Kulturförderstipendium

Hannah Wehrum zwischen beflügelnder Kreativität und Bodenständigkeit

Hannah Wehrum (26) freut sich über das Kulturförderstipendium der Stadt 2017. In Stuttgart studiert die Theaterpädagogin aus Rüsselsheim Sprechkunst. Dort will sie Theaterluft schnuppern, denn schon als Kind zog es sie auf die Bühne.

„Ich freue mich sehr, dass ich das Förderstipendium erhalte“, sagt Hannah Wehrum, die nach der Performancekünstlerin Tamara Dauenhauer die 26. Förderstipendiatin der Stadt ist. Hannah Wehrum ist eine junge Frau des Theaters, der Bühne, des Schauspiels und der Rezitation. Und dies mit Leidenschaft. Derzeit studiert sie Sprechkunst an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.

Wir treffen die gebürtige Rüsselsheimerin in der Szenekneipe „Das Rind“, einem Ort, den sie mag und wo beim Tee am Samstagnachmittag auch gute Bekannte zu begrüßen sind. Hannah Wehrum erzählt enthusiastisch und mit Lebensfreude von ihrem bisherigen Weg, wenn er auch teils steinig war. „Fliegen – aber mit Schnur zum Boden“, so beschreibt sie sich; die Fähigkeit zu beflügelnder Kreativität der Darstellung paart sich mit Bodenständigkeit. Idealismus schön und gut – doch realistische Einschätzung der künstlerischen Möglichkeiten gehöre dazu, so Wehrum.

„Schon als Kind habe ich mich gern verkleidet – der Speicher im Haus meiner Eltern ist ein Kostümfundus, denn auch Mama ist Theaterpädagogin“, erzählt sie. Im Kindergarten sei sie permanent in der Verkleidungsecke zu finden gewesen, ihre erste Rolle im Grundschulalter sei die einer „schrillen Diva“ im Kistentheater gewesen. Später dann, an der Immanuel-Kant-Schule, habe sie alles daran gesetzt, in die Theater-AG aufgenommen zu werden. „Ich fand es so unfair, dass wir bis Klasse acht warten mussten“, sagt sie.

In den Jahren vor und nach dem Abitur hat Hannah Wehrum die Bühnen in Rüsselsheim kennengelernt – etwa beim „Verdammten Volkstheater“ unter anderem in einer Molière-Inszenierung: „Ich spielte das Zimmermädchen im Tartüff.“ Mit dem innovativen Theater „Sechzig90“ hat Wehrum über ihren Weggang aus Rüsselsheim hinaus zusammengearbeitet. Sie lacht und sagt: „Nicht, dass ich als Darstellerin immer ganz vorn gestanden hätte – beim Vorsprechen fürs Junge Ensemble von Kultur 123 waren andere besser als ich, und erst im dritten Anlauf klappte es.“ Dennoch: „Ich wusste, was ich wollte, und ich weiß es bis heute. Daher kann mich eine Absage niemals entmutigen.“ Über Absagen kann Hannah Wehrum ein Lied singen. Und sie singt es mit Courage: „Schauspiel ist eine harte Schule und es geht nicht immer nur um Talent. Bodenständigkeit, Durchhaltevermögen und Begeisterungsfähigkeit sind wichtig.“

Nach dem Abi wollte sie raus aus „der Enge Rüsselsheims“. Aber: „Heute sehe ich es anders, ich habe die Stadt neu zu sehen gelernt, nachdem ich in Berlin und Wien gelebt habe.“ An vielen staatlichen Schauspielschulen hat Hannah Wehrum vorgesprochen, vier Jahre lang: „Das waren um die hundert Mal. Mein klassisches Lieblingsstück war die Rolle einer Amazone aus Kleists Penthesilea – manchmal war ich dicht dran, genommen zu werden. Letztlich bekam ich nur Absagen.“

Aufgeben wollte sie nicht: „Man muss wissen, dass sich jeweils bis zu tausend Leute auf einen Platz bewerben.“ In Wien machte Wehrum eine Ausbildung zur Theaterpädagogin. Oft sei ihr gesagt worden, welch sprecherisches Talent sie habe. „Ich denke, alle Erfahrung hatte den Zweck, mich zum Studium der Sprechkunst zu führen – das ist maßgeschneidert für mich.“ Sie rezitiert Lyrik, sie lacht, sie überzeugt mit einer Stimme, von der man wohl noch einiges hören wird.

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