Ausbildungsmesse

Lehrlinge im Handwerk werden verzweifelt gesucht

Auch in diesem Jahr bot die Ausbildungsmesse des Gewerbevereins Informationen satt. In der Werner-Heisenberg-Schule standen Lehrlinge und Ausbilder von rund 30 Betrieben und Institutionen den Jugendlichen Rede und Antwort.

Der Akkuschrauber im Haus erspart den Handwerker. Das weiß auch Kim Bertz ganz genau. Die 20-Jährige hat keinesfalls zwei linke Hände. Im Gegenteil: Wenn bei ihr daheim eine Schraube locker ist oder ein Bild aufgehängt werden muss – kein Problem. Als es darum ging, eine Lehrstelle zu finden, bewarb sie sich im Paradies für Heimwerker: beim Rüsselsheimer Obi-Baumarkt.

Auszubildende steht Schülern Rede und Antwort

Mittlerweile ist Kim Bertz im dritten Lehrjahr. „Ich würde nach der Ausbildung gerne bleiben, mich aber vielleicht über ein duales Studium auch weiterbilden“, erzählte Kim am Rande der Ausbildungsmesse in der Werner-Heisenberg-Schule, wo sie interessierten Jugendlichen, die bald von der Schule abgehen, gerne Rede und Antwort stand.

Während der von der Stadt und dem Gewerbeverein gemeinsam organisierten Veranstaltung boten rund 30 Ausbildungsbetriebe in der Werner-Heisenberg-Schule Informationen satt und die Erkenntnis: Lehrlinge werden zum Teil händeringend gesucht.

„Das ist besonders im Handwerk der Fall“, erläuterte Anke Erdmann-Rathgeber, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Rüsselsheim, die mit einem Stand ebenfalls präsent war.

Das kann Sascha Jäger nur bestätigen. „Manche Baufirmen haben massive Probleme, auch um den Fachkräftebedarf der kommenden Jahre zu decken“, erklärte der beim Frankfurter Bildungswerk Bau beschäftigte Ausbilder.

Dabei könne gerade das Bauhandwerk junge Leute mit prima Verdienst begeistern: 785 Euro bekommen Baulehrlinge im ersten Jahr, 1135 Euro im zweiten und 1410 Euro im dritten Jahr. „Und doch ist es immer schwieriger geworden, ausreichend Lehrlinge zu finden.“

Informieren ist wichtig

Hinzu komme, dass junge Mädchen noch immer einen Bogen um die raue Welt der Baustellen machen. „Wenngleich es längst nicht mehr so gravierend wie früher ist“, ermunterte Sascha Jäger auch Schülerinnen, sich über eine Ausbildung zur Maurerin zumindest kundig zu machen. „Es ist wichtig, dass sich die Jugendlichen über ihre favorisierten Ausbildungsberufe informieren“, unterstrich Berufsberaterin Erdmann-Rathgeber und machte auf ein weiteres Problem aufmerksam: den Abbruch der Ausbildung.

Je genauer man sich informiere, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit, vom gewählten Ausbildungsberuf enttäuscht zu werden. „Und wenn es doch so weit kommt, sollte man schnellstmöglich Kontakt zu uns aufnehmen“, rät die Berufsberaterin.

Unter den Ausstellern war auch in diesem Jahr wieder ein bei weiten Teilen der Bevölkerung umstrittener Arbeitgeber: Oberfeldwebel Dominik Hermes informierte über Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr. Doch im Gegensatz zu den Vorjahren machten sich Bundeswehr-Gegner und -Kritiker diesmal rar. „Uns sind keine Protestaktionen bekannt“, bestätigte Werner Nickel, Vizepräsident des Gewerbevereins, der die Ausbildungsmesse zusammen mit Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) und Peter Querbach, Leiter der Werner-Heisenberg-Schule, eröffnete.

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