Die Hochschule hat jetzt eine moderne Boulderwand in einem ehemaligen Fahrradunterstand. Foto: Rüdiger Koslowski
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Die Hochschule hat jetzt eine moderne Boulderwand in einem ehemaligen Fahrradunterstand.

Sportlich

Hier ist Haltung und Balance gefragt

Die Hochschule Rhein-Main hat für ihre Studenten eine Kletterwand gebaut. Und zwar in einem ehemaligen Fahrradunterstand.

Rüsselsheim -Als die kurzen Reden geschwungen sind, das rote Band durchschnitten ist und die Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter, aber auch der Vizepräsident die Wand entern, zieht sich Klaus Lindemann auf eine Bank in den Hintergrund zurück. Der Leiter des Hochschulsports schaut sich das bunte Treiben in Ruhe und auch ein wenig stolz aus der Entfernung an und erinnert an Franz Beckenbauer, der nach der gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaft nachdenklich in Rom über den Platz des Stadions lief.

Die Hochschule Rhein-Main (HSRM) hat mit der neuen Boulderwand ein wahres Schmuckstück geschaffen. Schon der Ort verdient einen Preis. In einem ehemaligen Fahrradunterstand eingebaut, könnte sie auch als Kunstwerk, als Installationsarbeit durchgehen. Das praktische Element: Die Kletterer können sich auch bei Regen ihren Weg die Wand empor bahnen.

Gut Ding will Weile haben, ließe sich in diesem Fall gleichwohl auch formulieren. Denn der ehemalige Hochschuldirektor, Detlev Reymann, sei bereits im Jahr 2019 auf ihn zugekommen, es solle doch mal Geld für den Hochschulsport in die Hand genommen werden, blickt Lindemann zurück. Immerhin würden an den HSRM-Standorten in Wiesbaden und Rüsselsheim 120 Sportkurse pro Woche gehalten.

Für acht Personen gleichzeitig

Nach einigen Überlegungen wurde die Idee einer Boulderwand geboren, weil Klettern im Trend liege und die Hochschule mit dem Alpenverein Wiesbaden kooperiere, berichtet Lindemann. So sei nach einem Platz geschaut und der Fahrradunterstand für ideal befunden worden.

Ein Statiker habe die Standfestigkeit geprüft und dann kommt Ilker Altinbas ins Spiel. Ein ehemaliger Student der Sozialen Arbeit, der bei der Wiesbadener Nordwand in Schierstein gearbeitet und dort auch geschraubt hatte. Soll heißen: Er montierte die Griffe für die Kletterer an die Wand. Lindemann und Altinbas erinnern sich schmunzelnd, wie noch kurzfristig in einem Baumarkt eine Schlagbohrmaschine und eine Leiter gekauft werden mussten.

Die Kletterfläche der Boulderwand, die einen niedrigen sechsstelligen Betrag kostete, liegt bei 150 Quadratmetern, wie Katrin Bracko von der Hochschulkommunikation informiert. Acht Personen können gleichzeitig in der Wand hängen, die Fallschutzmatte hat eine Stärke von 30 Zentimetern.

Altinbas schraubte viele Stunden die rund 420 Griffe für die Strecken an die Wand. Die Zugsequenz der Körpers, der Bewegungsablauf, die Balance, die Dynamik müssten beim Aufbau einer Strecke berücksichtigt werden, erklärt er. Es gebe Griffe, bei denen man zu 90 Prozent erstmal herunterfällt, bis Balance und Haltung geübt sind. Das Klettern an der Boulderwand sei ein Zusammenspiel von Kraft und Technik. Bodybuilder hätten es an der Wand schwer, Kampfsportler dagegen kämen in der Wand eher klar.

Lindemann hatte sich vor einigen Jahren ebenfalls mal am Bouldern versucht. In der Höhe von 20 Meter sei das Thema dann gegessen gewesen, erzählt er grinsend.

Der Vizepräsident schwärmt

Ganz anders der Vizepräsident der HSRM, Bodo A. Igler. Er klettert seit rund vier Jahren. Um den Kopf freizubekommen, sagt er. Wie meint denn auch Ulrike Stadtmüller, Prodekanin des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften. Es gebe ganz wenige kletternde Vizepräsidenten.

Igler probiert die Wand freilich gleich aus. Sein Urteil: "Das ist eine Spitzenwand." Für ihn sei das die schönste Wand in Deutschland und den USA, wegen der Gestaltung und des Materials. Die Wand sei nicht aus Holz, sondern einem Fels nachempfunden. Die Griffe seien aus modernstem Material.

Die ersten Reaktionen sind durchweg positiv. "Hervorragend", urteilt Jürgen Prediger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSRM. Er freue sich, dass der Nischensport sich zu einem Breitensport entwickle.

Auch Simon Strack, Student der Angewandten Informatik, sucht sich seinen Weg an den Griffen. "Gut", antwortet er schlicht auf die Frage, wie er die Wand einschätze. Seine Bescheidenheit hat einen Grund, denn es stellt sich heraus, dass er ebenfalls mit geschraubt hatte. Die Wand soll vom Wintersemester an in Kursen genutzt werden, so Lindemann. Außerhalb von Kursen werde sie wohl nicht geöffnet. Rüdiger Koslowski

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