Friedhof

Was von der Grabstätte nach Auslaufen des Nutzungsrechts bleibt

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Wenn ein Grab abläuft, ist die Arbeit der Friedhofsverwaltung noch lange nicht vorbei. Zuerst muss es „geräumt“ werden. Oft kommt dabei noch persönliches Eigentum zum Vorschein. Manchmal sogar noch mehr.

Am frühen Morgen rumpelt und brummt es auf dem Friedhof am Waldweg – wer über die Hecken schaut, sieht von weitem, wie sich ein Grabstein nach dem anderen emporhebt und wieder nach unten sinkt. Ein seltener Anblick, denn die Grabräumung findet in der Regel nur an einem oder zwei Tagen im Jahr pro Friedhof statt, erklärt Stefan Langhammer, Vorarbeiter der Friedhofsgärtner.

Bevor die Gräber geräumt werden, werden die Angehörigen selbstverständlich informiert. So haben sie die Möglichkeit, das Grab zu räumen und persönliches Eigentum zu entfernen, erklärt Michael Finger, Leiter der Friedhofsverwaltung.

„Bei einem Erdwahlgrab kann das Nutzungsrecht allerdings verlängert werden“, weiß er. Beim Reihengrab geht das nicht, denn hier entspricht die Dauer des Nutzungsrechts der Dauer der Ruhefrist des Verstorbenen. „25 Jahre hat ein Erwachsener, Kinder bis fünf Jahre 20 Jahre“, so Finger.

Eine Ausnahme bilden Urnengräber, die ebenfalls nur eine 20-jährige Ruhefrist haben und nicht verlängert werden können. Familiengräber stattdessen können zwischen 30 und 40 Jahre lang genutzt werden, außerdem können sie immer wieder verlängert werden. „Das geht teilweise über Generationen“, sagt Michael Finger. Zwischen 300 und 500 Grabstätten werden jährlich frei; knapp 600 Beisetzungen gibt es dagegen pro Jahr.

Stefan Langhammer und seine Mitarbeiter haben deshalb ordentlich zu tun: Den Grabschmuck abräumen, Pflanzen entfernen und eben auch Grabsteine entfernen. Dafür wird der Stein sicher eingklemmt, mit einem Greifarm angehoben und schließlich mit der Schrift nach oben auf das Grab gelegt.

Dort bleibt er drei Monate lang – falls jemand den Stein behalten möchte. „Er ist ja schließlich bezahlt“, fügt Finger an. Zurückgelassene Grabsteine würden zu 99 Prozent zu Schotter vermahlen, den der Städteservice Raunheim/Rüsselsheim dann verwende.

Um ein freigegebenes Grab für eine Neubelegung vorzubereiten, wird es ausgehoben. „

30 bis 50 Zentimeter

tiefer, als das neue Grab dann sein wird“, erklärt Michael Finger. Denn die Überreste, die sich manchmal noch in der Erde befinden, werden der Grabstätte nicht entnommen: „Sie werden dort weiter unten wieder beigesetzt“, weiß Finger.

Oft seien es Hüft- oder Oberschenkelknochen, die durch ihre Dicke langsamer verwesen. „Darüber kommt Erde und darauf dann der neue Sarg.“ Bei Urnengräbern wird die Asche ordentlich in der Erde beigesetzt. Dabei sind Erdbestattungen gar nicht mehr so häufig, weiß Stefan Langhammer: „80 Prozent setzen auf Urnenbestattungen“, weiß er.

Sehr selten fänden die Mitarbeiter bei der Grabvorbereitung sogenannte „Wachsleichen“. Diese sind noch sehr gut erhalten. „Sie entstehen, wenn der Verwesungsprozess gestört ist“, erläutert Michael Finger. Das könne durch einen hohen Grundwasserspiegel, der den Sarg im Wasser stehen lässt, aber auch durch die Beschaffenheit des Bodens geschehen.

Der bestünde beim Friedhof am Waldweg zum Beispiel vorwiegend aus Sand, Lehm und Kies, daher werden hier seit 2013 keine Tieferlegungen mehr vorgenommen. „Das ist nur noch in Königstädten, Bauschheim und auf dem Waldfriedhof möglich“, so Finger. Generell scheint der Friedhof momentan im Wandel: Bis auf die Wasserbestattung könne man hier in Rüsselsheim alle Bestattungsarten in Anspruch nehmen, auch Muslime können ihre Angehörigen traditionell beisetzen lassen. Baumbestattungen, bei der die Urne am Fuß eines Baumes beigesetzt wird, würden immer beliebter.

Und auch das Feld mit den frei gestalteten Grabzeichen auf dem Waldfriedhof hat bereits Interessenten. Zwei ungewöhnliche Grabmale stehen bereits dort. „Wir versuchen, zu erfüllen, was geht“, sagt Michael Finger.

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