Ausstellung

Das Geheimnis zwischen Bild und Titel

Laura Brichta, Studentin der Fotografie an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach, stellt bis 24. Juni in der Schleuse der Opelvillen aus: „To be continued“ – „Will fortgesetzt werden“ heißt die Schau, die animiert, Fotogeschichten weiterzudenken.

Ein langer, gewundener Korridor, schummrige Beleuchtung, viele Türen, kein Mensch: Befinden wir uns in einem Hotel? Die Fotografie von Laura Brichta trägt die Inschrift: „Because it was meant only for you“ – „Weil es nur für dich bestimmt war“. Bild und Worte paaren sich geheimnisvoll. Wer ging vorüber – wer fehlt? Wer suchte hier die richtige Tür? Fand er sie oder fand er sie nicht?

Drei Serien aus drei bis vier Fotografien sowie eine alleinstehende, großformatige Aufnahme unter dem Titel „Selbstporträt“ geben im schlauchartigen Ausstellungsraum der Schleuse Einblick in die Arbeit von Laura Brichta (26). Die Fotografien haben einen stimmigen Platz, haben Luft, um zu wirken. Am Sonntag war Vernissage und nach Einführung durch Kunstgeschichtsstudentin Kelly Sue Roßmann, der Kuratorin der Schleuse, ließen sich rund 20 Besucher von den Fotografien inspirieren.

Laura Brichtas Bilder wirken wie filmische Sequenzen, entwickeln sich aus einem Standbild heraus minutiös weiter und geben auf diese Weise einen Einstieg in Geschichten. Diese freilich werden im Betrachter lediglich angeregt – „To be continued“ – und fordern ein Weiterdenken heraus, setzen Fantasien frei. Laura Brichta arbeitet mit der Verknüpfung von Wort und Bild, hat Schriftzüge in die Fotografien eingebettet – vergleichbar der Bildunterschriften, wie sie der Stummfilm nutzt.

Indes wollen die Worte in Laura Brichtas Arbeiten das Bild nicht deuten, sondern setzen zusätzliche Impulse. Werden die Worte gesprochen? Und wer spricht? Oder handelt es sich um bloße Gedankenfetzen? Sind die Worte Lauthintergrund aus Fernseher oder Radio? Sind sie Erinnerungen? Die Interpretation liegt im Auge des Betrachters und lädt die Fotografien spannend auf. Da sitzen etwa Menschen im Kaffeehaus – das Wabern der Stimmen in zahllosen Gesprächen scheint fast hörbar – „I feel like getting dessert now“ – „Ich möchte jetzt Nachtisch bekommen“: Wer spricht? Wer denkt?

Oder: Eine Frau mit Katze sitzt leger auf dem heimischen Sofa. Mehrere Fotos, eingetaucht in das rosig flirrende Licht einer Großstadtreklame, die vorm Fenster zu vermuten ist, entwickelt sich die Sequenz weiter, zeigt Katzenkuschelmomente und das Entwischen des Tieres. „I’d be pretty disappointed“ – „Ich wäre ziemlich enttäuscht“ lautet die Inschrift des Bildes: Sprechblase aus einem nicht eingeblendeten TV? Gedankenfetzen der Frau?

„Der Betrachter ist immer Teil meiner Geschichten“, sagt Laura Brichta. „Die Titel sind oft weit entfernt vom Bild, geben den Momenten Neues hinzu. Schlicht anmutende Situationen erhalten durch die Worte Vielschichtigkeit.“ Aus dem Rahmen fällt die jüngste Arbeit der Ausstellung, ein ungewöhnliches Selbstporträt: Beine in schwarzen Männerhosen und schwarzen Schuhen ragen aus einer engen Öffnung des Mauerwerks in einen maroden Raum mit Baustellencharakter hinein. Der Mensch ohne Bodenhaftung in einer zerbröckelnden Welt? Laura Brichta lächelt zu dieser Frage und sagt dann: „Selbstporträts sind bloße Momentaufnahmen. Auch hier ist es der Betrachter, der das Bild persönlich auflädt.“ cma

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