+
Bienenfreundlich: Bäume müssen für die Insekten ausgehöhlt werden.

Ein hohler Stamm für Bienen

  • schließen

Honig gewinnen wie in uralten Zeiten: Im alten Botanischen Garten ist das bald möglich. Falls sich im Frühjahr eine Honigbienenkönigin in einem eigens ausgehöhlten Baumstamm ansiedelt.

Die alte Rotbuche am Rande des Botanischen Gartens ist bereits vor fünf Jahren abgestorben. „Wir haben sie gekürzt und stehenlassen“, sagt Manfred Wessel, der Leiter des alten Botanischen Gartens beim Palmengarten. Dass der Baum einmal Heimat für Bienen sein könnte, hatte Wessel damals nicht geahnt. Tatsächlich verwandeln der Imker Antonio Gurliaccio und seine Mitstreiter Manuel Schüle und Moses Martin Mrohs die Rotbuche in einen „Zeidlerbaum“. Mit der Kettensäge höhlen sie ihn auf der Länge von etwa einem Meter aus. Ein Holzkeil verschließt die Schnittöffnung anschließend, während vorne eine Einflugöffnung nur darauf wartet, dass eine Bienenkönigin einfliegt und einen Staat in dem hohlen Baum gründet.

Der Ausdruck „zeideln“ kommt vermutlich vom lateinischen „excidere“ (

herausschneiden

); der Honig wurde früher mit den Waben aus den zuvor angelegten Baumlöchern herausgeschnitten. Zeidler gab es schon im frühen Mittelalter. Sie bildeten eigene Zünfte, waren ein anerkannter Berufsstand in der mittelalterlichen Gesellschaft. „Der Unterschied zur Imkerei ist, dass Imker Stöcke für die Bienen bereitstellen, während Zeidler entweder Bäume aushöhlen oder ausgehöhlte Stammabschnitte in gesunde Bäume hängen“, erklärt Moses Martin Mrohs, einer der drei „Bienenbotschafter“ aus Karben, die die Zeidlerei nach Frankfurt bringen ().

Im Fall der Rotbuche im Palmengarten haben die drei Karbener sich für das Aushöhlen entschieden. „Wir waren vor einem Jahr beim ersten Frankfurter Bienenfestival im Botanischen Garten“, erläutert Mrohs, „und sind so mit der Leitung bekannt geworden.“

„Umweltdezernentin Rosemarie Heilig hatte es sich angesehen und dann bei mir gefragt, ob man so etwas nicht auch im Botanischen Garten anbieten könnte.“ Wessel erinnerte sich sofort an die Rotbuche. Mrohs legt auf eines großen Wert: „Wir betreuen die Bienen im Nistplatz.“ Gurliaccio, der Imker der drei, wird regelmäßig vorbeischauen und sich vergewissern, dass die Bienen nicht von Krankheiten befallen sind.

Weitere Bienen fliegen in nächster Nachbarschaft. Christian Winter (81) betreut als Imker noch immer die Bienen im Bienenhaus des Botanischen Gartens. Er ist mit der Zeidlerei einverstanden. Die Bienenbotschafter hoffen darauf, dass im Mai eine von Winters Königinnen das Einflugloch in dem ausgehöhlten Stamm in etwa fünf Metern Höhe findet. Dann kann Gurliaccio später im Jahr sogar Honig ernten, indem er ganz klassisch die Waben samt Honig herausschneidet.

Die Zeidlerei ist in Westeuropa fast ausgestorben. „In Polen, aber auch in Russland gibt es noch Zeidler“, berichtet Mrohs. Seit etwa zwei Jahren kehrt diese naturnahe Imkerei zurück in den Westen. Auch in Wiesbaden soll es eine alte, hohle Kastanie geben, in der sich Honigbienen angesiedelt haben. „Mit unserer Form des betreuten Nistplatzes hier in Frankfurt sind wir jedoch Pioniere“, betont Mrohs.

Für den Bienenstock haben die drei sich etwas besonderes einfallen lassen: Ein Dach, das der Spitze des Messeturms nachempfunden ist, soll nicht nur Baum und Bienen schützen, sondern auch Tieren wie etwa Fledermäusen eine Heimstatt bieten. Die Bienenbotschafter können heute, Samstag, und morgen, Sonntag, je ab 11 Uhr beim Arbeiten beobachtet werden: Botanischer Garten, Siesmayerstraße 72. Der Eintritt ist frei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare