Warnschilder und Absperrbänder wiesen Spaziergänger auf die Jagd hin. Jagdleiter Jörg Arnold verbat sich ein Foto von der Strecke ? aus ?ethischen Gründen?.
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Warnschilder und Absperrbänder wiesen Spaziergänger auf die Jagd hin. Jagdleiter Jörg Arnold verbat sich ein Foto von der Strecke ? aus ?ethischen Gründen?.

14 Jäger und zehn Treiber erlegen nur ein Damwild

Große Pirsch, dürftiges Resultat: Weit und breit keine Sau

Das Ergebnis der Treibjagd der Jagdgenossenschaft Raunheim/Rüsselsheim ist mau ausgefallen. Die Teilnehmer brachten nur ein Damwild zur Strecke, Wildschweine wurden keine erlegt. Erstaunlich: Gerade das soll ein Beweis für die gute Strategie bei der Unterhaltung der Pirschbezirke sein.

Nach und nach trudeln die Jäger am Pflanzgarten der Jagdgenossenschaft Raunheim/Rüsselsheim ein. Sie teilen Gebäck auf und löschen ihren Durst. Hinter der Hütte dampft es, der Grill ist bereits angefeuert. Die Jäger wollen Wildschweinbratwurst und Thüringer auflegen. Sie versprühen gute Laune.

Dabei ist das Ergebnis der Treibjagd am Samstag sehr dürftig ausgefallen. Lediglich ein Stück Damwild liegt auf dem Waldboden, gleich erteilen ihm die Jäger um Jagdleiter Jörg Arnold die „letzte Ehre“.

Der in Raunheim lebende Amerikaner Mark Walworth ist der treffsichere Schütze. Empfindet er Stolz, der Einzige erfolgreiche Schütze gewesen zu sein? „Ich bin glücklich, aber nicht stolz“, sagt er und lächelt charmant. Die Jäger respektierten das Wild, deshalb freuten sie sich zwar, wenn sie ein Tier erlegt haben, verspürten aber keinen Stolz.

Walworth ist einer von sechs „Begehungsscheininhabern“, also lizensierter Jäger, der sechs Pirschbezirke der Jagdgenossenschaft. Der Amerikaner lebt seit 2006 in Deutschland und seit vier Jahren in Raunheim. Schon in seiner Heimat, dem US-Bundesstaat Michigan, begleitete er seinen Vater bei der Jagd.

Die Gruppe ist ihm wichtig. Deshalb schreibt er sich den kleinen Erfolg auch nicht alleine zu. „Wir sind als Gruppe unterwegs, deshalb ist jetzt auch die Gruppe fröhlich“, beteuert Walworth.

14 Jäger und 10 Treiber beteiligten sich an der Jagd, informierte Arnold, der seit einem Jahr über einen Begehungsschein der Jagdgenossenschaft verfügt. „Nicht einmal die Treiber haben eine Sau gesehen“, drückt er sein Erstaunen aus. Dies sei durchaus ungewöhnlich. Auch die Flörsheimer Jagdpächter hätten kein Wildschwein zu Gesicht bekommen. Sie und Jäger des Landes waren am Samstagvormittag ebenfalls in ihren Revieren unterwegs. „Die Jagd hat sich wohl unter den Wildschweinen herumgesprochen“, vermutet Arnold schmunzelnd.

Dass sich keine Wildschweine haben blicken lassen, spreche gleichwohl für das Konzept der Ansitzjagd der Jagdgenossenschaft, gewinnt Arnold der mauen Strecke etwas Positives ab. Die Jagdgenossenschaft mit ihrem Vorsitzenden Reinhard Ebert, der an diesem Tag verhindert war, setze mit den regelmäßigen Jagden der Begehungsscheininhaber vom Hochsitz aus auf die richtige Strategie. Es sei jetzt zwar schade, dass keine „Sau zur Strecke gebracht“ wurde, aber eben auch nicht verwunderlich. Auf die Größe der Population lasse sich deshalb nicht schließen. „Aber besonders groß kann sie nicht sein, sonst hätte wir Wildschweine gesehen“, meint Arnold. Dass Wildschweine immer wieder aufgewühltes Erdreich an und in Wohngebieten zurückließen (das Echo berichtete), deute nicht zwingend auf eine große Population hin. „Solche Spuren können auch kleinere Rotten hinterlassen“, erläutert er.

Die Treibjagd spielte sich im Bereich zwischen der Bundesautobahn 67, der Stockstraße und dem Waldsee ab. Die Jäger hatten mit ihren Flinten ungefähr im Zentrum Stellung bezogen. Zunächst wollten die Treiber das Wild von der Stockstraße auf die Jäger zutreiben, anschließend von der Autobahn. „Sie treiben das Wild vor sich her und hoffen, dass die Schützen richtig stehen“, erklärt Arnold das Prinzip der Treibjagd.

Die Zugangswege des Gebietes hatten die Jäger abgesperrt. Das war dringend nötig. Denn es gebe immer wieder Spaziergänger und Radfahrer, die sich nicht an die Warnung halten.

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