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Der An- und Abreiseverkehr der Besucher, der Energieverbrauch an Ort und Stelle und das erhöhte Abfallaufkommen beim Hessentag 2017 wirkten sich auf die Umweltbilanz des Festes aus.

Ernüchterndes Fazit

Hessentag in Rüsselsheim 2017: Ein teurer Spaß auch für das Klima

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Klimaneutral sollte der Hessentag sein. Das hatte die Stadt 2016 angekündigt. Vertreter des Vereins Energiewende haben sich das noch einmal genauer angeschaut und kommen zu einem ernüchternden Fazit.

Ein gelungener Hessentag in Rüsselsheim müsse das Thema Klimaschutz einbeziehen. Dieser Ansicht war Hans Dieter Scherer-Gerbig schon bevor das Landesfest in Rüsselsheim im Jahr 2017 für die Besucher öffnete.

Und er ist es auch heute noch. Mit einem Unterschied:

Trotz Ankündigung der Stadt, die Veranstaltung klimaneutral zu gestalten, habe sich bislang wenig in dieser Richtung getan, auch knapp zwei Jahre nach dem Fest. „Der Hessentag war weder kosten- noch klimaneutral“, bilanziert der Vorsitzende des Rüsselsheimer Vereins Energiewende jetzt in einer Mitteilung. Dabei hatten die Umweltschützer schon vor zwei Jahren auf entsprechende Maßnahmen gedrungen.

Rüsselsheim hinkt ihrem damaligen Versprechen hinterher

Doch schon bei der Ermittlung der verursachten CO2-Emissionen hinke die Stadt ihrem damaligen Versprechen hinterher, heißt es in der Stellungnahme. Statt einer genauen Kalkulation auf Basis von Besucherbefragungen gebe es nach wie vor nur eine Prognose aus dem Jahr 2016. Die Prognose entstamme der Bachelorarbeit eines Rüsselsheimer Studenten, der dafür auf Erfahrungswerte aus anderen Hessentagsstädten zurückgriff. In dieser Arbeit wurde ein Emissionswert ausgerechnet, der etwa dem entspreche, was 1600 Bundesbürger im Jahr an Treibhausgas ausstoßen.

„Auf die Prognose in der Bachelorarbeit folgte bis heute keine statistisch fundierte Berechnung – trotz gegenteiliger Ankündigung. Die Emissionen, die trotz vorausschauender Planung anfallen, müssen rechnerisch erfasst und durch Maßnahmen kompensiert werden. Genau hier hapert es“, stellt der Vorsitzende von Energiewende weiter fest.

Hessentag sollte klimaneutral ausgerichtet werden

Die zentrale Lage im Rhein-Main-Gebiet, die gute Anbindung an den Schienenverkehr und eine elektrische Shuttle-Flotte böten gute Chancen, vergleichsweise wenig kompensieren zu müssen, hieß es 2016 von der Stadt im Vorgriff auf das Landesfest. Den Hessentag wolle man klimaneutral ausrichten. Man denke auch über Kompensationsmöglichkeiten wie Baumpflanzungen nach.

„Auf der einen Seite betonte die Stadt den Standortvorteil für die Nutzung des ÖPNV, auf der anderen Seite scheint sie sich zu scheuen, die tatsächlich entstandenen Pro-Kopf-Emissionen gemeinsam mit der hessischen Staatskanzlei zu ermitteln“, konstatiert der Verein Energiewende heute. Die angekündigten Kompensationsmaßnahmen, etwa für den An- und Abreiseverkehr der Besucher, den Energieverbrauch an Ort und Stelle und das erhöhte Abfallaufkommen beim Hessentag, seien nur zum Teil angestoßen worden.

Stadtverwaltung meldet sich beim Thema Aufforstung und Baumpflanzungen im Stadtgebiet nicht

Zu den ursprünglich geplanten Aufforstungen im Rüsselsheimer Wald und weiteren Baumpflanzungen im Stadtgebiet habe sich laut Scherer-Gerbig die Stadtverwaltung auf eine jüngste Anfrage des Vereins nicht geäußert. Stattdessen habe man beim städtischen Fachbereich Umwelt und Planung auf Maßnahmen im Bereich Mobilität verwiesen, die Teil des bundesweiten Aktionsplans „Saubere Luft“ für Städte mit hoher Stickstoffoxid--Belastung sind.

Für den Vorstand von Energiewende eine Farce: „Das Vorantreiben der Elektromobilität in Rüsselsheim und die Digitalisierung des öffentlichen Verkehrs haben nichts mit dem Hessentag zu tun.“

Der Verein fordert die Stadt auf, ihren Ankündigungen für einen klimaneutralen Hessentag auch Taten folgen zu lassen – „von einer genauen Berechnung der Emissionen bis hin zu Maßnahmen, mit denen die Stadt dauerhaft zusätzliches CO2 einspart“.

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