Über Oldtimer sind Krauss und seine Mitstreiter zum Altwerk gekommen. Entgegen ihren Plänen führen die alten Autos auf dem Gelände aber eher ein Schattendasein.
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Über Oldtimer sind Krauss und seine Mitstreiter zum Altwerk gekommen. Entgegen ihren Plänen führen die alten Autos auf dem Gelände aber eher ein Schattendasein.

Dr. Lutz Krauss zur Zukunft

Geschäftsführer des Opel-Altwerks spricht über seine Hoffnungen und Erwartungen

  • vonRobin Göckes
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Dr. Lutz Krauss gestaltet die Gegenwart des Opel-Altwerks. Zur Vergangenheit hat er eine Menge zu erzählen. Genau wie zur Zukunft.

„Schönen Feierabend“, tönt es aus dem kleinen Wärterhäuschen. Die Schranke öffnet sich, das Auto entschwindet auf den Bahnhofsplatz, die Schranke senkt sich wieder. Das nächste Auto fährt an. „Bis Morgen“, meint der Pförtner in Uniform. Der Autofahrer winkt zurück. Schranke rauf, Auto raus, Schranke runter. So geht das beinahe im Minutentakt. An einem ganz normalen Nachmittag an der Ausfahrt des Opel-Altwerks. Für ein Areal, das regelmäßig totgesagt wird, ist dann doch vergleichsweise viel los.

Während die Pförtner in ihrem kleinen Häuschen sitzen, umgeben von unzähligen Topfpflanzen, befindet sich Dr. Lutz Krauss im Bauwerk mit dem etwas schmucklosen Titel „D17“. Das liegt am anderen Ende des rund 65 000 Quadratmeter großen Altwerk-Areals. „Villa Martha“ hieß das Haus einst, welches hier stand. Benannt nach der Frau eines der Opel-Söhne. Krauss kennt die Geschichte, er kennt sie gut. Schließlich ist das Altwerk sein tägliches Geschäft.

Krauss ist geschäftsführender Gesellschafter der Autowerk GmbH, die das operative Tagesgeschäft bei der Vermietung des Opel-Altwerks führt. Und er ist auch Geschäftsführer der beiden Gesellschaften, die das Altwerk einst gekauft haben und in deren Händen es sich noch immer befindet.

Auf dem Schreibtisch des Geschäftsführers liegen Automobilzeitschriften, auf dem Drucker steht ein handgebautes Auto-Modell aus Holz – ein Geschenk eines Mitarbeiters. An der Wand lehnen Fotografien von Oldtimern.

 

Der Mann, so viel ist schnell klar, hat

eine Leidenschaft

: Autos. Alte Autos, um genau zu sein. Diese Leidenschaft ist es auch, die ihn ins Altwerk geführt hat. „Vor zehn oder elf Jahren war das“, erinnert er sich. Damals stand das Altwerk zum Verkauf, ein Bieterverfahren wurde aufgelegt. Bewerbungen mussten allerdings bestimmte Kriterien erfüllen. „Das war von der Stadt und von Opel so festgelegt“, sagt Krauss. Eine Shopping-Mall sollte entstehen, der Rest des Areals den Themen Auto und Oldtimer gewidmet werden. „Alle andere Bieter kamen wegen der Mall, wir wegen der Autos“, sagt Krauss und lächelt. Den passenden Projektentwickler für das Thema Shopping-Mall mussten Krauss und seine Mitstreiter erst noch an Land ziehen, dann jedoch bekamen sie tatsächlich den Zuschlag.

Der Plan sah vor, die Gebäudeteile A und B, gelegen am Bahnhofsplatz und an der Weisenauer Straße, an den Projektentwickler für die Shopping-Mall zu veräußern. Die Teile C und D sollten vor allem zu einem Oldtimerzentrum ausgebaut werden.

Was folgte, waren mehrere Jahre zähen Ringens. „Den Eröffnungstermin für das Oldtimerzentrum haben wir in den Flyern mehrmals nach hinten geschoben.“ Das Ergebnis ist bekannt: Die Zerschlagung der Shopping-Pläne für die Gebäudeteile A und B, die direkt an der Fußgängerzone und der Weisenauer Straße liegen. Vor rund zwei Jahren war das. „Der Oberbürgermeister hat das damals abgesagt“, erinnert sich Krauss, und bei dieser Erinnerung lächelt er nicht. Viel Arbeit sei in das Projekt geflossen, endlose Sitzungen in Workshops, mit Fachplanern und Denkmalschützern.

