Horst Rößler vor den Diagrammen, die ihm den Stromverbrauch der Stadt Rüsselsheim zeigen.
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Horst Rößler vor den Diagrammen, die ihm den Stromverbrauch der Stadt Rüsselsheim zeigen.

Stromsparen

Horst Rößler hat den Energieverbrauch in Rüsselsheim stets im Blick

  • vonRobin Göckes
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Je größer die Stadt, desto größer ihr Stromverbrauch. Allerdings steigt somit auch das Potenzial Strom einzusparen. Mit diesem Vorhaben ist für die Stadt Rüsselsheim Horst Rößler betraut und hat jede Menge zu tun.

Horst Rößler hat den Überblick. Über seinen Bildschirm flimmern Balkendiagramme und Statistiken, alle 15 Minuten kann er neue Daten abrufen. Rößler behält sie im Blick, entdeckt Abweichungen von der Norm, ungewöhnliche Ausschläge nach oben oder unten. Und wenn ihm etwas auffällt, wie geht es dann weiter? „Dann machen wir uns auf die Suche nach dem Grund für die Abweichung“, erklärt der Mann, auf dessen Schreibtisch sich die Arbeit türmt.

Das ist allerdings auch kein Wunder. Schließlich ist Horst Rößler dafür zuständig, dass in Sachen Energieverbrauch in den städtischen Liegenschaften alles glatt läuft. Und das sind immerhin rund 100 Kitas, Schulen, Sportstätten, Gemeinschaftsunterkünfte, Verwaltungsgebäude oder Friedhöfe. Als Energiebeauftragter ist es Rößlers Job, den Verbrauch in den städtischen Liegenschaften im Blick zu behalten und – wo immer das geht – zu optimieren.

Das Energiecontrolling sei eine der großen Zukunftsaufgaben sagt Baustadtrat Nils Kraft (SPD). „Wir haben sehr viele Liegenschaften, die eine Menge Energie verbrauchen. Wenn in den vergangenen Jahrzehnten gebaut wurde, hatte niemand den Fokus auf dem Thema gehabt. Heute gibt es ein anderes Umweltbewusstsein“, sagt er. Und nicht zuletzt geht es auch ums Geld. „Die Energiekosten für unsere Gebäude sind ein großer Posten im jährlichen Haushalt“, erklärt Kraft.

Ganz genau entstehen der Stadt pro Jahr Kosten in Höhe von etwa vier Millionen Euro für die Energie, die in den rund 100 kommunalen Liegenschaften gebraucht wird. Jeder Euro der gespart werden kann, entlastet den städtischen Haushalt. 2012 wurde die Stelle des Energiebeauftragten ausgeschrieben, die Horst Rößler seitdem ausfüllt. „Sein Gehalt bezahlt sich durch die Einsparungen, die wir durch seine Arbeit erreichen. Es bleibt sogar ein Vielfaches der Kosten für die Stelle übrig“, sagt Kraft.

Für die Ergebnisse seiner Arbeit hat Rößler viele Beispiele. An der Alexander-von-Humboldt-Schule sei etwa die Warmwasserbereitung von einem zentralen System auf dezentrale, elektrische Lösungen umgestellt. „Das ist ein sehr großes Leitungsnetz, bei dem wir auch entsprechende Verluste hatten. Da haben wir in den Sommermonaten mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, erklärt Rößler. Nach dem Umstellung seien noch einige Einstellungen vorgenommen worden.

Die Folge der Maßnahmen: In Sachen Wärme konnten etwa 600 000 Kilowattstunden eingespart werden. „Das entspricht 123 Tonnen Kohlendioxid und Kosten in Höhe von 30 000 Euro jedes Jahr“, sagt Rößler. So hätten sich die Investitionen, die für die Umstellung getätigt werden mussten, bereits nach einem Jahr amortisiert.

Ein anderes Beispiel sei der Stromverbrauch im Parkhaus an der Frankfurter Straße. „Dort ist eine Automatik für das Licht verbaut, die Strom sparen soll. Das Licht war aber trotzdem immer an“, erzählt Rößler. Bei einem Ortsbesuch stellte sich heraus, dass Mieter die Automatik immer wieder abschalteten. „Jetzt haben wir einen Schlüsselschalter eingebaut. Das spart 20 Prozent Strom und etwa 10 000 Euro pro Jahr“, rechnet Rößler vor.

Aufgefallen war der dauerhaft hohe Verbrauch im Parkhaus, da dieses zu jenen Liegenschaften gehört, von denen bereits im 15-Minuten-Takt Daten an Rößler geliefert werden. Bei zwei Schulen ist das derzeit für Strom und Wärme der Fall. Von der Großsporthalle, dem Rathaus und eben dem Parkhaus werden die Daten für den Stromverbrauch jede Viertelstunde übermittelt. An zwei weiteren Schulen und dem neuen Lachebad ist die Umsetzung des Systems in Planung. Von 15 weiteren Schulen, zehn Verwaltungsgebäuden, fünf Sportstätten, der Hauptfeuerwache, dem Museum und dem Treff werden monatlich die Zählerstände von den Hausmeistern überwacht und an Rößler übermittelt.

Die 38 überwachten Liegenschaften machen etwa 40 Prozent der Gesamtliegenschaften der Stadt aus, haben jedoch am Gesamtenergieverbrauch einen Anteil von 75 Prozent. Entsprechend hoch wird das Potenzial für Einsparungen eingeschätzt. Zudem hat Rößler ein Auge auf die Planungen für Neubauten und schreitet ein, wenn etwa Heizanlagen überdimensioniert angelegt sind. „Die Erhebung im 15-Minuten-Takt lohnt sich bei den großen Verbrauchern“, sagt Rößler. Er schätzt, dass sich an diesen die Energiekosten durch ein dauerhaftes Controlling um etwa 150 000 bis 200 000 Euro pro Jahr reduzieren lassen.

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