Ein roter Kran ragt in den Himmel, die Blockrandbebauung entlang der Frankfurter- und der Löwenstraße nimmt Formen an. FOTO: Olaf Kern
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Ein roter Kran ragt in den Himmel, die Blockrandbebauung entlang der Frankfurter- und der Löwenstraße nimmt Formen an.

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Holzpreis-Explosion erschwert Gewobau-Pläne

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Großprojekt am Friedensplatz: Was passiert mit dem Haus im Hof?

Rüsselsheim -Eigentlich läuft alles nach Plan beim Bau des Karstadt-Nachfolge-Gebäudes am Friedensplatz. Sichtbar ragen die Wände entlang der Frankfurter Straße und der Löwenstraße in die Höhe, der Giebelabschluss ist schon zu erkennen. Mehr und mehr fügen sich seit Baubeginn im September vergangenen Jahres die Konturen zu einem Gesamtbild zusammen, das man bisher nur von den Entwürfen kannte. Dass bei Bauarbeiten immer auch mindestens eine Unbekannte auftaucht, dürfte bei Projekten dieser Größenordnung aber nicht verwundern.

Immerhin ist es gelungen, das Untergeschoss des ehemaligen Karstadt-Gebäudes zu erhalten. Die Abrisskosten sollten klein gehalten werden. Das neue Gebäude fußt somit auf dem Fundament des alten.

Mit Verzögerung kann auch das noch höher geplante und für das Ensemble dominante Eckgebäude am Friedensplatz begonnen werden.

In den vergangenen Monaten musste zunächst noch die Statik des Nachbargebäudes gesichert werden, bevor man die Grube ausheben konnte, da das Fundament des Neubaus tiefer liegt. Das kostete vier Monate Zeit.

Ursprünglich hatte man einst mit dem Eckgebäude beginnen wollen. Stattdessen entschloss man sich dazu, in der Zwischenzeit im Uhrzeigersinn die anderen Gebäuden vorzuziehen.

Die Fertigstellung liegt im Plan, und ist laut Thomas Steininger, Projektleiter für das Vorhaben bei der Gewobau, für September 2022 geplant. Das Eckgebäude soll im Dezember 2022 folgen.

Größere Sorgen bereiten dem Prokuristen derzeit die explodierenden Holzpreise auf dem internationalen Markt. Die Preisspekulation sorgt für Unsicherheit bei den Aufträgen. Das Holz ist knapp. Wegen des Mangels sind Bauprojekte fast überall kaum noch kalkulierbar.

„In 30 Jahren noch nicht erlebt“

Probleme bereitet diese Entwicklung auch dem Projekt am Friedensplatz. Das sogenannte "Hofhaus" im Innenbereich des hufeisenförmigen Wohn- und Geschäftskomplexes sollte laut Planungen aus Holz-Modulen entstehen.

Da die Baustofflieferanten derzeit keine festen Liefertermin-Zusagen, geschweige denn einen günstigen Preis machen können, hat man bei der Gewobau den Plan für das "Hofhaus" erstmal zurückgestellt. In der Hoffnung, dass sich der "überhitzte Markt wieder beruhigt", wie Steininger sagt.

Er gibt zu, dass er in seinem Berufsleben seit 30 Jahren solch eine Situation noch nicht erlebt hat. Vergabeverträge zu machen, wäre in dieser Lage mehr als riskant. Vieles hänge schließlich von den Lieferzeiten der Holzmodule für das "Hofhaus" ab. Etwa die Arbeiten der Einzelunternehmer für den weiteren Innenausbau. Können die vertraglichen Verpflichtungen nicht eingehalten werden, wäre das fatal.

Gleichzeitig wolle man auch "ein Signal an den Markt" senden, sagt Steininger, dass man nicht gewillt sei, "jeden Preis mitzugehen".

Bis Mitte August hat sich die Gewobau Zeit gegeben, um die weitere Entwicklung zu beobachten und eine Entscheidung zu fällen, wie es mit dem "Hofhaus", das als zentraler Treffpunkt zur kleinen Löwenstraße hin gedacht war, inklusive einem Café, überhaupt weitergeht. "Wir prüfen Alternativen", sagt Thomas Steininger. Eine wäre, das Haus statt aus Holz mit Stahlmodulen zu bauen, so wie man es vor Kurzem bereits mit der Kita in der Essener Straße gemacht hat. Auch hier waren ursprünglich Module aus Holz vorgesehen.

Folgen auch für den Hessenring

Die zweite Option wäre, auf das "Hofhaus", das durchaus einen wichtigen Platz im Gesamtkonzept der hier beginnenden Stadtreparatur einnimmt, ganz zu verzichten. Projektleiter Steininger zieht diese Möglichkeit zumindest in Betracht, wie er sagt. Folgen könnte die Holzpreisentwicklung aber auch für andere aktuelle Wohnungsbauprojekte der Gewobau haben. Etwa für die Nachverdichtung des alten Gebäuderiegels aus den 1960er Jahren im Hessenring 16-38. Die Häuser sollen um ein Stockwerk vergrößert werden. Die Aufbauten waren auch hier aus Holzmodulen geplant. Nicht nur wegen des geringeren Gewichts, sondern auch aus Umweltaspekten, um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen. Die Zeit drängt. Im Herbst müsse man zum Hessenring in Abstimmung mit den Architekten eine Entscheidung treffen. (Olaf Kern)

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