Und dann war – fast von einem Tag auf den anderen – plötzlich Schluss. „Für uns war plötzlich die Basis weg“, sagt Krauss. Die Entwicklung des Areals stand wieder ganz am Anfang und Krauss und seine Partner waren von ihrem Traum vom Oldtimerzentrum so weit entfernt wie noch nie.

Die Enttäuschung von damals, sie ist natürlich noch immer vorhanden. Im Gespräch mit dem Geschäftsführer kommt sie allerdings nur manchmal zum Vorschein. Etwa wenn es darum geht, wie die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert. „Die Fachämter sind kompetent und engagiert.“ Zur Politik schweigt Krauss. Manchmal spricht auch das, was nicht gesagt wird, Bände.

Wobei: In einem Punkt sagt Krauss dann doch etwas. Hinsichtlich der Idee, die kulturellen Angebote der Kommune im Altwerk zu bündeln. Das sei schon möglich. „Wenn es etwas Konkretes gibt, kann man drüber reden.“ Nur gebe es eben viel zu oft nichts Konkretes. „Und auf Verdacht können wir die Flächen natürlich auch nicht freihalten.“ Dafür sind, aller Unkenrufen zum Trotz, die Flächen im Altwerk, die zur Vermietung stehen, zu stark nachgefragt. „Wir haben rund 30 Mieter, die dazu gekommen sind, seit wird das Altwerk erworben haben. Die Nachfrage ist auch aufgrund des guten Standorts recht ordentlich“, erzählt Krauss vom Tagesgeschäft. Mit der Hochschule Rhein-Main ist ein großer Mieter zwar gerade erst ausgezogen, aber es sei von vorneherein klar gewesen, dass die Mietdauer begrenzt sein würde. „Aber die Gebäudeteile C sind voll vermietet.“

Eine tatsächlich auch von außen sichtbare Veränderung wird sich in den kommenden Monaten im Gebäudeteil B1, direkt an der Ecke Weisenauer Straße, ergeben. Wo heute noch Café im Bistro getrunken wird, soll sich die Krankenkasse Viactiv ausbreiten, die zusätzliche Flächen anmietet (wir berichteten).

 

Die Gebäudeteile A und B zu veräußern, so wie es ursprünglich Teil des Konzepts zur Entwicklung des Altwerks war, ist nach wie vor der Plan von Krauss und seinen Mitstreitern. Entsprechende Gespräche mit Interessenten gebe es. „Im Detail ist es bei dieser Immobilie natürlich nicht einfach, alle Vorstellungen zu realisieren. Es muss ja auch für beide Seiten passen“, sagt Krauss. Das sei eben doch ein wenig etwas anderes als der Verkauf eines Reihenhäuschens. Angedacht werde ein Nutzungsmix, Büros, Wohnen, vielleicht ein Boardinghouse. „Das ist jetzt wie ein kleinteiliges Mosaik. Sehr viel schwieriger als damals, als es noch um ein Einkaufszentrum ging“, sagt Krauss.

Auch wenn die Vermietung der Gebäudeteile C und D läuft, es Gespräche mit möglichen Käufern für A und B gibt, vollauf zufrieden wirkt der Geschäftsführer mit seiner Situation nicht. „Morgens zur Arbeit kommen, ein bisschen zwischen den Oldtimern Kaffee trinken und die Immobilien verwalten – das war unsere Traumvorstellung“, erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht. Und nun? „Wir werden ja auch nicht jünger. Der Punkt, an dem es keinen Spaß mehr macht, ist noch nicht erreicht. Aber ob ich das noch in zehn Jahren so machen will, weiß ich auch nicht.“

Vorerst aber bleibt alles so wie es ist. Und so reiht sich auch Krauss irgendwann im Laufe des Nachmittags in die Reihe jener Autofahrer ein, die am Pförtnerhäuschen freundlich verabschiedet werden. Schranke rauf, Auto raus, Schranke runter. „Schönen Abend, Herr Dr. Krauss.“

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