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Markantes Gebäude in zentraler Lage: So wird die Ecke Friedensplatz/Frankfurter Straße sich künftig präsentieren, hinten die Stadtkirche.

Stadtplanung

Gewobau entscheidet sich für den Entwurf des Frankfurter Büros „Raumwerk“ auf dem Karstadt-Areal

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Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Innenstadt: An der Stelle des ehemaligen Karstadt-Gebäudes wird ein neues Wohn- und Geschäftshaus entstehen – nach Plänen des Frankfurter Büros „Raumwerk“.

Rüsselsheim. Ein aufragendes Gebäude an der Ecke, fünf Stockwerke, raumhohe Fenster, eine helle Klinkerfassade und die oberen Etagen springen als Dachgeschosse zurück. So präsentiert sich künftig die Ecke Friedensplatz/Frankfurter Straße im Zentrum von Rüsselsheim. In seiner jüngsten Sitzung entschied sich der Aufsichtsrat der städtischen Baugesellschaft Gewobau für den Entwurf des Frankfurter Architekturbüros „Raumwerk“, wie der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Udo Bausch, gestern mitteilte.

Damit steht fest, nachdem der Aufsichtsrat im Juni 2018 beschlossen hatte, das 2016 angekaufte Areal selbst zu entwickeln, einen Neubau zu realisieren und zu bewirtschaften, wie sich die markante Ecke in zentraler Lage Bewohnern und Gästen der Stadt künftig präsentieren wird. Der Fokus wird neben dem neuen Tor zur Innenstadt aber vor allem auf Mietwohnungen liegen. Rund 80 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen sind vorgesehen. 5250 Quadratmeter stehen dafür zur Verfügung. Geplant ist eine Kaltmiete zwischen 11 und 14 Euro pro Quadratmeter. Der Rest der Fläche verteilt sich auf Ladengeschäfte und Gastronomie in den Erdgeschossen sowie das Bürgerbüro, das laut Planern an der Ecke Frankfurter Straße/Löwenstraße liegen wird. Bis Ende des Jahres soll die Baueingabe folgen, im Frühjahr 2020 der Abriss des alten Karstadt-Gebäudes.

Zwei Siegerentwürfe

Der Entwurf von „Raumwerk“ war einer von zwei im Januar ausgewählten Siegerentwürfen des von der Gewobau ausgelobten Architekturwettbewerbs. Er sieht eine sogenannte Blockrandbebauung, wie vom städtebaulichen Rahmenplan der Stadt festgelegt, entlang der Frankfurter Straße im nördlichen Areal und dem Friedensplatz im Osten des Areals vor, die in puncto Höhe und Fassadengestaltung auf die vorhandenen Bauten Rücksicht nimmt. Betont wird aber auch der Innenhof, wo viel Raum für Grün und private Rückzugsorte vorgesehen ist. „Wir wollen attraktives Wohnen mit hellen nach Südosten und Südwesten ausgerichteten Wohnungen um den begrünten Innenhof und zugleich eine urbane, helle Fassadengestaltung nach Norden und Osten. Dies ist im Entwurf wunderbar gelungen“, kommentierte Baustadtrat Nils Kraft, ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrates der Gewobau. Auch Geschäftsführer Torsten Regenstein zeigte sich mit der Entscheidung zufrieden. „Wir werden dort eine attraktive Wohnanlage an zentraler Lage bekommen.“

„Wir freuen uns“

„Wir freuen uns sehr über die Entscheidung“, sagte Architektin Sonja Moers, eine von drei geschäftsführenden Gesellschaftern des Büros „Raumwerk“, gestern. Die intensive Beschäftigung mit dem Areal durch die Architekten, die bereits den städtebaulichen Wettbewerb für sich entscheiden konnten, habe sich gelohnt.

Bis zur Baueingabe folgen weitere wichtige Schritte, kündigte sie an. Bodengutachter und Statiker sollen beispielsweise klären, ob das Kellergeschoss des ehemaligen Karstadt-Gebäudes als Tiefgarage in den neuen Bau integriert werden kann. Für die Mitarbeiter von „Raumwerk“ gab es dennoch erst mal allen Grund zu feiern. In den Räumen des Frankfurter Büros knallten gestern die Sektkorken.

Kommentar von Olaf Kern:

Daran wird man sich erst gewöhnen müssen: Statt der Tristesse eines alten funktionalen Kaufhaus-Kastens wird künftig ein repräsentativer Bau Rüsselsheims Stadtmitte prägen. Allzu schwer wird die Umstellung wohl nicht fallen. Es ist eine Zäsur. Der Entwurf, der nun das Rennen machte, ist überaus gelungen. Es ist Stadtreparatur mit Augenmaß. Ein Bau mit Charakter, ohne aufdringlich zu sein. Die Grundrisse versprechen attraktive Wohnungen in bester Lage. Schon gehen die Blicke nach vorne: Es wäre zu hoffen, dass sich das gesamte Löwenkarree zu einem neuen, innerstädtischen Quartier entwickelt. Der Neubau könnte der Anstoß für Eigentümer der Nachbargrundstücke sein, auch auf ihrem Boden Ideen umzusetzen. Aufwand und Mut für den Architekturwettbewerb haben sich gelohnt. Die Gewobau verdient dafür viel Lob.

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