Kleinkunstverein "Achterbahn"

Sie ist die gute Seele bei den Shows

  • Sven Westbrock
    VonSven Westbrock
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Ohne Gertrud Pölzleithner läuft beim Kleinkunstverein „Achterbahn“ nichts. Jetzt wurde ihr ein Preis verliehen.

Drei Wochen lag sie auf der Intensivstation. Neun Monate musste sie eine Therapie absolvieren, um die eigene Sprache wiederzugewinnen. Der Grund: Drei Schlaganfälle in zehn Tagen. Dass Gertrud Pölzleithner sie erlitt, ist mittlerweile zehn Jahre her. Dass sie sich wieder zurück ins Leben gekämpft hat, liegt auch an dem Halt, den die 75-jährige Hattersheimerin bei ihrer zweiten Familie gefunden hat: dem Gustavsburger Kleinkunstverein „Achterbahn“.

Dort gehört sie seit 1999 zum Inventar, ist Zweite Vorsitzende und kümmert sich um die Kasse. Das Engagement habe ihr geholfen, nach den Schlaganfällen wieder fit zu werden. Vom Verein sei dabei viel Unterstützung gekommen. „Ich wurde nicht fallengelassen, sondern aufgebaut“, blickt sie zurück. Besonders „der Axel“ habe daran geglaubt, dass sie wieder in Ordnung kommt. Axel Schiel ist der Vorsitzende der „Achterbahn“. Zu Pölzleithner hat er eine ganz besondere Beziehung.

Als Diabolo-Jongleur trat er als junger Mann auf der ganzen Welt auf – begleitet von der Rentnerin Pölzleithner. Gemeinsam waren sie in den USA, Russland und ganz Europa. „Sie hat ein offenes Ohr und kann die Nervosität eines Künstlers zulassen“, berichtet Schiel. Schließlich habe er unter großem Druck gestanden, wenn er für einen achtminütigen Auftritt auf der anderen Seite der Welt gebucht wurde.

Dafür, dass Pölzleithner sonst auch zu den zuverlässigsten Mitgliedern des Vereins gehört, wurde sie am Montag beim Neujahrsempfang mit dem Kulturpreis des Vereins in der Kategorie „Individuell und einzigartig“ ausgezeichnet. „Sie ist die, die am längsten dabei ist, die am konstantesten ist, immer hundert Prozent da, wenn alle absagen, macht sie drei Jobs gleichzeitig“, lobt Schiel. Während der Bühnen-Shows in den Burglichtspielen fällt ihr eine weitere Aufgabe zu: Sie versorgt das Publikum mit Snacks. Brausestäbchen, Chips und Schokoriegel – das alles bietet sie vor den Vorstellungen und während der Pausen an. Ihr Markenzeichen: Ein Outfit aus schwarzem Kleid, weißer Schürze und weißer Haube. Wenn sie es trägt , ist sie in ihrem Element.

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