Durch das monatelange Homeschooling haben viele Schüler nicht nur inhaltlich, sondern auch bei der Sozialisation mit Gleichaltrigen einen Nachholbedarf. FOTO: dpa
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Durch das monatelange Homeschooling haben viele Schüler nicht nur inhaltlich, sondern auch bei der Sozialisation mit Gleichaltrigen einen Nachholbedarf.

Schulkinder und Corona

Große Lücken und soziale Defizite

  • VonDr. Daniela Hamann
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Rüsselsheimer Stadtelternbeirat fordert klare Maßnahmen gegen Folgen der Pandemie

Rüsselsheim -Wie haben die Schüler in Rüsselsheim die Corona-Pandemie bisher erlebt? Was hat die Krise mit ihnen gemacht und welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um negativen Folgen zu begegnen? Diese und viele weitere Fragen besprachen am Montagabend sozialpädagogische Fachkraft Jennifer Daschevski, Adnan Dayankac, Vorsitzender des Rüsselsheimer Ausländerbeirates, Uta Dogan von der Schulsozialarbeit der Stadt, Uwe Ernst, stellvertretender Vorsitzender des Stadtelternbeirates, Robert Hottinger, Lehrer und Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Peter Kreuzer vom Sportbund Rüsselsheim sowie Heike Pauly, Mitglied im Landeselternbeirat Hessen.

Ein Fazit der Diskussion laute: Die Eltern sind ausgebrannt, schildert Roland Lobenstein, Vorsitzender des Stadtelternbeirats. "Unter den Eltern hat sich eine Art Resignation breitgemacht. Es gibt kaum mehr eine Auseinandersetzung mit den Corona-Maßnahmen in den Schulen."

"Aufwand hat sich halbiert"

Gleichzeitig sieht Lobenstein jedoch auch eine Art Aufbruchsstimmung: "Es gibt verschiedene Fördermittel vom Land, mit denen wir klare Maßnahmen in Gang setzen könnten." Die Mittel seien für die beiden Programme "Aufholen nach Corona" und "Löwenstark - der Bildungskick" bestimmt. Wie sie genau verwendet werden, entschieden die Kommunen.

Roland Lobenstein sagt, der Stadtelternbeirat habe bereits im vergangenen Jahr angeregt, allen in Rüsselsheim lebenden Kindern für ein Jahr eine kostenlose Mitgliedschaft in einem örtlichen Verein ihrer Wahl zu ermöglichen. Die Mittel aus "Aufholen nach Corona" - das Programm hat eine gezielte Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche mit zum Beispiel auch Ausflügen und Ferienfreizeiten zum Inhalt - könnten hierfür verwendet werden. Eine weitere Idee sei, Kindern im Sommer eine kostenfreie Saisonkarte für das Schwimmbad auszustellen.

"Unsere Expertenrunde hat berichtet, dass Kinder und Jugendliche großen Nachholbedarf bei der Sozialisierung mit Gleichaltrigen haben. Angebote wie diese würden sie mit anderen Kindern und Jugendlichen regelmäßig zusammenbringen." Zudem schlage der Stadtelternbeirat vor, Angebote wie das Spielmobil und die Jugendarbeit allgemein weiter zu stärken.

Neben den sozialen Defiziten, die sich während der Pandemie bei einigen Kinder entwickelt haben, seien natürlich auch schulische Leistungen und das Lernen während der Lockdowns zu kurz gekommen. "Der Schulaufwand hat sich bei den Kindern und Jugendlichen halbiert. So haben sie viel weniger Stoff aufgenommen und haben nun Lücken, die es aufzuholen gilt", so Lobenstein. Das Programm "Löwenstark - der Bildungskick" setze hier gezielt an.

Robert Hottinger sprach an, dass er bei den Jugendlichen verstärkt depressive Verstimmungen beobachte. Sogar Suizidgedanken seien ihm geschildert worden. Die Teilnehmer der Diskussion stimmten überein, dass diese Entwicklung dringend im Auge zu behalten sei.

Persönliche Begegnungen

Einig waren sich die Anwesenden auch darin, dass selbst eine gute technische Ausstattung die persönliche Begegnung nicht ersetzten könne. Ein Grund für die Zunahme von Depressionen bei Jugendlichen seien vielleicht auch der im Lockdown nicht mehr geregelte Alltag und die Isolation gewesen. Selbst Lehrer hätten hin und wieder Probleme gehabt, ihre Schüler zu erreichen. Zudem sei nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht eine erhöhte Aggressivität unter den Schülern spürbar gewesen. So sei auch die Zahl der Elternberatungen im vergangenen Jahr stark angestiegen.

Heike Pauly bemängelte die Kommunikation zwischen Kultus- und Sozialministerium sowie den Eltern während der Krise. Auch hier gebe es dringenden Verbesserungsbedarf. Insgesamt gelte es nun, die Fördergelder überlegt zum Wohl der Kinder und Jugendlichen in der Stadt einzusetzen. "Wir stehen in diesem Fall in stetigem Austausch mit den Verantwortlichen und hoffen, dass unsere Anregungen Gehör finden werden", so Lobenstein. Daniela Hamann

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