Rüsselsheimer Hessentagsbuch umfasst 24 Erzählungen

Geschichten aus der Opel-Stadt

Genuss für alle Sinne wurde den Besuchern der Lesung aus dem Hessentagsbuch im Jägerhof geboten. Auch ein berühmter Sohn der Stadt war unter den Vortragenden.

Wer lässt sich nicht gerne vorlesen? Auch im Zeitalter von Internet und Smartphone werden die meisten wieder zum kleinen Kind, wenn ein anderer zum Buch greift, um vorzulesen. Bei der Vorstellung des Hessentagsbuchs im Jägerhof gibt es aber nicht nur Genüsse für die Ohren.

Verlegerin Hanna Winkler hat sich mit dem Wirt des Jägerhofs, Ralf Hummel, zusammengetan und so sind neben drei Geschichten aus dem Buch auch drei kleine Gaumenschmeichler – Blätterteigpasteten mit Blut- und Leberwurstfüllung, knusprige Brotpommes mit einer Apfelwein-Handkäse-Sauce und zum süßen Abschluss Zimtsterne – aus der Küche des Jägerhofs für die Gäste vorbereitet.

Im Schatten der großen Platane lässt es sich nach dem heißen Tag gut aushalten, zumal jeder Gast auf dem Weg dorthin von Hummel zur Begrüßung einen kühlen Hessentagscocktail in die Hand gedrückt bekommt.

„Das Hessentagsbuch ist so schön geschrieben, so herzlich und facettenreich“, outet sich der Gastronom gleich als Fan des literarischen Hessentags-Projekts.

Vier Rüsselsheim-Geschichten aus dem 24 Beiträge umfassenden Band stehen auf dem Programm. Bekanntester Autor an diesem Abend ist Carlo von Opel, der aber nicht aus dem Buch vorliest, sondern frei vorträgt. Er hat sich so seine Gedanken darüber gemacht, wie es in Rüsselsheim heute aussähe, wäre Adam Opel bei den Nähmaschinen geblieben und hätte nicht auf das Auto umgesattelt.

Wahrscheinlich, fabuliert von Opel, gäb es heute kein Theater und auch kein Theater um das Theater. Auch die Großsporthalle und der Haßlocher Kreisel wären wohl nicht gebaut worden. Das Geburtshaus Adam Opels hingegen würde vielleicht noch stehen und von den Nachfahren des Firmengründers bewohnt werden.

Für besondere Erheiterung sorgte der frühere Chio-Chips- Geschäftsführer mit der Frage „Wer hätte dann Gunter Sachs geheiratet?“. Brigitte Bardot, so mutmaßte er, wahrscheinlich nicht. Und verriet auch noch ein kleines privates Detail: „Die BB war die Lieblingsschwiegertochter von Elinor von Opel.“

Helma Brandt und Irene Wohlfahrt schildern sehr plastisch und detailreich das Rüsselsheim der zurückliegenden Jahrzehnte, während es sich bei Viola Köble um recht persönliche Erinnerungen an die eigene Mutter handelt.

Eine originelle Erzählperspektive hat Irene Wohlfahrt gewählt, sie lässt einen A-Kadett aus seinem Leben in der A-Siedlung erzählen, die damals noch am Stadtrand lag. In jenen Tagen konnten die Kinder noch auf der Straße spielen und die Kugel Eis kostete nur zehn Pfennig.

Die mehrfache Urgroßmutter Brandt geht zurück bis in die harten Jahre während und nach dem 2. Weltkrieg, kurz davor wurde sie geboren. „In den ersten Jahren nach dem Krieg verdankten wir unser Überleben dem Garten“, erzählt sie, was für heutige Generationen wahrscheinlich unvorstellbar klingt. „Es war eine aufregende Zeit, das Beste war das Familienleben“, trägt sie vor und schließt mit den Worten: „Für mich ist Rüsselsheim Heimat, ich möchte an keinem anderen Ort der Welt leben.“

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