Hier ist nur ein kleiner Anleger: Geplant ist ein Steg, der die Ufer in Nord-Süd-Ausrichtung verbinden soll. FOTO: rko
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Hier ist nur ein kleiner Anleger: Geplant ist ein Steg, der die Ufer in Nord-Süd-Ausrichtung verbinden soll.

Initiative

Große Pläne für das Waldschwimmbad

Im Waldschwimmbad sei die Zeit stehen geblieben: Der Kiosk-Pächter will u.a. eine Brücke, Tretboote und einen ganzjährigen Gastro-Betrieb einführen. Bei der Stadt stoßen die Ideen auf wohlwollendes Kopfnicken.

Rüsselsheim -Das Waldschwimmbad aus dem Dornröschenschlaf wecken. Dem Waldschwimmbad eine neue Perspektive geben. Das wollen Andreas Andel, der langjährige Pächter des Kiosk des idyllischen Badesees, und Jan Muschiol, Architekt und Kulturstipendiat der Stadt Rüsselsheim.

Die beiden Männer sitzen voller Optimismus und Zuversicht auf der Terrasse am Seeufer. Im Hintergrund spiegelt sich die Vormittagssonne auf der Wasseroberfläche. Auf einem Tischchen stehen Kaffeetassen. Andel hebt den Blick auf den See hervor: "Von diesem Anblick sind die Leute begeistert".

Und eben dieses Ambiente wollen die beiden Männer herausarbeiten. Denn die Bäderlandschaft in Rüsselsheim habe sich verändert. Das Opel-Bad sei bereits vor vielen Jahren geschlossen worden. Das Hallenbad und das Freibad seien modernisiert worden.

Nur im Waldschwimmbad sei die Zeit stehengeblieben. "Das Waldschwimmbad sieht aus wie 1968", stellt Muschiol fest. Er und Andel verstehen ihren Vorschlag als Anregung, nichts sei in Stein gemeißelt. Gleichwohl bringen sie ein konkretes Konzept mit an den See.

Nein, wehren beiden deutlich ab, es werde kein weiteres Event-Bad entstehen. Der natürliche Charakter solle erhalten bleiben. Sie wollen die Aspekte Natur, Freizeit und Mensch verbinden. Das Waldschwimmbad sei ein beliebter Treffpunkt, der erhalten bleiben soll.

Neubau für alle Funktionen

Dabei komme dem neu geplanten Gebäude eine Schlüsselrolle zu. Denn die Umkleide, das Kassen- und Bademeisterhäuschen sowie der Kiosk sollen abgerissen werden. Statt ihrer entsteht ein Neubau, der alle Funktionseinheiten in einem Gebäude bündelt. Das Gebäude, in Holzbauweise errichtet, erhält ein begrüntes Flachdach und wird mit regenerativer Energie betrieben.

Als ebenfalls grundsätzlich neue Idee wollen die beiden einen ganzjährigen Gastronomiebetrieb einführen. Das Waldlokal bleibe auch nach Beendigung der Badesaison Mitte September für Besucher geöffnet, so Muschiol. Die Gäste könnten ihren so beliebten Blick auf den See also das ganze Jahr genießen. Der Clou ist indessen ein Steg, der die Ufer in Nord-Süd-Ausrichtung verbinden soll. "Die Brücke ist 100 Meter lang", sagt Andel (siehe Grafik oben).

Schwimmbecken in der Mitte

Nicht nur, dass die Menschen über die Brücke spazieren können. In der Mitte befinden sich ein Schwimmbecken mit vier 25-Meter-Bahnen, ein Sprungturm und eine Wasserrutsche sowie Tretboote. Am Ende des Stegs befindet sich ein Seepavillon. Andel weiß, dass am Waldschwimmbad viele Menschen einfach nur schwimmen möchten. Gerade für sie soll das Schwimmbecken zur Verfügung stehen. Der Steg teile den See zudem in einen Schwimm- und einen Freizeitbereich auf, wo beispielsweise Stand-up-Paddeln betrieben werden kann. Muschiol und Andel wollen außerdem am Ufer einige Zugänge ins Wasser neu ausgestalten. Sie betonen dabei, dass an Sandstrand, an der Liegewiese und dem Uferrundgang nicht gerüttelt werde. "Die Natur, das Grün, der Charakter bleiben erhalten", so Muschiol.

Ein weiteres Schmankerl seien mietbare Seekabinen, in denen Badegäste, insbesondere Familien, ihre Utensilien nicht nur am Tag, sondern auch über Nacht einschließen können. Weitere Ideen sind eine Wintersauna, ein Waldkindergarten und auch ein Waldcamp.

Rathaus signalisiert Zustimmung

Muschiol und Andel arbeiteten die Perspektivstudie bereits 2019 aus. Corona habe ihnen aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, sagt Andel. Baubeginn für das Gebäude, den Steg und die Seezugänge könne im Herbst 2022 sein, Eröffnung könne mit Start der Badesaison 2023 sein. Kostenpunkt: rund 3,5 Millionen Euro.

Als Betreiber sehen die beiden Männer eine Waldbad GmbH mit verschiedenen Gesellschaftern, unten denen sich auch Andel und Muschiol befinden. Es seien bereits Gespräche geführt worden, aber es könne noch nichts Konkretes übermittelt werden. Das Gelände soll in Erbbaupacht übernommen werden.

Gespräche mit der Politik führten die beiden bereits. Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos), die Leiterin des Amtes für Sport und Bewegung, Anette Tettenborn, Baudezernent Nils Kraft (SPD) und Sozialdezernent Dennis Grieser (Grüne) hätten Zustimmung signalisiert. Entscheiden müsse am Ende das Parlament oder der Magistrat.

Die Eintrittspreise sollen sozialverträglich sein. Das Waldbad soll sich jeder leisten können, so Andel. Er sprach auch mit Badegästen, die geteilter Meinung seien. Die Schwimmer urteilten eher kritisch, die Gäste der Gastronomie positiv. Ein Event-Waldschwimmbad wie in der Umgebung wünsche allerdings niemand. Rüdiger koslowski

Dieser Ausblick! Jan Muschiol (links) und Andreas Andel öffnen die Perspektive auf ein modernes Waldbad.

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