Humboldt-Schule

Ute Ic gewinnt mit tierischen Tricks die Aufmerksamkeit der Kinder

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Was haben Pferde, Esel und Waschbären mit Schulsozialarbeit zu tun? Ute Ic helfen die Tiere, die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen.

Trapp trapp, trapp trapp, trapp trapp. Durchs Klassenzimmer galoppieren Pferde. 20 an der Zahl. Das Hufgetrappel ist bis in den Flur der Alexander-von-Humboldt-Schule (AvH) zu hören. Genau genommen ist es ein Pferderennen. Die Schüler der fünften Klasse sitzen nach vorne gebeugt im Stuhlkreis und klopfen mit beiden Händen im Takt auf ihre Oberschenkel. Ute Ic ruft: „Achtung, die erste Hürde!“ Die Hände simulieren einen Sprung. Dann geht es weiter zum Wassergraben. Die Schüler kneifen sich in die Backen und machen blubbernde Geräusche. Eine Kurve noch, das Getrappel wird schneller. Das Ziel ist schon in Sicht. Und geschafft. Die Kinder lachen vergnügt.

Auch Ute Ic hat ihren Spaß, sie lächelt, ihre blauen Augen blitzen, die Arme ruhen lässig auf den Knien. Die vierte Stunde ist die letzte vor der Mittagspause. Mit den Spielen versucht die Schulsozialarbeiterin, die Aufmerksamkeit ihrer Schützlinge zu gewinnen – mit Erfolg. Die Fünftklässler schauen sie erwartungsvoll an.

Ic hat etwas mitgebracht: In einen unscheinbaren flachen Karton liegen schwarz-weiße Tierbilder. Die Blätter verteilt Ic nun auf dem Fußboden in der Mitte des Stuhlkreises. „Wenn Ihr ein Tier nicht kennt, fragt mich.“ Prompt gehen die Hände hoch. Ein Junge zeigt auf ein Bild in der Mitte: „Ist das ein Hippo?“ „Das ist ein Wildschwein“, ruft ein Mädchen. Ic schüttelt den Kopf. Im Klassenraum wird es still. „Das ist ein Warzenschwein“, sagt die Sozialpädagogin.

Wieder gehen die Hände hoch. „Und was ist das?“, fragt eine Schülerin. Sie lernt gerade die deutsche Sprache. „Das ist ein Krokodil“, hilft die Sitznachbarin. „Die beißen Dich“, und lässt zur Veranschaulichung ihre weißen Zähne aufblitzen.

Immer wieder heben sich Finger, Ute Ic ruft geduldig jede Meldung auf, bis alle Fragen geklärt sind. „Nun beschreibt Ihr die Eigenschaften eines Tiers, und die anderen müssen raten, welches es ist“, erklärt Ic. Sie geht mit gutem Beispiel voran: Das Tier ist neugierig, gefräßig, sozial und intelligent. Die Augen der Schüler schweifen suchend über die Blätter am Boden. Ein Hund? Ein Tiger? Nein. Noch ein Tipp: Das Tier ist gerne im Wasser und hat einen guten Tastsinn. Schweigen. „Der Waschbär“, löst Ic auf. „Das war schwierig“, gibt sie zu.

Jetzt dürfen die Kinder ihr Tier beschreiben. Wer es erraten hat, stellt das nächste Rätsel. „Es hat vier Beine und lange Ohren und ist nicht so schlau“, beschreibt ein Mädchen. Ein Hase? Nein. Ein Esel? Ja. „Welche Eigenschaft hat ein Esel noch?“, fragt Ic in die Runde. „Er ist stur“, meldet sich ein Schüler zu Wort. Die Sozialpädagogin nickt.

Schnell ist die Stunde vorbei. Das Pausenklingeln beendet die KL-Stunde, kurz für Klassenlehrerstunde. Doch die Klassenlehrerin der Fünften ist an dem Tag krank. Uta Linz ist für sie eingesprungen. „Die Schulsozialarbeiter stimmen die Themen mit den Klassenlehrern ab; es ist eine gemeinsame Stunde“, erklärt die Stufenleiterin für die fünften und sechsten Klassen an der AvH. Dabei behandeln sie Themenblöcke. Zurzeit geht es um Freundschaft. „Die Fünftklässler kommen von unterschiedlichen Schulen, sie fragen sich: Wer ist mein Freund? Welche Eigenschaften muss er haben“, sagt Ic. Vielen Kindern fehlten diese beschreibenden Wörter. „Das trainieren wir über diese Ebene“, verweist sie auf das Ratespiel mit Tierbildern.

Außerdem übten die Kinder das Reden vor der Gruppe sowie Rücksichtnahme ein, indem sie sich gegenseitig drannehmen. Und noch etwas: „Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass immer ein Mädchen neben einem Jungen sitzt“, sagt Ic. Mit der Sitzordnung will die Sozialpädagogin vermeiden, dass sich feste Gruppen bilden. Jeder soll mit jedem interagieren. Und wenn es dann doch einmal zu Konflikten zwischen den Schülern kommt, dann nimmt sich Ic die Zeit, dem auf den Grund zu

gehen.

Die ausgebildete Sozialpädagogin kennt viele Tricks und Kniffe, seit acht Jahren arbeitet sie an der AvH. Vorher war sie in der Jugendförderung und an Kindertagesstätten beschäftigt. Mit zwei Kollegen stellt sie sich den täglichen Herausforderungen im Schulalltag. Und die sind vielfältig. Neben der Unterstützung im Klassenzimmer gestalten die Schulsozialarbeiter Projekttage zu Themen wie Gewaltprävention und Mobbing.

Auch außerhalb der Unterrichtseinheiten beraten die Sozialpädagogen. „Die Schüler kommen zu uns, wenn sie etwas beschäftigt – zum Beispiel der Verlust der Oma, Reibereien mit den Eltern oder gar kulturelle Aspekte wie das Tragen eines Kopftuchs“, erklärt Ic. Auch Eltern wenden sich an die Schulsozialarbeiter, wenn sie Rat brauchen. Meist seien Ic und ihre Kollegen die erste Anlaufstelle, bevor sich die Eltern an außerschulische Institutionen wie das Beratungs- und Förderzentrum wenden.

„Die Schulsozialarbeiter sind eine große Unterstützung für uns“, betont Linz. „Sie helfen nicht nur Kindern mit Förderbedarf in der Klasse, sondern regen die individuelle und soziale Entwicklung aller Schüler an.“ Und dann muss Ute Ic auch schon weiter. Die Schulsozialarbeiter sind gefragt.

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