Die Kerbeborsch und -mädchen müssen auch im zweiten Jahr eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Trotzdem lassen sie es sich nicht nehmen, mit Kneipentour und gemeinsamen Ausflügen das Brauchtum im kleineren Kreis zu pflegen. FOTO: Kerweborsch Hassloch
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Die Kerbeborsch und -mädchen müssen auch im zweiten Jahr eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Trotzdem lassen sie es sich nicht nehmen, mit Kneipentour und gemeinsamen Ausflügen das Brauchtum im kleineren Kreis zu pflegen.

Volksfest

Haßlocher Kerbeleut feiern auf Sparflamme

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Äppler und Dosenwurst gibt es jetzt im Beutel für einen guten Zweck

Haßloch -Seit Anfang Juni steht für die Haßlocher Kerbegesellschaft fest: "Im zweiten Jahr in Folge wird es keine Haßlocher Kerb, wie wir sie kennen und lieben, auf der Wied geben." Dies teilte Vorsitzender Holger Kresse nach dem Vorstandstreffen mit. So ganz ohne Kerbegefühl wollen die Haßlocher die Saison aber nicht beenden. Zwar wird das Bier-Mobil in diesem Jahr kein Freibier an die Bewohner ausschenken, die Kerbegesellschaft hat sich aber etwas anderes einfallen lassen.

In Anlehnung an andere Vereine bietet die Gesellschaft Kerbebeutel an - das Pendant zur Kerbebox. Die Baumwolltaschen sind mit der Silhouette der Haßlocher "Skyline" und dem Schriftzug "I love Alt-Haßloch" bedruckt. Sie dürften den Bewohnern vom vergangenen Jahr bekannt sein. Aber diesmal können die Haßlocher und solche, die es werden wollen, die Taschen mit Inhalt für 15 Euro kaufen.

"Wir füllen sie mit Apfelwein aus der Haßlocher Apfelmanufaktur - es ist übrigens mein Lieblingsäppler -, Dosenwurst, was zum Knabbern, dem Kerbespruch und Rosen", nennt Kresse eine Auswahl. Die Rosen müssen nicht ins Wasser gestellt werden. Dabei handelt es sich um Plastikrosen vom Schießstand, damit Volksfeststimmung aufkommt.

Die Kerbegesellschaft habe mit dem Verkauf der Kerbebeutel einen kleinen Gewinn einkalkuliert, den sie der Privatinitiative "Crêpes gegen Krebs" zukommen lassen möchte. Die wiederum gibt das Geld an Organisationen weiter, die sich für krebskranke Menschen einsetzen, wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg und der Verein Kinderkrebshilfe Mainz. Die Kerbegesellschaft unterstützt seit einigen Jahren das Anliegen der Initiative, die der Haßlocher Lucas Fischer 2015 gegründet hat.

Bis jetzt seien mehr als 50 Bestellungen für Kerbebeutel eingegangen, teilt Kresse mit. Noch seien einige Beutel übrig. Die Aktion läuft bis 8. August. Wer mitmachen möchte, sendet seine Bestellung mit Name, Anzahl und Adresse per E-Mail an info@alt-hassloch.de oder gibt sie in der Raunheimer Straße 5 ab. Die Kerbebeutel werden vom 23. bis 26. August ausgeliefert - Corona-konform, wie es so schön heißt. "Wir geben die Beutel vor der Haustür ab oder stellen sie vor die Tür. Das Geld sollte in einem Umschlag überreicht werden", erläutert Kresse den Ablauf.

Straßen in Rot und Weiß schmücken

Damit nicht nur in den eigenen vier Wänden Volksfeststimmung aufkommt, bittet die Kerbegesellschaft die Bürger, ihren Zaun sowie die Fenster und Türen für die Festtage vom 27. bis 31. August in den Haßlocher Farben Rot und Weiß zu schmücken. "Jeder, der durch unser Örtchen geht, soll sehen, dass wir diese Zeit gemeinsam durchstehen", heißt es auf der Webseite des Vereins.

Normalerweise schlagen die Kerbeborsch kleine Birken, die mit buntem Krepppapier geschmückt und am Umzugsweg aufgestellt werden. Dass es diese Tradition in Zukunft wohl nicht mehr geben wird, liege nicht etwa an der Corona-Pandemie, sondern an den zunehmend trockenen Sommern, die dem Baumbestand zusetzen, erklärt Kresse. Dennoch hofft er auf einen "Gänsehautmoment", wenn er durch den Ort geht und die Haßlocher Farben an den Häusern sieht.

Eine Tradition wird weiterhin gepflegt, und das ist die Kerbezeitung. Die werde auch dieses Jahr von den Kerbeborsch und -mädchen an alle Haushalte verteilt, sagt Kennet Meierhöfer, der seit fünf Jahren Kerbevadder bei den Haßlocher Kerbeborsch ist. In diesem Jahr sei die Gruppe mit 23 Mitgliedern vergleichsweise groß. An Meierhöfers Seite steht Kerbemudder Julia Gulbin. "Für viele von uns ist es aber die letzte Kerb." Kennet Meierhöfer denkt selbst übers Aufhören nach. Nun sei eine neue Generation Haßlocher an der Reihe, findet er. Noch wisse er aber nicht, wer als Kerbevadder in seine Fußstapfen treten wird.

Auch wenn keine größeren Feiern im zweiten Corona-Jahr geplant sind, so wollen die Kerbeborsch und -mädchen doch wenigstens miteinander durch die Kneipen ziehen. Und vielleicht lässt sich ein Bollerwagen mit Zapfanlage organisieren, mit dem die Borsch am Kerbesonntag, 29. August, in einer kleineren Gruppe durch die Straßen ziehen, um mit den Anwohnern ein Bierchen zu genießen, überlegt Meierhöfer.

Weintour und Zelten im Seepark

Die große Durststrecke sei bewältigt, blickt der Kerbevadder auf ein Jahr mit Online-Meetings und digitaler Bierprobe zurück. Mittlerweile unternehmen die Borsch und Mädchen wieder etwas - Paddeln auf der Lahn, Wingertstour durch die Weinberge. In zwei Wochen gehe die Gruppe im Kirchheimer Seepark zelten. Bei dieser Gelegenheit werden die Maikönigin und der Kerwe-King gekrönt. Das Infektionsrisiko sei dabei überschaubar. "70 bis 80 Prozent von uns sind mittlerweile geimpft", sagt Meierhöfer.

Nach den gemeinsamen Ausflügen beginnen die Vorbereitungen für die Kerb, bei denen Hand angelegt werden muss. Der Kerbebaum wird am Dalles aufgestellt und die Kneipenbäume werden vor den Gaststätten befestigt. Bei diesen Bäumen handele es sich ausschließlich um Sturm- oder Schadholz, das sowieso aus dem Wald entfernt worden wäre, so Meierhöfer.

Nach der zweiten Kerb auf Sparflamme hoffen die Kerbegesellschaft sowie die Kerbeborsch und -mädchen, dass sie im nächsten Jahr 2022 wieder so richtig Vollgas geben können. Dorothea Ittmann

Auch dieses Jahr wieder im Angebot: die Baumwolltasche für Haßloch-Liebhaber, diesmal als Kerwebeutel.

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