Sie wollen wieder auf die Gewinnerstraße kommen: die beiden Chefs Gerd Knebel (links) und Henni Nachtsheim
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Sie wollen wieder auf die Gewinnerstraße kommen: die beiden Chefs Gerd Knebel (links) und Henni Nachtsheim

Badesalz-Comedy

Von Hessen für Hessen

Die „Dö Chefs“ Gerd Knebel und Henni Nachtsheim bringen perfekten höheren Blödsinn auf die Rüsselsheimer Theaterbühne.

Von PETER SCHNEIDER

Badesalz – Kult – ausverkauft, eine zumindest in heimischen Gefilden logische Kette. In Rüsselsheim schafften es die beiden hessischen Comedy-Altmeister Gerd Knebel und Henni Nachtsheim gleich an zwei Abenden, das Stadttheater komplett zu füllen. Mit ihrem aktuellen Programm „Dö Chefs“ zelebrieren sie wie schon oft in ihrer langen, mehr als 30-jährigen Karriere ein Meisterstück abgedrehten, aber nicht platten Humors.

Schon die gar nicht so realitätsfremde Story ist wunderbar: Zwei benachbarte Restaurantbesitzer sind gezeichnet von totalem Gästemangel und einem boshaften Vermieter, Nachtsheim nennt es eine „Zulaufkrise“. Also sinnen sie auf erfolgversprechende Ideen, um endlich auf die Gewinnerstraße zu kommen.

Beide können jedoch kaum unterschiedlicher sein: Henni Nachtsheim ist nämlich der intellektuelle Feingeist („Die Liebe ist die Boje im Meer der Emotionen.“), Gerd Knebel gibt den Chauvi-Proll.

Ungehemmtes Gebabbel

Damit ist schon die Basis für 90 Minuten ungehemmtes Gebabbel gelegt. Bis dato gibt’s etwa in Nachtheims „Beim Henry“ nur Rindsworscht mit Brot, Rindsworscht mit Senf und Brot oder Rindsworscht ohne alles. In Pauls „Texas Pub“, der – wenn überhaupt – nur von Boxerclub-Mitgliedern und steinalten Rentnern frequentiert wird, sieht die Karte ähnlich aus. Das herrlich versiffte Ambiente passt gut dazu.

Also wird ein ungezügeltes Brainstorming entfacht, das von Beziehungen zu Frauen wie Andrea Berg, über Tätowierungsmöglichkeiten, „dorches“ Handkäs-Sushi, 3D-Druckmöglichkeiten („Da kannste der sogar Organe oder e Köchin ausdrucke.“) reicht und schon mal in der Unterhose landen kann. Es wird die Erlebnisgastronomie mit der „Cirque de Kakerlak“ verhandelt, ausgestorbene Berufe wie der Schweinepriester oder der Erbsenzähler leben nochmals auf, und natürlich beschimpfen sich die beiden Witzbolde kräftig, um sich alsbald wieder zu versöhnen.

Eine neu gestaltete „poetische“ Speisekarte mit dem Menü „Moulin Rouge“, das Essiggurken als „grüne Zeppeline“ tarnt, ist ein echtes textliches Highlight, doch leider auch nicht kommerziell erfolgreich.

Das von einem gewissen Eddy geklaute Handy von Henry ist ein Running Gag, und natürlich wird mehrfach das Hohelied auf „Thinpfiff“ erzeugenden Handkäs mit Musik, Äppler und Presskopf gesungen. So nebenbei überzeugt Knebel auch als Gitarrist und Nachtsheim am Saxophon, gut singen können sie sowieso.

So folgen in rascher Folge Kaskaden von Pointen, selbstverständlich alle in tiefstem hessischem Idiom. Das erfordert vom Zuschauer volle Aufmerksamkeit und muß für Zugereiste sicher dechiffriert werden.

Nach all den Irrungen und Wirrungen treffen die beiden am Ende die Entscheidung, das Gastroglück in Spanien zu suchen. Eine köstliche Diashow dokumentiert den dortigen Erfolg mit einer Vielzahl von Promis, die dort bei „Los Dos Chefos“ zu Gast waren.

Als Zugabe zu diesem großen Vergnügens gab’s die Badesalz-eigenen Versionen von Adeles Song „Happy“ und Pharell Williams’ „Get Lucky“. Ein wunderbar gut gewürztes Humor-Bad.

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