Die Gastgeber in der Gin Lounge: Kirsten Loos, Harald Loos und Michael Kietzmann servieren St.-Galler-Currywurst.
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Die Gastgeber in der Gin Lounge: Kirsten Loos, Harald Loos und Michael Kietzmann servieren St.-Galler-Currywurst.

Gastronomie

Grüne Soße im Gin und noble Currywurst

Bei Blumen Gütlich gibt es nicht nur Floristik, sondern manchmal auch Kulinarik. Sonntagmittag fand im Gewächshaus die Gin-Lounge statt, Sommelier Michael Kietzmann wusste einiges über den trendigen Wacholder-Drink zu berichten.

Für die Feinschmecker Rüsselsheims haben sich in den letzten Jahren einige neue Adressen geöffnet. Eine der spannendsten Gastronomien der Opelstadt befindet sich jedoch an einer altbekannten Adresse: das Gewächshaus von Blumen Gütlich in der August-Bebel-Straße. Hier gibt es jedes Jahr jedoch nur an wenigen Tagen Essen. Dann lädt die Floristentochter Kirsten Loos in das Geschäft ihrer Eltern. Ihr Mann Harald steht am Herd und der Sommelier Michael Kietzmann schenkt die passenden Tropfen aus. Diese Woche war es wieder so weit. Das Genießer-Trio lud zur „Gin Lounge: Crossover“.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der trendige Wacholder-Schnaps. Sechs verschiedene Gin-Sorten hatte Kietzmann mitgebracht. Zu jedem Drink hat das Ehepaar Loos dann noch einen kulinarisch passenden Gang bereitet. „Ich habe mich bewusst für ein paar unbekanntere Sorten entschieden“, erklärte er seine Auswahl. Der Sommelier leitet den Weinshop Vino della casa in Niedernhausen. Der Trend zum Gin schlage sich auch im eigenen Laden nieder. „Erst war das so ein kleines Hobby, mittlerweile haben wir über 100 Sorten Gin im Sortiment.“

Verrückte Tropfen

Den Start machte der „N Gin Two“ – mit Wacholder und Zitrusschale noch ein recht konventioneller Gin aus Spanien. Dazu servierte Loos aromatisch sehr gut passend karamellisierte Ziegenfrischkäse-Canapés. Später sollten deutlich verrücktere Tropfen folgen. „Die Bandbreite bei Gin ist so groß, wenn Sie einfach in eine Bar gehen und einen Gin Tonic bestellen, dann können Sie alle möglichen Getränke bekommen“, erklärte Kietzmann. Mit dem Gin Sieben hatte er beispielsweise einen Frankfurter Gin mit den sieben Kräutern der Grünen Soße dabei. Dazu bereitete Loos eine edle St.-Galler-Wurst als Nobelvariante der Currywurst zu.

„Das ist übrigens alles sehr gesund“, scherzte Kietzmann. Tatsächlich ist der Ursprung des Gin die Medizin. Der aus Hanau stammende Arzt Franciscus Sylvius hatte im 17. Jahrhundert den ersten Gin als Medizin entwickelt. Besonders in Großbritannien war seine Kreation sehr beliebt. Als das britische Empire später quer über den Globus reichte, gehörte Gin zum festen Lohn jedes Seemannes. So kam auch erstmals das Tonic Water in den Gin. Die chininhaltige Limonade bekamen die Matrosen zum Schutz vor Malaria; gegen den bitteren Geschmack half der Gin – also alles sehr gesund.

Am Sonntag in Rüsselsheim präsentierte Kietzmann jeden Gin zuerst pur und zeigte dann, welches Tonic und welche Garnitur dazu passt. Dem Gin Xoriguer Mahon gönnte er sogar eine zweistündige Infusion mit Kakaobohnen, später folgten Vanille und Orangenzesten mit dem bekannten Tonic von Schweppes. Das Ergebnis war ein sehr weicher, erfrischender Cocktail mit Dessert-Aromen doch frei von klebriger Süße.

Zucchini im Glas

„Gin muss unkompliziert sein“, ist Kietzmann überzeugt. Es sei quatsch, für jeden Gin im Schnapsschrank immer auch die passenden Tonics zu lagern. Man solle daheim einfach mit dem experimentieren, was da ist. „Rote Paprika ist zum Beispiel auch ganz hervorragend. Oder probieren Sie doch mal eine Zucchini im Glas, wenn keine Gurke zur Hand ist.“ Mit praktischen Beispielen machte Kietzmann Mut zum experimentieren. Den Gin mit den Grüne-Soße-Kräutern servierte er mit Petersilie und Schnittlauch. „Das ist echt gut für den Sommer“, fand Melanie Fritz, „da kann man ja einfach die frischen Kräuter aus dem Garten zugeben.“ Ansonsten begeisterte sie der Ursel-Gin aus dem Taunus. Dessen Geschmacksgeheimnis sind Bio-Zutaten und frische Fichtennadeln. „Da muss man gleich an einen Waldspaziergang denken.“

Der kulinarische Nachmittag überzeugte nicht nur durch starke Drinks und gute Küche, sondern auch die drei charmanten Gastgeber. Mit viel Humor und freundschaftlicher Zuneigung führten Harald Loos und Michael Kietzmann durch den Tag. Ob das Trio auch in diesem Sommer, wie in den vergangenen Jahren zum Barbecue mit Wein ins Gewächshaus laden kann, stehe noch nicht fest, erklärte Loos. „So ein Event wie die Gin-Lounge können Sie aber auch gerne als private Feier buchen“, erklärte Loos. „Rufen Sie uns an, wenn sie zehn bis 15 Leute zusammen haben. Wir finden einen Weg.“

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