+
Seit einigen Jahren gibt es Streit um die Wirbelschleppen, die die Jets an Dächern der Häuser in Flörsheim und Raunheim verursachen ? wie hier in der Nördinger Straße, wo Dachdecker Werner Rothe (links) und sein Gehilfe Wladimir Schneider Dachklammern anbringen.

Flughafen

Die Hälfte der Dächer ist noch nicht gegen Luftverwirbelungen gesichert

  • schließen

Jumbos, die die Ziegel von den Dächern holen? In der Region um den Flughafen ist die Gefahr gegenwärtig. Fraport zahlt die Sicherung, doch die Betroffenen zögern.

Besonders die großen Maschinen bereiten Sorgen. Ist ein Jumbo-Jet beim Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen zu tief unterwegs, können Luftverwirbelungen entstehen, die reihenweise Ziegel von den Dächern pusten. Für Menschen, die sich in der Nähe aufhalten, bedeutet das Lebensgefahr. 2013 ging deshalb bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden sogar eine Anzeige wegen versuchten Totschlags gegen Unbekannt ein.

Am meisten betroffen sind die Menschen in Raunheim und Flörsheim. Inzwischen ist Airport-Betreiber Fraport verpflichtet, die Sicherung gefährdeter Dächer zu bezahlen. Gesichert wird mit der sogenannten Dachklammerung, bei der Ziegel und Co. möglichst windsicher befestigt werden. Fraport bietet Betroffenen an, die komplette Sicherung selbst zu übernehmen.

Dafür arbeitet das Unternehmen mit Sachverständigen und Dachdeckern in der Region zusammen, beschäftigt mittlerweile selbst fünf Meister des Handwerks. Betroffene haben aber auch die Möglichkeit, selbst einen Handwerker zu beauftragen. Dann müssen sie die Kosten jedoch vorstrecken.

Ein Universalrezept für die Sicherung gibt es laut Fraport nicht. „Für manche Dächer haben wir sogar schon eigene Klammern entwickelt“, erzählt Kristine Heinisch, die das Dachklammer-Programm von Fraport leitet, am Montag bei einem Pressegespräch in der Unternehmenszentrale am Flughafen. Lediglich in Einzelfällen sei eine Sicherung bei „nicht normgerechten Dächern“ unmöglich gewesen.

Insgesamt geht es um 6000 Häuser. 42,3 Millionen Euro wurden bisher investiert. Für das Projekt eingeplant hat Fraport doppelt so viel Geld. Bisher haben erst gut die Hälfte der Hauseigentümer den Antrag gestellt, ihr Dach sichern zu lassen – 1854 in Raunheim, 1355 in Flörsheim. Tatsächlich gesichert wurden in Raunheim 1540 und in Flörsheim 1053 Häuser.

Warum viele Eigentümer bislang zögern, ihr Haus sichern zu lassen? „Dafür fehlt uns momentan das Gefühl“, berichtet Heinisch. Um Licht ins Dunkel zu bringen, lädt Fraport demnächst zu Bürgerveranstaltungen in beiden Kommunen ein. Die erste ist am Freitag, 2. März, in der Stadthalle Flörsheim. Die zweite zwei Wochen später im Raunheimer Bürgersaal des Rathauses. Beginn ist jeweils um 18 Uhr.

Fraport hofft, mit den Veranstaltungen möglichst viele betroffene Bewohner und Eigentümer zu erreichen. Der Kontakt mit Letzteren sei mitunter jedoch schwierig herzustellen. „Die leben zum Teil in Köln oder Hamburg und wissen gar nichts von dem Programm“, sagt Heinisch.

Mit dem Dachsicherungsprogramm wolle Fraport nicht nur die Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses zum Flughafenausbau erfüllen, sondern auch seiner „Verantwortung für die Region“ nachkommen, äußert sich Thomas Schäfer, der bei Fraport die Abteilung „Umweltauswirkungen Lärm und Luft“ leitet. So habe man sich von einem Dachdeckerbetrieb getrennt, über dessen Arbeit es im vergangenen Jahr Beschwerden gab.

In Flörsheim gehört Carola Gottas zu den größten Beschwerde-Führern in Sachen Flughafen. Sie ist die Sprecherin der Anti-Fluglärm-Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim. Sie sagt: „Als Flörsheimerin vertraue ich Fraport nicht.“ Trotzdem habe sie beim Flughafenbetreiber einen Antrag auf Dach-Sicherung gestellt.

Das sei allerdings schon mehr als die drei Monate her, die es eigentlich vom Antrag bis zum Start der Arbeiten dauern soll. In ihrem Antrag hätten notwendige Unterlagen gefehlt. Diese zu besorgen, sei sehr aufwendig. Besonders, wenn man wie sie in einem Haus wohne, das mehreren Eigentümern gehöre. Auch ist für Gottas unklar, wer für mögliche Folgekosten der Dachklammerung aufkommt. „Das hält ja nicht ewig“, gibt sie zu bedenken.

Horst Bröhl-Kerner, der Chef der Raunheimer Bürgerinitiative gegen den Fluglärm, will Fraport bei der Veranstaltung im Rathaus sagen, „dass das Klammern nicht ausreicht“. Denn oftmals seien nicht nur die Dächer von den Auswirkungen des Fluglärms betroffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare