Logistiksparte von Luftfahrtunternehmen soll geschlossen werden

Bei Honeywell liegen die Nerven blank

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Honeywell Aerospace ist ein großer Zulieferer in der Luftfahrtbranche. Ein Standort ist in Raunheim. Seit Jahren schrumpft dieser jedoch. Jetzt könnten abermals viele Arbeitsplätze wegfallen.

Wenn es wirklich so kommt, wäre das ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Raunheim: Laut übereinstimmenden Medienberichten will der amerikanische Luftfahrtkonzern Honeywell Aerospace sich im Raunheimer Werk von seiner Logistiksparte trennen. In Maintal soll im nächsten Jahr gar das gesamte Werk geschlossen werden, 116 Mitarbeiter könnten dort ihren Job verlieren.

In Raunheim wären immerhin 43 Angestellte betroffen. „Wir verhandeln noch mit der Geschäftsführung“, sagte der Vorsitzende des Betriebsrats, Achim Haubold, dem Echo. Davon, dass das letzte Wort schon gesprochen ist, wollte er nichts wissen. Denn zwischenzeitlich war der Stellen-Abbau bereits bestätigt worden.

Das ist nicht das einzige Indiz dafür, dass die Nerven bei Honeywell blank liegen. Obwohl zugesichert, gab es bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme der Geschäftsführung. Stattdessen erreichte das Echo gestern Nachmittag ein Anruf eines Mitarbeiters einer von Honeywell beauftragten PR-Agentur. Dieser wollte dann mit Blick auf die laufenden Verhandlungen aber ebenfalls keine Auskunft geben.

Gleiches galt für die Mitarbeiter des Raunheimer Werks. „Kein Kommentar“, lautete die Standard-Antwort. Erstaunlich war allerdings, dass kein einziger der am Werkstor Befragten überhaupt über die Schließungspläne informierte war. „Ich weiß von nichts“, hieß es ebenso einhellig. Betroffen vom Stellen-Abbau könnte auch der Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, Hans Joachim Hartmann, sein. Er ist Projektleiter im Bereich Logistik. Auch er wollte nichts sagen.

So war der einzige, der sich etwas aus der Deckung traute, ein Außenstehender. Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) verwies darauf, dass sich alle Unternehmen in Raunheim in der Entwicklung befänden. „Manche bauen Sparten auf, andere bauen Sparten ab. Letzteres ist für die Mitarbeiter immer ärgerlich“, sagte der Rathauschef. Allerdings habe die mögliche Schließung der Logistiksparte von Honeywell keine maßgebliche Bedeutung für die Stadt als Wirtschaftsstandort. Nichtsdestotrotz werde die Verwaltung Gespräche mit Honeywell führen, um zu erörtern, wie sich der Abbau von Personal vermeiden lässt.

Aktuell sind in Raunheim noch 362 Mitarbeiter bei Honeywell beschäftigt. Zu Spitzenzeiten, in den 1980ern, waren es fast 1000 Menschen, die dort ihre Brötchen verdienten. Die große Krise der Luftfahrtbranche zu Beginn dieses Jahrtausends kostete hunderte Arbeitsplätze. Seitdem hält der

Abwärtstrend

weiter an.

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