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Hier sind Neugier und Kreativität gefragt

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Ohne Erste-Hilfe-Equipment und Handys: Die Gruppenstunden beim Jugendrotkreuz dienen auch mal dem zwanglosen Miteinander, sagt Jugendbetreuer Jan Sterler (links stehend).
Ohne Erste-Hilfe-Equipment und Handys: Die Gruppenstunden beim Jugendrotkreuz dienen auch mal dem zwanglosen Miteinander, sagt Jugendbetreuer Jan Sterler (links stehend). © (Rainer Beutel)

Jetzt ist ein günstiger Zeitpunkt, sich beim Jugendrotkreuz (JRK) zu engagieren, wirbt Betreuer Jan Sterler für neue Mitstreiter. In den Gruppenstunden können sich Einsteiger auf Neues freuen, aber sie müssen auch auf Kleinigkeiten verzichten – auf Smartphones zum Beispiel.

Beim Jugendrotkreuz (JRK) im Feuerwehrhaus geht es entspannt zu. Mehr als zwei Dutzend Kinder und Jugendliche beschäftigen sich spielerisch. Von Erster Hilfe ist nichts zu erkennen. Verbände, Pflaster, Salben – alles was normalerweise bei einem Übungsabend ein Thema ist, ist von den Tischen im Gruppenraum verschwunden. Und Handys sind ebenfalls keine zu sehen.

Der Nachwuchs des DRK-Ortsverbands schöpft Kraft für neue Taten. In den nächsten Wochen heißt es, sich auf die Meisterschaft der JRK-Gruppen aus dem Kreis Groß-Gerau vorzubereiten, erklärt Sterler. Die Kinder und Jugendlichen lernen, was sie später mal beim Roten Kreuz können sollten. „Zum Beispiel wie man ein Unfallopfer in eine stabile Seitenlage bringt“, sagt der Betreuer. Es sei wichtig, zu wissen, wie ein Verband angelegt oder wie ein offener Bruch verbunden wird.

Allerdings würden nur die etwas älteren Mitglieder mit sensiblen Themen konfrontiert. „So ab zwölf oder 13 Jahren“, betont Sterler. Jüngere müssten noch nicht sehen, wie ein offener Bruch aussieht, selbst wenn so etwas bei den Übungen von DRK und JRK nur mit Schminke simuliert wird und die Jüngsten so etwas sich heutzutage alles übers Smartphone anschauen können.

Auch kulturelle Aspekte

Bei der Kreismeisterschaft des JRK werden verschiedene Aufgaben gestellt, die von den Kindern und Jugendlichen zu bewältigen sind. Die Anforderungen orientieren sich an den Problemen, die Sanitäter in ihrem Alltag lösen müssen, „aber nicht so krass“, differenziert Sterler, um nochmals dem Eindruck vorzubeugen, dass die Jugend zu früh mit oftmals schrecklichen Folgen eines Unfalls konfrontiert würden. Bei den Wettbewerben werden zudem musisch-kulturelle, soziale und sportliche Aspekte berücksichtigt, ist vom Jugendrotkreuz des Kreises zu erfahren.

Ansonsten gebe es bei dem Wettbewerb große Ähnlichkeiten zu den Kreiswettkämpfen der Jugendfeuerwehren. Wichtig sind für JRK-Mitglieder Erste-Hilfe-Übungen, die Kenntnis verschiedener Verletzungen und Antworten auf mögliche Fragen der Leitstelle, wenn von einem Unfallort oder bei einem Unglück eine Meldung abgesetzt wird. Es sei wichtig, klar und deutlich erklären zu können, was passiert ist, ob über Funk als Helfer bei einem Einsatz oder mit dem Smartphone auf dem Schulweg, falls unterwegs etwas passiert sein sollte.

Kreisweit messen die JRK-Gruppen im März ihre Kräfte. Wer besonders gut abschneidet, qualifiziert sich für den Landesentscheid, der im Juni ausgetragen wird. Nach dem Jahreswechsel habe das JRK noch rund drei Monate Zeit, sich vorzubereiten. Es sei eine gute Gelegenheit, einzusteigen und die anstehenden Übungen mitzumachen, betont der Gruppenleiter, der sich die Betreuung der Jüngeren mit Fabian Halfmann, Lisa Cossu, Jasmin Hofmann, Matthias Draudt und JRK-Leiter Franz Welfer teilt.

Nicht nur lernen

Dem 17 Jahre alten Jan Sterler sind die Aufgaben eines Sanitäters geläufig. Seit seinem achten Lebensjahr ist er beim Jugendrotkreuz, seine Eltern sind ebenfalls seit Jahrzehnten beim DRK engagiert. Als Gruppenleiter unterstützt Sterler seit Oktober 2016 den Ortsverband. In erster Linie gehe es bei seiner Arbeit um die Gruppenstunden, die thematisch vorbereitet und als Unterricht abgehalten werden müssen.

Er bekräftigt, dass es sich bei den Gruppenstunden beim Jugendrotkreuz nicht nur ums Lernen dreht, sondern in erster Linie um den Zusammenhalt und die Geselligkeit untereinander. Gerade vor Weihnachten sei dieser Aspekt hervorgehoben worden, etwa beim gemeinsamen Spielen, Malen oder Plätzchenbacken.

Im Gruppenraum ist die freundschaftliche Atmosphäre spürbar. Die JRK-Mitglieder gehen angeregt miteinander um, jüngere und ältere verbindet das gemeinsame Hobby. Auffällig ist, dass kein Mädchen und kein Junge mit krummem Rücken schweigend am Tisch sitzt und stumm nach unten blickt. „Ja stimmt“, lacht Jan Sterler, „Smartphones und Handys sind bei uns in der Gruppenstunde verboten. Wir sind hier flexibel, haben viele andere Angebote und sind vor allem kreativ.“

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