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Jo Dreiseitel (links), Martina Altschäfer und Uwe Menges stellen das Werk an Ort und Stelle vor. Foto: Alexander seipp

Historie

Geschichten eines uralten Gemäuers

  • vonAlexander Seipp
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Gesammelte Erinnerungen rund um die Festung: Vom legendären "Krokodil" im Burghof bis zur Champignonzucht im Keller: Die Bürgerstiftung hat persönliche Erzählungen von Bürgern zwischen zwei Buchdeckel gepresst.

Rüsselsheim -Ein Junge klettert die Festungswege entlang. Unten stehen seine Freunde, beobachten seine Mutprobe. Denn nur so kann er zu der Festungsbande gehören, den tapferen Verteidigern der Rüsselsheimer Festung gegen die Flörsheimer Bedrohung.

Dies ist nur eines der vielen Erlebnisse, welche die Rüsselsheimer mit "ihrer" Festung verbinden. Doch kaum einer weiß von ihnen. Nur jene, die dabei waren, können sich daran erinnern. Nun bringt ein Buch Licht ins Dunkel der Vergangenheit. Herausgegeben zum 25. Geburtstag der Bürgerstiftung Rüsselsheim, ist das Jubiläumsbuch ein Einblick in 34 Perspektiven der Festung.

Unterschiedlichste Erlebnisse

Eine davon ist etwa Marie-Luise Eberts, die sich während des Zweiten Weltkrieges bei Bombenangriffen in den Gemäuern versteckte. Mit Kinderwagen sei sie mitten in der Nacht zum Gemäuer gerannt, um unter den Mauern Deckung zu suchen, die allerdings im Falle eines direkten Treffers wohl wenig Schutz geboten hätten.

Oder Eugen Kerpen, dessen Vater in den 1930er Jahren eine Champignonzucht in den Kellern des Gebäudes betrieb. Andere, wie Helma Dehn, erinnern etwa an das legendäre Krokodil, eine große Drachenschaukel im Burghof, die über Jahrzehnte Anlaufpunkt der Rüsselsheimer Kinder war.

"Etwa ein Jahr haben wir gebraucht, um alles zusammenzutragen", berichtet Jo Dreiseitel, Vorsitzender der Bürgerstiftung Festung. Entstanden ist, so ist er überzeugt, ein ganz besonderes Werk. "Die Bürger erzählen von ihren oft ganz persönlichen Erlebnissen in der Festung, das ist ein echter Querschnitt durch die Stadtgesellschaft. Verdeutlicht wird das Ganze mit alten Fotografien, die teils zum ersten Mal zu sehen sind und für die einige Rüsselsheimer tief in ihren Bildersammlungen gegraben haben." Aber auch aus dem Stadtmuseum seien viele Bilder dabei.

"Ich wüsste gar nicht, was meine Lieblingsgeschichte aus dem Buch ist", sagt Martina Altschäfer, maßgeblich verantwortlich für das Werk. "Jeder hat seine eigenen Erlebnisse, die er mit der Festung verbindet." Über Jahrzehnte habe sich das Gemäuer immer wieder gewandelt. Von Ruine und Spielplatz für Kinder aus der ganzen Stadt bis hin zum Ort für Kunst und Kultur, der die Festung heute ist. "Die Festung ist aber nie Spielball der Stadtpolitik geworden, sie ist ein Ort, an dem man heute die positiven Energien wirklich spüren kann", findet Altschäfer.

Davon ist auch Uwe Menges, Vorsitzender des Freundeskreises der Stiftung, überzeugt, "Corona hat uns leider dieses Jahr alles verhagelt, aber für nächstes Jahr hoffen wir, wieder viele Angebote machen zu können." Denn eines dürfte sicher sein: Auch in 50 Jahren wird die Rüsselsheimer Festung noch stehen. Doch welche Geschichten werden die Rüsselsheimer dann zu erzählen haben?

Von Alexander Seipp

Hier kann das Buch erworben werden

Das Buch "25 Jahre Bürgerstiftung Festung Rüsselsheim am Main" ist in den Buchhandlungen Kapitel43 und Villa Hermann sowie im Kirchenlädchen und im Museum für 14 Euro erhältlich.

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