Alexander-von-Humboldt-Schule

Das Heimweh ist immer da

Schüler aus Polen, Pakistan und Bulgarien berichten von ihren ersten Tagen in Deutschland. Lehrer loben großes Engagement.

Sie kommen aus Polen, Afghanistan, Iran, Irak, Bulgarien, Syrien, Rumänien oder Pakistan. Einige von ihnen haben auf ihrer Reise oder Flucht aus der Heimat viel Schlimmes erlebt. 17 Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren umfasst die sogenannte „Intensivklasse“ der Alexander-von-Humboldt-Schule zurzeit. Zum bereits vierten Mal präsentierten die Schüler vor Eltern und Mitschülern im Rahmen des UNESCO-Projekts „Willkommen in Europa! Willkommen bei uns!“ unter dem Motto „Eine neue Heimat in der Fremde – Wir die neuen Rüsselsheimer“, welche schulischen Fortschritte, sie in den vergangenen zwölf Monaten gemacht haben und wie sich das Leben in Deutschland von der alten Heimat unterscheidet.

Die beiden Töchter von Muhammad Jameel Aslam und Nazira Jameel sind erst seit sechs Wochen in der Intensivklasse. Stolz und begeistert sehen die Eltern den beiden Jugendlichen dabei zu, wie sie auf Deutsch von ihrem neuen Leben erzählen. „Ich arbeite seit 15 Jahren als Chemieingenieur in Deutschland“, erzählt Muhammad Jameel Aslam. Seine beiden Töchter und seine Frau hätten in der Zeit weiter in der Heimat Pakistan gelebt. Die Kinder hätten dort eine Privatschule besucht. „Wir sind viel gependelt, auch weil meine Frau in Pakistan eine gute Arbeit hatte“, sagt der Ingenieur. Doch letztlich hätten sie sich entschieden, dass die Familie gemeinsam in Deutschland leben möchte. „Meine Töchter sprachen vor der Ankunft kein Deutsch. In der Schule in Pakistan haben sie nur Englisch gelernt“, berichtet der Vater. Jetzt könnten sie sich bereits ganz gut verständigen. „Die beiden Mädchen aus Pakistan sind so zielstrebig und lernen mit Begeisterung und Disziplin“, lobt Lehrerin Sonja Chriske die neuen Schülerinnen. „Sie haben in den wenigen Wochen schon große Fortschritte gemacht.“ Überhaupt sei die Arbeit mit den Schülern der Intensivklasse eine „sehr dankbare Arbeit“, denn „die Schüler freuen sich jeden Tag aufs Neue hier zu sein und wollen oft nach dem Unterricht gar nicht nach Hause gehen, sondern lieber weiter lernen. Sie gehen untereinander und auch mit uns Lehrern unglaublich respektvoll um“, schwärmt die Lehrerin.

Einige der Jugendlichen hatten vor ihrer Ankunft in Deutschland noch nie eine Schule besucht, konnten weder lesen noch schreiben, informiert die Leiterin der Intensivklasse, Giovanna Dolfi-Hiltmann. „Sie brauchen im Schnitt zwischen drei und sechs Monaten, um das Schreiben und Lesen zu erlernen“, erklärt die Lehrerin.

Martyna, Aleksandra und Aleksandra kommen ursprünglich aus Polen. Die eineiigen Zwillingen Martyna und Aleksandra aus einer Kleinstadt, 180 Kilometer von Stettin entfernt, und Aleksandra aus einem kleinen Dorf, das 100 Kilometer von Breslau entfernt liegt. Die drei Jugendlichen kamen 2015 nach Deutschland und haben dann ein Jahr lang die Intensivklasse besucht. „Wir sprachen noch kein Deutsch“, erzählen sie. „Alles war fremd, das Schulsystem ist hier ganz anders und wir hatten Angst, dass die deutschen Schüler uns auslachen, weil wir ihre Sprache nicht sprechen.“ Doch die Befürchtung habe sich schlussendlich als unbegründet herausgestellt, denn „die deutschen Schüler waren immer nett zu uns und helfen uns mit der Sprache“. Allerdings sei es schon nicht so einfach, Freunde zu finden, geben die Mädchen zu.

„Wir sind angekommen“, meinen die drei Jugendlichen dann, doch „das Heimweh ist immer irgendwie da. Wir vermissen vor allem unsere Familien in Polen, Oma, Opa, Tanten, Onkel und Cousins“. Aus diesem Grund geht’s in jeden Ferien nach Polen, um die geliebten Menschen zu besuchen. Martyna, Aleksandra und Aleksandra mussten trotz ihres Umzugs in ein für sie fremdes Land keine Klasse wiederholen. „Die Mädchen haben hart gearbeitet und es hat sich für sie ausgezahlt“, sagt Giovanna Dolfi-Hiltmann. Mittlerweile besuchten alle drei Mädchen reguläre Klassen und könnten dem Unterricht ohne Probleme folgen.

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