Mit 40 Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen votierten die Stadtverordneten für den Bebauungsplan. Foto: ok

Entwicklung

Ein großer Schritt in die "Motorworld"

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Ab jetzt kann (um-)gebaut werden. Die Stadtverordneten stimmten gestern Abend dem Bebauungsplan für das Opel-Altwerk zu. Zuvor wurde in der Stadthalle aber noch einmal hitzig debattiert.

Rüsselsheim-Mit großer Mehrheit haben am Donnerstagabend die Rüsselsheimer Stadtverordneten in ihrer Sitzung in der Stadthalle dem Bebauungsplan für die Entwicklung von Teilen des Opel-Altwerkgeländes durch den Investor "Motorworld" zugestimmt. Nur drei Abgeordnete aus den Reihen der Linken/Liste Solidarität und der Unabhängigen Liste stimmten dagegen. Damit ist ein zentrales innerstädtisches Vorhaben, rund zwei Jahre nach Bekanntwerden der Pläne für das bisher gegenüber der Stadt verschlossene Areal einen entscheidenden Schritt weiter.

Unter dem Titel "Motorworld Manufaktur Rüsselsheim" soll das Gebiet mit einer Fläche von rund 6,6 Hektar in bester Innenstadtlage zu einem "lebendigen und vielfältig genutzten Quartier" entwickelt werden. Die Firma Opel hatte zu Beginn der 2000er Jahre beschlossen, sich von nicht mehr benötigten Flächen des Stammwerkgeländes zurückzuziehen.

Die Unternehmensgruppe Dünkel mit ihrer Tochterfirma "Activ-Group" plant hier als neue Eigentümerin eine große Show-Fläche für Oldtimer und ein Hotel zu installieren, ebenso Wohnungen, Platz für Büros, Werkstätten, Handel und Kleingewerbe, sowie einen Supermarkt und eine Markthalle zu errichten. Entstehen sollen zudem eine große Halle für Konzerte, Kongresse, Tagungen oder Empfänge sowie ein Parkhaus. Vorgesehen ist auch die Schaffung einer neuen Zufahrt über die Öffnung des Altwerk-Gebäudes an der Weisenauer Straße. Zudem bestehen Überlegungen, wesentliche Angebote des städtischen Kulturträgers Kultur123 im Altwerk an einem Standort zu konzentrieren.

Freude und Erleichterung

Der Abstimmung vorausgegangen war noch einmal eine zum Teil leidenschaftlich geführte Debatte. Während die meisten Fraktionen ihre Freude und ihre Erleichterung darüber zum Ausdruck brachten, einen als historisch zu betrachtenden Beschluss zu fassen, meldete vor allem die Unabhängige Liste wiederholt grundsätzliche Zweifel am Gelingen des gesamten Plans an.

Zuvor sprach die SPD-Fraktion von einer "gigantischen Leistung" angesichts der Komplexität eines solchen Vorhabens. Es sei gelungen, das Projekt in "kürzester Zeit" mit einem aus dem Jahr 2008 stammenden, modifizierten Bebauungsplan Nr. 144 "Opel Forum Rüsselsheim" schließlich in einen "Meilenstein" für die Stadt zu verwandeln.

In der Tat hat die Stadtverordnetenversammlung ihre Anfang des Jahres selbst gesetzte Frist eingehalten, in der ersten Sitzung nach der Sommerpause einen Beschluss über den Bebauungsplan herbeizuführen - trotz Ungereimtheiten beim städtebaulichen Vertrag, trotz einer erneuten Auslegung und auch trotz Corona hat man das schließlich geschafft.

Nur durch einen Investor sei es möglich, das viele Jahre nicht mehr genutzte Gelände des Opel-Altwerks auch instand zu halten, sagte Maria Schmitz-Henkes für die Grünen. Ein neuer Ankerpunkt entstehe nun in der Innenstadt. Das Altwerk sei wichtig für das neue Rüsselsheim, auch wenn die Verkehrsentwicklung regelmäßig "evaluiert" werden müsse.

WsR: Entlastung beim Verkehr ist möglich

Die WsR fügte dazu unter anderem an, dass eine in Aussicht stehende, weitere Erschließung des Altwerk-Geländes in Zukunft auch zu einer Entlastung des Verkehrs in der Innenstadt führen würde.

Die CDU-Fraktion bezeichnete das Vorhaben als ein "Leuchtturmprojekt", auch wenn die Offenlegung des Bebauungsplans "alles andere als glatt und professionell" lief, wie Stefanie Kropp anmerkte. Ausdrücklich dankte sie Heinz-Jürgen Krug von der Linken/Liste Solidarität, dass er den "Fehler" im städtebaulichen Vertrag rechtzeitig erkannt und publik gemacht hatte. Gemeint war die vom Baudezernat vorgenommene nachträgliche Aufnahme von zwei weiteren Paragrafen in den städtebaulichen Vertragstext, ohne dass die Stadtverordneten davon wussten. Moniert hatten das gestern in ihren Ausführungen auch Grüne und WsR.

Nicht angenommen wurde der Antrag der Linken/Liste Solidarität, sämtliche Bauanträge des Investors der Stadtverordnetenversammlung zur Debatte und zur Entscheidung vorzulegen.

Gar nicht einverstanden zeigte sich Michael Flörsheimer (Unabhängige Liste) mit dem vorliegenden Projekt, das er als "Disney-Land für Autofans" bezeichnete. Lamborghinis und Porsches auszustellen hätte mit einer Pflege des Erbe von Opel nichts zu tun. Das Ausstellen von Oldtimern sei ohnehin "aus der Zeit gefallen". Und die versprochenen Läden würden erst alle gar nicht aufmachen. Den auf der Magistratsbank eine Reihe direkt vor ihm sitzenden Baudezernenten Nils Kraft (SPD) bezeichnete Flörsheimer als "Lobbyist der Firma Dünkel" und als "Erfüllungsgehilfe der Motorworld".

Natalie Kolb von der SPD-Fraktion sprang ihrem Parteikollegen Kraft bei. "Respektlos" und "persönlich beleidigend" sei das.

Auch Stadtverordnetenvorsteher Jens Grode ging das zu weit. Das seien persönliche Beleidigungen, solche Formulierungen habe Flörsheimer zu unterlassen. Von Olaf Kern

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