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Eine Hilfspolizistin verteilt einen Strafzettel.

Gefährliches Umfeld

Hilfspolizistinnen nicht am Bahnhof einsetzen

Der Vorsitzende der CDU will beim Verteilen von Strafzetteln am Bahnhof auf den Einsatz von Frauen verzichten. Für sie sei es dort zu gefährlich. Für diese Haltung erntet der Bürgermeister-Kandidat Kritik.

CDU-Chef Thorsten Weber will den Frauen der Rüsselsheimer Hilfspolizei den Einsatz rund um den Bahnhof nicht mehr zumuten. Besonders abends hält er ihren Einsatz für problematisch, da dort etwa von Strafzetteln Betroffene immer aggressiver auftreten würden und es zu brenzligen Situationen kommen könne. „Ich halte es für nicht angemessen, die Damen in solche Situationen zu schicken“, sagte der Bürgermeister-Kandidat auf Nachfrage, nachdem er den Einsatz der Frauen bereits in der jüngsten Sitzung des Haupt-und Finanzausschusses infrage gestellt hatte.

Dafür bekommt Weber nun Gegenwind aus den anderen Parteien. „Mich befremdet diese Aussage der CDU ebenso wie das antiquierte Weltbild, das hier offenbar wieder belebt werden soll. Wir leben im Jahr 2018. Frauen und Männer sind gleichberechtigt und verrichten ihren Dienst ebenso“, äußert sich etwa Grünen-Geschäftsführerin Maria Schmitz-Henkes. Zudem sei der Bahnhof kein Kriminalitätsschwerpunkt.

Das sieht auch Abdullah Sert (FDP) so. „Der Rüsselsheimer Bahnhofsplatz ist kein gefährlicher Ort“, sagt er. Frauen könnten und sollen überall in Rüsselsheim und Deutschland ihren Dienst tun. Die CDU müsse unbedingt ihr Bild und Verständnis in Bezug auf die Stadt und Frauen überdenken.

Die Linke/Liste Solidarität verweist auf die von der Stadt unterzeichnete „Europäische Charta der Gleichstellung“ mit der man sich unter anderem dazu verpflichtet habe, auf „die Beseitigung von Geschlechterstereotypen“ hinzuarbeiten.

Laut Rathaus-Pressestelle hat die Umsetzung der „Charta der Vielfalt“ in der Stadtverwaltung zum Ziel, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. sw

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