Die Kreisklinik Groß-Gerau macht wohl wieder fünf Millionen Euro Verlust.
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Die Kreisklinik Groß-Gerau macht wohl wieder fünf Millionen Euro Verlust.

Kreistag

Geht die Kreisklinik „über die Wupper“?

Die Koalition und die CDU sind sich einig, was den Fortbestand des Kreisklinikums angeht. Allein: Der Weg ist umstritten.

Die Zukunft des Kreiskrankenhauses Groß-Gerau hängt weiter am seidenen Faden. Alle Fraktionen im Kreistag erklärten am Montagnachmittag bei der zweiten Sitzung übereinstimmend, die Klinik müsse saniert und erhalten werden. Doch wie das zu schaffen ist, in dieser Frage gehen die Koalition und CDU nach wie vor getrennte Wege.

Noch zeichnen sich die Konturen, wie die Klinik in eine gesicherte Zukunft geführt werden soll, nicht genau ab. SPD, Grüne, Linke/offene Liste und ein Pirat, die mit äußerst knapper Mehrheit eine Koalition bilden, sehen den Königsweg in einer Zusammenarbeit mit dem GPR-Haus Rüsselsheim, dem Klinikum Darmstadt sowie dem Vitos-Klinikum Riedstadt, wobei eine geriatrische Abteilung aufgebaut werden soll. Darüber aber dürfe die Notfallversorgung nicht aufgegeben werden.

Mit diesen Plänen ist der Kreis beim hessischen Sozialminister vorstellig geworden – und hat sich eine Abfuhr eingehandelt, weshalb Landrat Thomas Will (SPD) von „vergifteten Plänen“ spricht. Das Land folgt dem Trend, wonach kleinere Häuser keine Chance mehr haben. Gesundheitskonzerne oder größere Kliniken übernehmen ihre Aufgabe. Die medizinische Versorgung wird zur Ware, die bezahlbar bleiben soll.

Das war in etwa die Situation, vor die sich der Kreistag gestellt sah, als er über den Wirtschaftsplan des Kreiskrankenhauses und dessen Zukunftspläne zu entscheiden hatte. Für Zündstoff sorgte ein erneutes Defizit im Wirtschaftsplan 2016 von knapp fünf Millionen Euro, das vom Kreis getragen werden muss.

Christiane Böhm (Linke) sprach von allgemein schlechten Bedingungen und hohem Investitionsstau im Krankenhauswesen, wobei die Politik bundesweit den Trend verfolge, kleinere kommunale Häuser „über die Wupper gehen zu lassen“. Der Wunsch, eine ausreichende Versorgung auch in der Fläche zu garantieren, so dass sich Familien gemeinsam am Gesundwerdungsprozess beteiligen könnten, komme dabei unter die Räder. „Wir stehen Gewehr bei Fuß, um unsere Klinik zu retten“, sagte Böhm und forderte in der Debatte weniger Kleinmut, statt dessen mehr Zusammenhalt.

Fritz Klink (FDP/Freie Wähler) sah eine Chance darin, der Klinik mehr Kurzzeitpflegeplätze sowie eine Hospizeinrichtung anzugliedern. Für die CDU erklärte Landtagsmitglied Sabine Bächle-Scholz, dass die Situation der Kreisklinik in der Tat äußerst schwierig sei. Ihre Fraktion werde alle gangbaren Wege mitgehen – sofern diese nachvollziehbar seien. Indessen: „Seit Jahren wird uns versprochen, dass sich etwas ändert, dass Pläne existieren, dass bald eine schwarze Null geschrieben werden kann, doch geschehen ist nichts. Im Gegenteil: Die Defizite haben sich von Jahr zu Jahr erhöht.“

Der Wirtschaftsplan 2016 biete lediglich eine Fortschreibung des „desaströsen Zustandes der Klinik“, sagte Bächle-Scholz. Der Kreis habe in all den Jahren die Fehlentwicklung nicht korrigiert, was Landrat Thomas Will anzulasten sei. Dieser versuche nun, die Schuld dem Land Hessen zuzuschieben. „Wenn uns ein Konzept vorgelegt wird, das sicher in die Zukunft führt, werden wir zustimmen.“

Das Wort von den „desaströsen Zuständen“ an der Kreisklinik wies Landrat Will zurück. „Auf der anderen Straßenseite kämpfen Menschen um ihre Gesundheit, bemüht sich das Personal aufopfernd um die beste Pflege und sie reden die Klink schlecht“, sagte der Sozialdemokrat. Derartige Aussagen würden nicht helfen, sondern das Ansehen des Hauses weiter beschädigen. miko

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