Preisgekrönte Musiker und das ?Who is Who? der Frankfurter Jazzszene spielen beim Jazz im Kino gemeinsam in den Burg Lichtspielen.
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Preisgekrönte Musiker und das ?Who is Who? der Frankfurter Jazzszene spielen beim Jazz im Kino gemeinsam in den Burg Lichtspielen.

Uli Schiffelholz und Band zu Gast in den Burg Lichtspielen

Die Haute Cuisine der Jazzmusik

Das Uli Schiffelholz Quintett machte Stimmung beim „Jazz im Kino“. Mit dabei an der Trompete war der aktuelle hessische Jazzpreisträger Valentín Garvie.

Von JAN STICH

Beim „Jazz im Kino“ spielte am Donnerstagabend das Uli Schiffelholz Quintett. Wie es sich für ein Quintett gehört, das von einem Schlagzeuger geleitet wird, begann der Abend mit Trommelschlägen. Bandleader Uli Schiffelholz legte einen synkopierten Groove vor. Nach zwei Takten setzte der Rest der Band mit dem Thema von „El Uruguayo“ ein, einer Komposition des Trompeters Valentín Garvie. Der aus Argentinien stammende Grenzgänger ist in diesem Jahr mit dem hessischen Jazzpreis ausgezeichnet worden. Direkt im ersten Solo schoss er mit Tönen um sich, schnell und scharf wie ein Mariachi-Trompeter.

Ab dann folgten Kompositionen aus Schiffelholz’ Feder, der für einen Schlagzeuger ein erstaunlich gutes Gefühl für Melodie und Harmonie besitzt. Das zweite Lied „What’s your Dream“ war dabei mehr Soundscape als Song. Zum Scheppern von Schiffelholz’ Becken machten Garvie und Saxofonist Thomas Bachmann zuerst nur Dschungelgeräusche auf ihren Mundstücken. Dann steckte Bachmann sein Mundstück auf das Sopransaxofon und begann, die verträumte Melodie über das atmosphärische Geklimper und Geklapper seiner Mitmusiker zu spielen.

Wem das alles zu sehr nach Avantgarde klang, der kam im dritten Stück auf seine Kosten. Das Lied „9022-69“ hatte Schiffelholz in New York geschrieben, wo er dank des Jazzpreises der Stadt Frankfurt ein halbes Jahr leben konnte. „Das war meine Adresse dort, und wir spielen das Lied heute zum ersten Mal live.“ Die Rush Hour des Big Apple hatte in der Komposition klar ihre Spuren hinterlassen. Auf dem Ridebecken schlug Schiffelholz den aufregenden Puls der Metropole und haute dazu Schläge aus der Snare wie vorbeirauschende Taxis. Es gehörte zu jenen schnellen Stücken, bei denen das Quintett besonders brillierte.

Dann schlug Pianist Jean-Yves Jung mit so viel Schwung in die Tasten, dass das Klavier zu Schaukeln begann, und Bassist Ralf Cetto raste so schnell über sein Griffbrett, dass weder Augen noch Ohren seinen Fingern wirklich folgen konnten. Höhepunkt des Abends sollte aber ein ganz ruhiges Stück sein. Die Ballade „Für E. S.“ hat Schiffelholz seiner Frau gewidmet.

Schiffelholz’ Kompositionen sind nicht revolutionär. Sie erzählen eher vergangene Moden und Revolutionen nach, statt neue anzuzetteln. Trotzdem bot das Quintett keine Hausmannskost, sondern Haute Cuisine. Denn der Schlagzeuger verstand es, seine Stücke mit all jenen Zutaten zu würzen, die ein Gericht schmackhaft machen, und hatte in seiner Band die richtigen Gourmets versammelt, die eine solche Vorlage zu schätzen wissen und aus Schiffelholz’ Rezepten die besten Aromen rausschmeckten. Dieses Lokal dürfte im Guide Michelin des Jazz auf keinen Fall fehlen. Dem Zuschauer, der regelmäßig zum Applaus noch „Super“ und „Klasse“ hereinbrüllte, war nicht zu widersprechen.

Versteckt im Uli Schiffelholz Quintett ist eine weitere Band. Saxofonist Thomas Bachmann, Bassist Ralf Cetto und Schiffelholz sind nämlich auch seit Jahren zu dritt unterwegs als „Thomas Bachmann Group“. Die Band profitierte hörbar von der jahrelangen Vertrautheit ihrer Protagonisten. In der Regel erkennt man von Drummern geleitete Bands ja daran, dass sie rhythmisch immer ein wenig schräger drauf sind, als die Konkurrenz. So auch beim Schiffelholz Quintett.

Als Zugabe spielten sie den Charles Mingus Standard „Nostalgia in Times Square“. „Wir haben gerade noch diskutiert, ob wir es als Fünfer oder Elfer spielen sollen, und haben uns dann für Sieben entschieden“, kündigte Schiffelholz kryptisch an. Tatsächlich rissen sie das Stück in einem krummen 7/8-Takt runter und bescherten dem Publikum so zum Abschied noch einen ordentlichen Knoten im Kopf, denn so hatten die Zuhörer die vertraute Melodie bisher wohl nicht gehört.

Bis zum Donnerstag, 26. November, hat dieser Knoten sich aber hoffentlich wieder gelöst. Denn dann heißt es wieder „Jazz im Kino“ in den Burg Lichtspielen. Das „Gismo Graf Trio“ versprichten feinsten Gypsy-Jazz in der Tradition von Django Reinhardt mit zwei Gitarren und Kontrabass.

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