt müssen wir draußen nur noch die Bestuhlung aufstellen, dann kann es losgehen", sagt er im Hinblick auf die bevorstehenden Lockerungen.

Dem schließt sich Ralf Hummel vom "Jägerhof" an. Er hat bislang einen Abholservice, der sich allerdings auf die Donnerstage, Freitage und Samstage beschränkt. "Die Resonanz hielt sich in Grenzen, aber man hat wenigstens was zu tun." Das Bier habe er in den vergangenen Monaten selbst konsumiert. "Jetzt muss ich erst einmal Nachschub bestellen." Dann kann es mit der Außengastronomie auch im "Jägerhof" wieder losgehen. "Aber warum eigentlich nicht im Innenbereich?", stellt Ralf Hummel die Frage in den Raum, die auch seine Kollegen umtreibt.

Frage nach der Kontrolle

Bei aller Vorfreude auf die Bewirtung von Gästen droht mittelfristig ein neues Problem, das es im Corona-Sommer 2020 noch nicht gab. Mit Geimpften und Genesenen einerseits und Nicht-Geimpften auf der anderen Seite zeichnet sich eine "Corona-Zwei-Klassen-Gesellschaft" ab. Für die Gastronomen stellt sich die Frage, wie sie kontrollieren sollen oder müssen, dass der Gast tatsächlich geimpft oder genesen ist.

Die im vergangenen Jahr notwendige Dokumentation der Personalien der Gäste basierte auf Ehrlichkeit. Kontrollieren durften das die Gastronomen damals nicht. "Aber wie wird es in diesem Jahr laufen?", fragt sich nicht nur Britta Lubik. "Müssen die Gäste neben dem Impfausweis oder der Bescheinigung auf Genesung auch den Personalausweis vorzeigen?" Diese Fragen müssten dringend geklärt werden. Ralph Keim

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