Canibols haben ihr Heim aufwendig saniert

Historisches Haus, kaum Barrieren

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300 Jahre alt und modern saniert: In der Groß-Gerauer Schulstraße steht ein ganz besonderes Haus. Beim Tag der Architektur steht es am Wochenende Besuchern offen.

In Weiß, Rot und Grün – der Sonnenschein bringt das Gebäude zum Strahlen. Dass der ältere Teil des Hauses in der Schulstraße 13 in Groß-Gerau aus dem 18. Jahrhundert stammt, lässt sich höchstens am typischen Fachwerkmuster der Holzstämme erahnen, die die Fassade durchziehen. Zu verdanken ist das frische Äußere Susanne Theisen-Canibol.

2013 kaufte sie das Haus samt des dahinter liegenden Grundstücks gemeinsam mit ihrem Mann. Dieser hatte ein Jahr zuvor einen schweren Schlaganfall erlitten. „Die Ärzte haben uns gesagt, dass er nicht wieder wird laufen können und wir für ein barrierefreies Wohnumfeld sorgen sollen“, erzählt Theisen-Canibol während eines Rundgangs durch das Haus.

Zu einem solchen werden am Wochenende auch Interessenten beim Tag der Architektur Gelegenheit haben. Und zwar am Samstag um 15 Uhr und am Sonntag um 15 und 16 Uhr. Die Architekten und Stadtplanerkammer Hessen wählte das Haus der Canibols dafür als eine von 126 Immobilien im Land aus. Im Heim des Ehepaars ist ein zentrales Anliegen heutiger Stadtplaner beispielhaft umgesetzt worden: die barrierefreie Sanierung eines alten Innenstadt-Hauses.

Bei diesem handelt es sich um ein 250 bis 300 Jahre altes Bauernhaus. Gebaut wurde es in einer Zeit, in der die Menschen sehr arm waren. Die Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges waren noch zu spüren, die Gegend mitunter noch verwüstet. Deshalb ist auch der älteste Teil des Hauses sehr schmal geraten. Es musste einfach schnell viel Wohnraum geschaffen werden.

Den unteren Teil nutzen die beiden freiberuflichen Journalisten als Büro. Im oberen Teil haben sie eine Gästewohnung hergerichtet. Sie selbst wohnen in einem Anbau. Wo bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine Scheune stand, erstreckt sich seit 2016 ein eingeschossiges Haus mit weißer Fassade. Die großen Räume, die fast ohne Türen auskommen, verleihen ihm den Charakter eines großstädtischen Lofts. „Für meinen Mann ist das eine absolute Entlastung, vorher haben wir in Kelsterbach auf vier Etagen gelebt“, berichtet Theisen-Canibol. 115 Quadratmeter sind dabei keinen Meter zu viel. Mit seinem Rollstuhl braucht Hans-Peter Canibol Platz. „Sie müssen ungefähr mit einem Drittel mehr rechnen“, erläutert seine Frau.

Neben der weitgehenden Barrierefreiheit gefällt ihr an ihrem neuen Zuhause vor allem die zentrale Lage in der Groß-Gerauer Innenstadt. „Wenn man älter ist und nicht mehr ganz so beweglich, kommen einem kurze Wege gelegen“, sagt Theisen-Canibol und lacht. Die Zahl der Autofahrten hat sich bei Canibols deutlich reduziert. Statt 35 000 Kilometer legen sie mittlerweile nur noch 15 000 Kilometer zurück. Das ist nicht der einzige Beitrag der Canibols zum Umweltschutz. Ihr Haus haben sie energetisch saniert, so dass es CO2-neutral daherkommt. „Um die Fassade zu schonen, haben wir von innen mit einem Dämmputz gearbeitet, geheizt wird mit Erdwärme“, erzählt Theisen-Canibol. Die Sanierung war beschwerlich. Es sah wild aus, es war eng. Dazu kamen einige Unwägbarkeiten. Theisen-Canibol: „Was wir nicht absehen konnten, war, dass etwa die Hälfte des Dachstuhls absolut marode war.“ Wegen des Ensemble-Schutzes, unter dem das Haus steht, durften die Zimmermänner den Dachstuhl nicht austauschen, was günstiger gewesen wäre.

Das Gleiche galt für einen tragenden Balken am Eingangstor. Den hatten die Vorbesitzer verkleidet und damit übertüncht, so dass Nässe dort hochstieg. Beinahe wäre die Decke runtergekommen. Wie ernst die Situation war, zeigte sich auch an der Eile, mit der die Handwerker den Schaden behoben. Diese schnitten das morsche Holz aus und ersetzten es. „Das haben die Zimmerleute wirklich toll gemacht“, lobt Theisen-Canibol.

Überhaupt ist sie mit der Leistung der Handwerker und der Architekten zufrieden. „Auch wenn ich dem Geld schon etwas nachweine.“ Während der Sanierung war Theisen-Canibol täglich am Bau. Ohne die professionelle Hilfe wäre das Projekt aber nicht realisierbar gewesen, ist sie sicher.

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