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Er hat es doch noch in den Landtag geschafft: SPD-Direktkandidat Gerald Kummer (rechts) mit seinen Parteikollegen Landrat Thomas Will (Mitte) und Kreistagsabgeordneten Jan Deboy.

Landtagswahl 2018

Ein Groß-Gerauer Quartett für Wiesbaden

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Trotz des knappen Wahlergebnisses sitzen nächstes Jahr jeweils zwei Kandidaten von CDU und SPD aus dem Kreis Groß-Gerau im Landtag. Der ein oder andere musste aber lange zittern.

Jeder wusste: Diese Wahl wird die hessische Parteienlandschaft aufmischen. Und das tat sie dann auch. Im Landratsamt in Groß-Gerau verfolgten die Vertreter der Parteien gespannt die Auszählung der Wahlzettel – für den Wahlkreis 47 (Bischofsheim, Ginsheim-Gustavsburg, Kelsterbach, Nauheim, Raunheim und Rüsselsheim) und für den Wahlkreis 48 (Biebesheim, Büttelborn, Gernsheim, Groß-Gerau, Mörfelden-Walldorf, Riedstadt, Stockstadt und Trebur).

Obgleich die CDU landesweit zehn Prozent der Stimmen im Vergleich zur Landtagswahl 2013 verlor, durften sich ihre beiden Direktkandidatinnen Sabine Bächle Scholz für den Wahlkreis 47 und Ines Claus für den Wahlkreis 48 mit jeweils 26 Prozent der Stimmen über den Einzug in den Landtag freuen. Über ihre Listenplätze hätten sie es nicht geschafft.

Die beiden SPD-Kandidaten Kerstin Geis (Listenplatz 18) und Gerald Kummer (23) bibberten bis zuletzt. Doch am Ende des Abends schafften auch sie es über die Landesliste auf einen der insgesamt 29 Sitze für die Sozialdemokraten im hessischen Landtag.

Freude herrschte bei den Grünen. Nina Eisenhardt rutschte mit Listenplatz 15 souverän auf einen der 29 Landtagssitze ihrer Partei. Auch für Christiane Böhm (Linke) stand schon früh fest: Sie wird mit Listenplatz 5 einen der neun Sitze erringen. Neu im hessischen Parlament ist AfD-Kandidatin Alexandra Walter. Als zwölfte auf der Liste gesellt sie sich zur konstituierenden Sitzung im Januar zu ihren 18 Parteikollegen.

Das Ergebnis für die beiden Wahlkreise im Kreis Groß-Gerau spiegelt das durchschnittliche Wahlverhalten der Bürger in den insgesamt 222 Wahlbezirken wieder: 26,5 Prozent CDU, 25,5 Prozent SPD, 17,8 Prozent Grüne, 6 Prozent Linke, 5,5 Prozent FDP, 13,4 Prozent AfD und 5,4 Prozent Freie Wähler. Doch es gibt auch Ausreißer nach oben und unten.

Im „Allmendfeld“ in Gernsheim wählten 46 Prozent die CDU, sechs Prozent mehr als bei der vorangegangenen Wahl 2013. Gleichzeitig erhielt die SPD nur 9,5 Prozent der Stimmen, ganze 27 Prozent weniger als vor fünf Jahren. Auch in der Hessenaue schaffen es die Genossen gerade mal auf 9,6 Prozent (36,69 Prozent im Jahr 2013). 44 Prozent erreichen die Sozialdemokraten dafür im Wahllokal „Pestalozzischule Aula“. Diese extremen Werte bleiben aber die Ausnahme.

Beste Ergebnisse erzielen die Grünen in der „Kita Parkweg“ in Bischofsheim mit 26,77 Prozent für Michael Tönsmann. Einzige Stimmverluste gibt es in der „Pestalozzischule“ in Raunheim, wo die Grünen 2,42 Prozentpunkte verlieren.

Ihren Höchstwert erreicht die AfD im Wahllokal „Schillerschule“ in Rüsselsheim mit 24,33 Prozent. Alexandra Walter holt in fast allen Wahllokalen in ihrem Wahlkreis zwischen 10 und 15 Prozent der Stimmen. Ihre Parteikollegin Irmgard Horesnyi kann im Biebesheimer Wahllokal „Evangelische Freikirche“ 20,46 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, sie schafft es aber mit Listenplatz 30 nicht in den Landtag. Die Freien Wähler (FW) dürfen sich mit Kandidat Jörg Wetzel über 15,38 Prozent im Bürgerhaus Ginsheim freuen. Ansonsten bewegen sich die FW zwischen zwei und sechs Prozent.

Ein Trend: Die Wahlbeteiligung ist in beiden Wahlkreisen gesunken. Im Wahlkreis 48 gingen dieses Jahr 68,43 Prozent (2013: 75,1 Prozent) der wahlberechtigten Bürger zur Urne. Im Wahlkreis 47 waren es sogar nur 62,27 Prozent (2013: 75,2 Prozent).

Einen Tag nach der Landtagswahl geben sich die Parteien versöhnlich. Der wochenlange Wahlkampf hat ein Ende. Die Kreis-SPD bedankt sich bei ihren Wählern, „dass Kerstin Geis und Gerald Kummer wieder in den hessischen Landtag einziehen können“. Für Kummer war es sehr knapp geworden. Er schaffte es auf den letzten Listenplatz. „Ich hatte ein schlaflose Nacht“, sagt er. Erst am nächsten Morgen habe Kummer von einem Mitarbeiter erfahren, dass er für weitere fünf Jahre gewählt ist. Für ihn soll es mit 60 Jahren das letzte Mandat sein. Doch jetzt will der SPD-Mann erst einmal weiter im hessischen Landtag mitmischen. Am Abend möchte Kummer mit seinen Parteikollegen auf den unverhofften Erfolg anstoßen.

Aufatmen auch bei der CDU. Sabine Bächle-Scholz bedankt sich für die Stimmen. „Ich sehe es als Auftrag, Sie weiterhin vor Ort und im Landtag zu vertreten.“ Überschwänglicher drückt sich Ines Claus aus: „Ein spannender Abend liegt hinter uns. Ich freue mich persönlich riesig, dass ich das Direktmandat für die CDU wieder im Wahlkreis 48 Groß-Gerau holen konnte. Der Wahlkampf hat mir richtig Spaß gemacht, und ich habe viele Projekte und Anliegen auf den Zettel nehmen können.“

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