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Bilal Muhammad.

„Gewalt üben Extremisten aus“

Bilal Muhammad ist Imam und islamischer Theologe. Der 28-Jährige wuchs in Offenbach auf. Er ist der Imam von Ahmadiyya-Gemeinden in Südhessen. Echo-Mitarbeiter Rüdiger Koslowski sprach mit ihm über islamischen Fundamentalismus, Distanzierung von Gewalt und Prävention.

Herr Muhammad, Muslime kritisieren, dass die Medien den Islam auf Fundamentalismus und Gewalt reduzieren. Was macht den Islam denn tatsächlich aus und wer übt die Gewalt aus?

BILAL MUHAMMAD: Ich stimme dieser Kritik völlig zu. Der Islam ist eine friedliche Religion, dieser Aspekt ist bereits im Heiligen Koran enthalten. Der Koran lehnt jegliche Form von Gewalt kategorisch ab. In Glaubensdingen darf es keinen Zwang geben. In der heutigen Zeit wird die Gewalt von islamistischen Extremisten ausgeübt, von der weder Muslime noch die westliche Welt verschont sind.

Mitunter stehen die Muslime in der Kritik, sie würden sich nicht deutlich genug von Gewalt und Terroranschlägen distanzieren, beziehungsweise sie würden nicht dagegen demonstrieren. Wie beurteilen Sie diese Kritik?

MUHAMMAD: Diese Kritik trifft auf meine Gemeinde nicht zu, denn sie erhebt ihre Stimme gegen die islamistische Gewalt schon seit ihrer Gründung im Jahre 1889. In der Gegenwart distanziert sich die Gemeinde unter der Leitung ihres Oberhauptes Hadhrat Mirza Masoor Ahmad, der die Friedensaspekte des Islams weltweit aufzeigt. In Deutschland waren wir einer der ersten islamischen Gemeinden, die nach dem Anschlag in Berlin unsere Trauer bekundet, vor der Frauenkirche für die Opfer gebetet und darüber hinaus an anderen Orten Mahnwachen abgehalten haben.

Wie können denn Muslime dem Werben von Salafisten entgegenwirken und junge Menschen hindern, sich dem IS anzuschließen?

MUHAMMAD: Zum einen durch Aufklärung über die Kerninhalte des Islams und zum anderen durch Integration hierzulande. Die Jugendorganisation der Ahmadiyya-Gemeinde bemüht sich, ihren Mitgliedern die Auseinandersetzung mit der eigenen Religion und die aktive Mitgestaltung und Verantwortungsübernahme in der hiesigen Gesellschaft zu vermitteln. Daher sind unsere Jugendlichen nicht anfällig für Islamismus.

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