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Opel-Werk in Rüsselsheim

Wirtschaft

Gewerkschaftjugend sammelt Unterschriften für mehr Azubis und unbefristete Verträge bei Opel

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Nach einem Jahr ist für sie schon wieder Schluss. Gemeint sind 50 Opel-Mitarbeiter, die im vergangenen Sommer ihre Ausbildung beim Autobauer beendeten. Gewerkschafter protestieren dagegen – und bekommen dabei Unterstützung aus der Politik.

Der Stellenabbau bei Opel geht weiter. Der Autobauer hat am Freitag auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt, dass Ende Juni in Rüsselsheim 50 Mitarbeiter entlassen werden, die nach Abschluss ihrer Ausbildung im Sommer 2018 Jahresverträge erhalten hatten. Grund sei die laufende Neustrukturierung des Unternehmens. „Es gibt aber eine Verabredung, mit dem Betriebsrat über dieses Thema weiterhin zu sprechen“, teilt ein Sprecher mit.

Einstellungen gefordert

Auch stellt Opel in diesem Jahr wieder weniger Auszubildende ein. Halbierte der Autobauer deren Zahl im vergangenen Jahr bereits auf 80, sollen nun in der Rüsselsheimer Lehrwerkstatt einem Flugblatt der IG-Metall-Jugend zufolge nur noch 60 Azubis eingestellt werden. Und das obwohl der Abbau von 3700 Stellen, der laut Sanierungsprogramm vorgesehen war, überschritten worden sei.

Auch wer seine Ausbildung im Winter abschließt, solle „trotz tarifvertraglichen Anspruchs“ nur eine auf ein Jahr befristete Stelle bekommen. „Etwas, das in der Geschichte von Opel noch nie passiert ist“, kritisiert die IG-Metall-Jugend in dem Schreiben, das mit einer Unterschriftenliste verbunden ist, die sich gegen die Unternehmenspläne richtet.

Wer nur „so wenige“ Plätze anbiete, stelle die Ausbildung und somit Opels Zukunft in Frage. „Das können und werden wir nicht hinnehmen“, zeigen sich die Gewerkschaftsvertreter kämpferisch. Sie fordern die „sofortige“ Einstellung von 151 Auszubildenden, die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und die Verträge der „Sommer- und Winterauslerner“ zu entfristen.

Unterstützung bekommt die IG-Metall-Jugend aus der Politik. So ruft Kerstin Geis, SPD-Landtagsabgeordnete aus Bischofsheim, alle Bürger dazu auf, sich für die Ausbildungslandschaft bei Opel mit ihren Unterschriften einzusetzen, um die Zukunft der Lehrwerkstatt zu sichern. „Rüsselsheim ist die größte Stadt meines Wahlkreises, und die Zukunft Opels liegt mir natürlich sehr am Herzen. Umso mehr setze ich mich für den Erhalt der Ausbildungsplätze ein. Azubis sichern die Zukunft Opels und somit seine Qualität und Produktion von morgen“, sagt sie.

Auf der Internetplattform Facebook hat Geis ein Foto veröffentlicht, auf der neben ihrer eigenen auch die Unterschrift des hessischen SPD-Chefs Thorsten Schäfer-Gümbel auf der Liste zu sehen ist.

Treue Mitarbeiter

Die Treburerin Christiane Böhm, die für die Linke im Landtag sitzt, erinnert daran, dass die Mitarbeiter dem Autobauer trotz „schwerster Zeiten“ treu gewesen seien. „Dass man zu solch einem Zeitpunkt ankündigt, die Zukunft junger Menschen aufs Spiel zu setzen, das finde ich mehr als kritikwürdig“, äußert sich Böhm. Jungen Arbeitnehmern falle es immer schwerer, langfristige Pläne für ihr Privatleben zu gestalten, weil wie im Fall Opel Arbeits- und Ausbildungsplätze immer ungewisser würden.

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Jörg Cezanne aus Mörfelden-Walldorf räumt zwar ein, dass die Automobilindustrie gefordert sei, sich auf neue Bedingungen einzustellen, sie müsse aber auch dafür sorgen, dass sie ihr Ansehen unter den Verbrauchern wie den Menschen in der Region erhalten bleibt. Zur Zukunftsfähigkeit gehöre eine gute Ausbildung und eine starke Mitarbeiterschaft.

Strikter Sparkurs

Opel befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Nachdem der Autobauer vor zwei Jahren von der PSA-Gruppe übernommen wurde, herrscht ein strikter Sparkurs. Bis Mitte des Jahres sollen Teile des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim an den Ingenieur-Dienstleister Segula verkauft werden, der wie PSA aus Frankreich stammt. Bis zu 2000 der 7000 Mitarbeiter könnten, so die Befürchtung, bei Segula zu schlechteren Bedingungen die gleiche Arbeit verrichten.

Immerhin scheint der Sparkurs Wirkung zu zeigen. Kürzlich vermeldete Opel zum ersten Mal nach zwanzig Jahren wieder einen Gewinn.

Die Chance, mehr Autos zu verkaufen, bietet sich indes mit der noch in diesem Jahr geplanten Rückkehr auf den russischen Automobil-Markt, den Opel zuletzt vor drei Jahren bediente.

Kommentar von Sven Westbrock:

Die Nachricht, dass 50 junge Menschen Opel ein Jahr nach dem Ende ihrer Ausbildung verlassen müssen, wirkt wie ein weiterer Nackenschlag für die Belegschaft. Diese musste in den vergangenen Monaten ohnehin schon einiges erleiden. Es mag zwar sein, dass der bisherige Personalabbau aus wirtschaftlicher Sicht unumgänglich war und der Sparkurs von PSA erste Früchte getragen hat. Nichtsdestotrotz sollten die Franzosen sich schleunigst darum kümmern, an den Stellschrauben zu drehen, die Opel als Unternehmen für die Mitarbeiter wieder attraktiver machen können. Ein wesentlicher Bestandteil ist da, dass Angestellte eine ordentliche Zukunftsperspektive bekommen. Denn jemand, der andauernd Angst um seinen Arbeitsplatz haben muss, kann kaum produktiv arbeiten. Und wenn jemand dem Unternehmen keinen Gewinn bringen kann, nützt es auch nichts, wenn er kaum etwas kostet. Da kann dann noch so viel gespart werden.

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