Kennt sich mit der Fastnacht aus. Journalist und Autor Günter Schenk.
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Kennt sich mit der Fastnacht aus. Journalist und Autor Günter Schenk.

Fastnacht

Wer hat’s erfunden? Die Kölner!

Fans der Mainzer Fastnacht waren wohl am Sonntag nach dem launigen Vortrag von Journalist und Autor, Günter Schenk, etwas enttäuscht. Denn eine wichtige Erkenntnis von „Zwischen Bürgerfest und Massensuff“ war, die Kölner haben den Rosenmontagszug erfunden.

Es war im Jahr 1823. Während Mainzer Zeitungen den Karneval als „Fest des Pöbels“ verunglimpften, haben sich ein paar schlaue Kölner zusammengefunden und den ersten Rosenmontagszug organisiert. Damals stellten sie bereits eine erste Garde auf die Beine: die Roten Funken, die auch noch heute stolz beim Festzug mitlaufen und ihre „Bützchen“ (Küsse, für alle Nicht-Kölner) verteilen.

Der Rosenmontagszug in der Domstadt kam so gut an, dass er fortan jedes Jahr wiederholt und nach und nach zum Exportschlager wurde. „Jeder hat Köln kopiert.“ Das erzählt Journalist und Autor Günter Schenk in seinem launigen Vortrag „Zwischen Bürgerfest und Massensuff“ im Obergeschoss des Museums im Alten Rathaus. Der Fastnachtskenner gibt einen historischen Abriss der Geschichte des Karnevals ab dem 4. Jahrhundert.

„Die Mainzer hatten im 19. Jahrhundert enge Handelsbeziehungen zu Köln“, berichtet Schenk. Der Rosenmontagszug machte in den Folgejahren nach und nach seinen Weg nach Düsseldorf, Bonn, Koblenz und Bingen. „Bingen hatte noch vor Mainz den ersten Umzug.“

Erst 1837, 14 Jahre nach dem ersten Rosenmontagszug in Köln, veranstaltete Mainz den Vorläufer seines eigenen Umzugs, drei Tage vor Aschermittwoch. Ein Jahr später (1838) hatten es dann auch die Mainzer geschafft, und der erste Rosenmontagszug zog durch die Stadt. Unter dem Gelächter der rund 30 Zuhörer liest Günter Schenk die Aufstellung des ersten Mainzer Rosenmontagszugs vor. Auf vier Trompeter als „Hans Würste“ folgte das Bataillon der Ranzengarde, der Narrenherold, der Sonnenträger und der Träger der goldenen Bratwurst.

Karneval oder Carneval?

„Das war tatsächlich der Prinz“, informiert Schenk. Die Bratwurst habe die Fruchtbarkeit symbolisiert, erklärt der Autor mehrerer Bücher zur Geschichte der Mainzer Fastnacht. Überhaupt haben die Fruchtbarkeit und der Verzicht in der Fastenzeit immer eine große Rolle in der Geschichte des Karnevals gespielt. Schenk erklärt auch, dass „Karneval“ vor allem im 19. Jahrhundert ein Modebegriff und der Grund war, warum sich die meisten Mainzer Vereine „Carneval“-Verein nennen.

Im 4. Jahrhundert entstanden erste Vorläufer des uns bekannten Karnevals. „Die Agrargesellschaft hat zwischen dem 11.11. und 2.2. nicht gearbeitet. Stattdessen haben sich die Menschen gegenseitig besucht und gefeiert. Am Nikolaustag seien die Leute damals mit Masken herumgelaufen. Im Januar und Februar hätten sie sich beispielsweise mit Tierfellen und Hirschgeweihen maskiert.

Sechshundert Jahre später, im Jahr 1091, wollte die Kirche die unkontrollierte Feierei mit vielen Trunkenbolden und Orgien nicht länger dulden und bestimmte den Aschermittwoch als letzten Tag der Narretei und Beginn der vorösterlichen Fastenzeit. Dabei legte sie fest, dass alles Fleischliche, auch der Sex, in der Fastenzeit verboten ist.

Schenks Ausführungen sorgen beim ohnehin amüsierten Publikum für weiteres Gelächter. „Natürlich haben die Menschen dann vor dem Aschermittwoch alles gemacht, was sie wenig später nicht mehr durften. Die Bordelle hatten Hochbetrieb“, meint der Journalist und Buchautor.

Kein Fastengebot

Er erwähnt auch, dass die Fastnacht im 17. Jahrhundert wegen der Reformation kaum gefeiert wurde. Denn mit Martin Luthers Behauptung, das Fastengebot gelte nicht für Protestanten, hatte der Augustiner-Mönch der Tradition des Karnevals die Grundlage entzogen. „Das ist auch der Hintergrund dafür, dass heute in protestantischen Regionen und beispielsweise in skandinavischen Ländern keine Fastnacht gefeiert wird“, erklärt Günter Schenk. Doch die katholisch geprägten Regionen hätten sich nicht unterkriegen lassen und weitergefeiert – bis heute. So schließe sich der Kreis zum ersten Rosenmontagszug im katholisch geprägten Köln. Alaaf und Helau!

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