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Förster Oliver Burghardt begutachtet eine Eiche im Ostpark, die von einem Sturm umgerissen wurde.

Umwelt

So groß sind die Schäden im Stadtwald

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Für den hiesigen Baumbestand war das Jahr zu trocken und zu stürmisch. Der Schaden ist immens – und könnte durchaus noch größer werden.

Die braunen Blätter hängen noch am Ast. Doch der liegt, wie der Rest der vom Sturm umgeworfenen Eiche, auf dem Boden, ist zersplittert, so dass das helle Holz im Innern zu sehen ist. „Der Baum war noch völlig gesund“, konstatiert Förster Oliver Burghardt. Ein Bericht des Magistrats geht davon aus, dass im gesamten Stadtwald allein Ende September durch Orkan „Fabienne“ 600 bis 800 Festmeter Holz umgefallen sind. Noch mehr als Laubbäume wie die Eiche sei die Kiefer, der in Rüsselsheim am weitesten verbreitete Nadelbaum, betroffen.

Schon im Januar hat Sturm „Friederike“ europaweit mehrere Millionen Kubikmeter Holz zu Boden geworfen. Dies habe dazu geführt, dass die Verkaufspreise, insbesondere für Nadelholz, „erheblich“ gesunken seien.

Kahle Krone

Im Ostpark hat Burghardt den Blick auf eine Gruppe Kiefern gerichtet. Die meisten seien tot, erzählt der Förster, während er ein Stück morscher Rinde vom Stamm zieht. Etwa zwei Jahre könne der Baum wohl trotzdem noch stehen bleiben. Dafür sei der Stamm hart genug, sagt Burghardt und klopft dagegen. Doch biologisch gesehen „passiert da nichts mehr“, sagt er. Ein weiterer Beleg dafür sei die kahle Baumkrone des eigentlich immergrünen Nadelbaums.

Der schlechte Zustand der Bäume ist dem Bericht des Magistrats zufolge vor allem auf den extrem trockenen und warmen Sommer zurückzuführen. Die wenigen Niederschläge hat der sandige Rüsselsheimer Boden nur schlecht speichern können, so dass die Grundwasserstände gesunken sind. In die so geschwächten Bäume hat sich eine große Population von Borkenkäfern einnisten können. In vielen Fällen habe dies zum Absterben der Bäume geführt – was sie wiederum anfälliger für Stürme macht.

75 000 Euro Kosten

Laut Magistratsbericht würden die Schäden erst nun langsam sichtbar. Vor allem bei den Kiefern verstärkten sich die Absterbe-Erscheinungen von Woche zu Woche. Bereits jetzt, so wird geschätzt, seien 2 350 Festmeter Holz der Trockenheit zum Opfer gefallen. Davon allein tausend Festmeter im Ostpark. Die Zahl könne sogar noch steigen. Dies ist etwas mehr als der gesamte Jahreseinschlag. 75 000 Euro kosten die Schäden am Holz den Stadtsäckel. Aufgefangen werden soll der Betrag mit dem laufenden Haushalt. Und zwar über Einnahmen aus dem Ökopunktekonto.

Im Magistratsbericht steht, dass der Rüsselsheimer Wald an den „Rand seiner Existenz“ geführt worden sei. Ganz so drastisch klingt das bei Förster Burghardt nicht. Gegen Stürme etwa seien die Bäume im Ostpark gut gewappnet, da sie über ein günstiges Verhältnis von Höhe zu Durchmesser verfügten. Heißt, die Bäume sind relativ dick und niedrig. So müsse die Geschwindigkeit des Sturm, der die Eiche im Ostpark umgerissen hat, deutlich mehr als hundert Kilometern pro Stunde betragen haben. Nachgepflanzt werden muss sie nicht. Die Natur regelt das von selbst. Neben dem zersplittertem Ast der Eiche wächst schon ein neuer Baum heran.

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