Kunst

Jan Hanitsch arbeitet bis zum 20. Oktober im Labor der Opelvillen und spürt digitale Seherfahrungen auf

Bis 20. Oktober arbeitet im Labor der Opelvillen ein Künstler, der der Frage nach digitalen Seherfahrungen in Anwendung auf die Malerei nachgeht: Es lohnt sich, bei Jan Hanitsch (33), Absolvent der Hochschule für Gestaltung Offenbach, hereinzuschauen.

Wer Glück hat, dem öffnet sich die Tür: Jan Hanitsch ist Gastkünstler im Kelleratelier, dem „Labor“ der Opelvillen. „Ich nutze diesen Raum oft, aber unregelmäßig. Außerdem sind Besuche nicht immer passend, wenn ich mitten in einem Malprozess stecke“, sagt der in Offenbach lebende Künstler.

Anlässlich der Vernissage der neuen Ausstellung im Haupthaus der Opelvillen („Der Duft der Bilder“, wir haben berichtet) hatte Jan Hanitsch mit der Präsentation einiger Bilder Einblick in sein quasi unterirdisches Opelvillen-Schaffen gegeben. Wer treppab ging, stand vor gespachtelten Bildern monochromer, dichter Farbaufträge, die in beißendem Kontrast mit digitalen Medien verknüpft waren.

„Saving grace“ – „Anmut bewahren“ überschrieb Jan Hanitsch die Werkschau, die indes nur wenige Gäste hatte: Das Labor als Nebenschauplatz der Opelvillen wird unterbewertet. Aufgrund der hohen Zahl der Bewerber zur Nutzung des in der jungen Kunstszene Rhein-Main geschätzten Ateliers, ist die Verweildauer auf zwei Monate begrenzt. „Am 20. Oktober ist Schluss. Im Internet-Blog der Opelvillen ist zu lesen, ob ich eine Abschlussausstellung mache – ich lass das noch offen“, sagt Hanitsch. Denn: „Für zwei, drei Besucher ist der Aufwand zu groß.“ In seiner Abschlussarbeit an der Hochschule für Gestaltung Offenbach sei es thematisch um Oberflächenhybridisierung gegangen. Dabei gehe es um die Anwendung digitaler Seherfahrung auf Malerei, führt Jan Hanitsch in das künstlerische Thema ein, das ihn umtreibt. Vor einem schwarzen, lichtundurchlässig gespachtelten Ölbild, dem ein phosphoreszierendes, grelles Display in changierenden Grüntönen beigegeben ist, erklärt er: „Der Farbauftrag mit dem Spachtel erzählt vom konkreten Tun. Er erzählt, wie fest ich aufgedrückt oder wie schnell ich gearbeitet haben. Er bildet Körperlichkeit ab.“

Malerei erzähle damit von der physischen Lebenswelt. Bilder seien ein nicht lineares Protokoll ihres Werdens, zeichneten die wechselseitige Beziehung zwischen Körperenergie und Materie nach, erklärt Hanitsch. Dem gegenüber stehen digitale Erzeugnisse. Denn „während der Malkörper als Archiv des Organischen agiert und Faktoren wie Druck, Zeit und Bewegung gespeichert werden, ist das leuchtende Display vollkommen glatt“, führt Hanitsch weiter aus. Digital und tot, also?

„Jedenfalls sind digitale Bilder extrem schnell in riesigen Mengen zu konsumieren“, so sieht es Hanitsch. Die Dreidimensionalität und die Haptik würden dabei verloren gehen. In sofern stecke allemal ein kritischer Impuls in seinen Arbeiten. Zugleich aber nutze er die Kontraste, um das Spannungsfeld erfahrbar zu machen, in dem sich Malerei und Digitaltechnik bewegen. „Saving Grace“ – ’Anmut bewahren’ darf damit als Herausforderung und als Frage an den Betrachter verstanden werden. Jan Hanitsch formuliert es so: „In wie weit sind wir in unserer Wahrnehmung und bezüglich der Kriterien des Ästhetischen vielleicht zu stark von Digitalität beeinflusst?“ Eine Botschaft habe er als Künstler nicht, so Hanitsch, er teile bloß Erfahrungen mit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare