Plakataktion

Gemeindevertreter ätzt gegen Landtagsabgeordnete

  • Sven Westbrock
    VonSven Westbrock
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Ein Plakat sorgt für Wirbel. Es richtet sich gegen eine SPD-Politikerin. Urheber ist ein BFW-Mann.

„Echt jetzt? Wirklich? Das soll’s sein? Mehr ist nicht drin.“ Kerstin Geis wolle in den Landtag – doch für wen? Was sei die SPD einst so stolz gewesen. Das war am Donnerstag auf einem Plakat zu lesen, aufgehängt unweit des Bischofsheimer Bürgerhauses. Just an jenem Tag, an dem die SPD die Landtagsabgeordnete Geis erneut zur Kandidatin für das Parlament in Wiesbaden erkor, das Ende Oktober neu gewählt wird.

Urheber des Plakats ist Roman Fliedner, der für die Bischofsheimer Freie Wählergemeinschaft (BFW) in der Gemeindevertretung sitzt. Was ihn zu der gegen Geis’ Nominierung gerichteten Aktion motiviert hat? Bei der Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr, bei der SPD-Frau Ulrike Steinbach von Christdemokrat Ingo Kalweit abgelöst wurde, habe Geis Wahlhelfer beleidigt. In einem anderen Fall habe sie einen Gemeindevertreter bei seinem Arbeitgeber aufgrund seines politischen Engagements „angeschwärzt“.

Fraglich bleibt, wie viele Menschen Fliedner mit dem Plakat erreicht hat. Denn gleich zweimal wurde es abgehängt, obwohl Fliedner zwischenzeitlich die Polizei informierte, sogar Anzeige gegen Unbekannt erstattete.

Kerstin Geis findet Fliedners Plakat „unterirdisch“. Für sie ist es ein Zeichen für einen Mangel an politischem Gespür und Etikette. Als sie das Plakat sah, habe sie beim Bauhof veranlasst, dass es abgehängt wird. Nach dem zweiten Mal habe der Bürgermeister dies jedoch verhindert, da Fliedner über eine von der Gemeinde ausgestellte Genehmigung für die Plakatierung verfügte. Noch in der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstagabend konfrontierte Geis Fliedner mit dem Plakat und griff die BFW-Fraktion an. Auf Fliedners Beleidigungsvorwürfe will Geis nicht näher eingehen. Nur so viel: „Er hätte deswegen ja das persönliche Gespräch mit mir suchen können.“ Fliedner stellt derweil klar: „Keiner von der BFW wusste etwas.“ Die Genehmigung für das Plakat, das auch mit seinem Namen versehen gewesen sei, habe er sich als Privatperson geholt. Tatsächlich distanziert sich die BFW von Fliedners Alleingang. In einer eigens dazu verfassten Mitteilung heißt es, man bedauere die Aktion außerordentlich und entschuldige sich bei Geis dafür.

Indes will Bürgermeister Kalweit Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen. Im Gemeindevorstand werde er einen Antrag einbringen, der vorsieht, dass Plakatierungsanträge von Privatpersonen künftig nicht mehr genehmigt werden oder zumindest nur dann, wenn sie vorher geprüft wurden. Denn genau das war bisher regelmäßig nicht der Fall, kam nur in besonderen Fallen vor – etwa bei Plakaten für Erotikmessen. Fliedners Plakat findet Kalweit „unvernünftig“. Das sei kein guter Stil.

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