Wilderei nimmt um die Feiertage erfahrungsgemäß zu.
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Wilderei nimmt um die Feiertage erfahrungsgemäß zu – in Rüsselsheim traf es nun ein junges Reh.

Schauriger Fund

Junges Reh illegal erlegt – Gewildert für den Weihnachtsbraten?

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Selbst erfahrenen Jägern geht dieser Anblick nahe: In Rüsselsheim auf Königstädter Gemarkung wurde am Wochenende ein junges Reh illegal erlegt. Spaziergänger entdeckten den Kadaver.

Rüsselsheim - Es ist kein schöner Anblick - auch nicht für Jäger Walter Höfeld, der regelmäßig Wild erlegt und ausnimmt. Höfeld steht mitten in seiner Jagdpacht in der Tiefgewann, einer Königstädter Gemarkung, und blickt hinunter auf das, was noch von dem Reh übrig ist. Viel ist es nicht: Die "Decke", wie man das abgezogene Fell beim Reh nennt, das Haupt, Brustkorb und Wirbelsäule, die Vorderläufe sowie die Innereien liegen im Gras hinter einem Gebüsch etwas abseits vom Feldweg. Höfeld hat es nicht geschossen. Ein bislang Unbekannter hat gewildert.

Spaziergänger mit Hunden hatten das Tier am Wochenende entdeckt und den Jäger informiert. "Das muss wohl von Samstag auf Sonntag passiert sind", so Höfeld. Auch er war Samstagabend auf dem Feld unterwegs. "Aber ich könnte nicht sagen, dass ich einen Schuss gehört habe, der zu dem Bild hier passt."

Reh-Kadaver in Rüsselsheim: Das "wertvolle" Fleisch fehlt

Der Jäger deutet auf das Haupt des Tieres, hier wäre bald das Gehörn durchgebrochen. "Das Bockkitz war noch jung", sagt er. "Die Keulen fehlen; hier kann man erkennen, dass der Rücken ausgelöst wurde."

Dass es sich um einen Unfall, beispielsweise mit einem freilaufenden Hund, gehandelt hat, schließt er absolut aus. Wie das Tier gestorben ist, kann er nicht ganz genau sagen. In der "Decke" finden sich keine Hinweise auf Ein- oder Ausschuss, möglicherweise ist das Tier absichtlich von einem Hund gehetzt und gerissen oder mit der Schlinge erlegt worden. Denkbar wäre auch ein kleinkalibrige Waffe, die kaum sichtbare Beschädigungen in der "Decke" hinterlässt, für die Jagd aber eigentlich nicht erlaubt ist.

Er geht davon aus, dass der Täter im Dunkeln gehandelt hat. "Wer so etwas tut, macht das nicht bei Tageslicht." Auch sei der junge Bock nicht an der Stelle erlegt worden, wo er ausgenommen wurde. Der Täter hat sich vorsätzlich hinter die Büsche verzogen. Eine halbe Stunde, mutmaßt Höfeld, wird der gesamte Vorgang des Ausnehmens gedauert haben.

Für möglich hält er es durchaus, dass sich hier jemand günstig seinen Weihnachtsbraten besorgt hat. Vor Festtagen sei die Wilderer-Rate erfahrungsgemäß hoch, so etwas hat Höfeld aber in über 20 Jahren als Jäger noch nicht erlebt, wie er sagt.

Wilderer in Rüsselsheim wohl kein Jäger: Vorgehensweise bei totem Reh zu "grob"

Dass die Person selbst Jäger ist, sei nicht anzunehmen. Dafür sei die Vorgehensweise zu grob gewesen. Zwar sei der Kopf sauber abgetrennt, die Decke aber unsauber aufgebrochen.

Höfeld will nun Strafanzeige erstatten, denn Wilderei ist eine Straftat. Deshalb lässt er das Tier nun auch noch liegen, falls die Polizei noch einmal einen Blick darauf werfen will. Anschließend will er es vergraben.

Wilderei in Rüsselsheim: „Das geht uns schon nah“

Er hält es für unwahrscheinlich, dass jemand gefasst wird, findet aber wichtig, dass die Tat publik gemacht wird: "Der Täter soll wissen, dass man das bemerkt und reagiert." Auch die Gefahr, die von der Person ausgeht, sei nicht zu unterschätzen. "Wer möglicherweise unbefugt eine Waffe im Rahmen des Wilderns benutzt, gefährdet Menschen, die einfach unterwegs sind." Wilderer zu stellen ist auch deshalb übrigens einzig und allein Polizeiaufgabe.

"Das geht uns schon nah", sagt Höfeld und spricht damit auch für seine Jägerkollegen, mit denen er sich die Pacht teilt. Generell gibt es auch mal Probleme mit freilaufenden Hunden, die Tiere verletzen oder töten. "Aber hier war es absichtsvolles Handeln. Die Person wollte ein Stück Wild haben." Wilderei entgegenzuwirken sei sehr schwer. "Das Gelände hier bietet viele Deckungsmöglichkeiten. Wer will das überwachen?" lor

Erst vor ein paar Tagen kam es nahe Rüsselsheim zu einem Schock-Vorfall mit einem Reh. Spaziergänger beobachten eine Hundemeute auf der Insel Langenau, die bei einer Drückjagd das Tier jagen. 

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