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Zeit für Streicheleinheiten muss sein: Daniela Becker, Andrea King und Rebekka Triesch (von links).  Foto: Rüdiger Koslowski

Tierheim in Rüsselsheim

„Ich heule, wenn die Tiere gehen“

Daniela Becker, Rebekka Triesch und Andrea King sind Abteilungsleiterinnen im Tierheim. Klingt bürokratisch, im Job beweisen sie aber viel Herz für ihre Vierbeiner.

Rüsselsheim - Eine Meute Welpen stürzt auf die drei Frauen zu. Die jungen Hunde springen an ihnen hoch, lecken ihre Hände ab, freuen sich über den Besuch. Rebekka Triesch, Daniela Becker und Andrea King sind für die Hunde keine Unbekannten. Die drei Frauen sind Tierpflegerinnen und Abteilungsleiterinnen im Tierheim an der Stockstraße.

Daniela Becker versorgt mit ihren Helfern die Hunde. Aber auch die anderen beiden sind bei den Fellnasen bekannt, im Tierheim hilft man sich gegenseitig. Rebekka Triesch ist für die Kleintiere und Wildtiere zuständig und Andrea King nimmt sich den Katzen an.

Eben legt einer der rumänischen Straßenhunde einen dicken Haufen in das Gehege. Wenn die Hunde in ihn hineintreten und dann an den Tierpflegerinnen hochspringen, wird’s dreckig, sagt Daniela Becker und lacht dabei. Die Arbeit im Tierheim ist mit Schmutz verbunden, dafür tragen die Tierpflegerinnen auch Arbeitskleidung.

Aus der Altenpflege

Den Dreck können sie locker ab. Becker versorgt rund 100 Hunde, King rund 80 Katzen, Triesch etwa 300 Kleintiere. Um acht Uhr geht es morgens los. Die Routinearbeiten beginnen. Käfige, Boxen und Gehege werden gereinigt und gesäubert. Die Tiere erhalten frisches Wasser und frisches Futter. Dabei müssen durchaus Vorgaben beachtet werden. „Bei den Kleintieren ist die Fütterung aufwendig“, berichtet Triesch. Vögel, Reptilien, Nager, alle haben einen extra Speiseplan. Eigentlich haben die Tierpflegerinnen die bevorzugte Nahrung der Tiere im Kopf. Dennoch gibt es Spickzettel. Bei den Kleintieren hängen sie an den Boxen und Käfigen. Bei den Hunden und Katzen gibt es eine Tafel. Manche Hunde benötigen Spezialfutter, weil sie eine Allergie haben, erzählt Becker, die seit neun Jahren im Tierheim beschäftigt ist. Sie kommt aus der Altenpflege, wollte aber schon immer mit Tieren arbeiten.

An fünf Tagen in der Woche ist Besuchszeit für Menschen, die Interesse an einem Tier aus dem Heim haben. Dann führen die Tierpflegerinnen Gespräche, informieren über die Haltung und über die Impfung, unternehmen einen Rundgang durch die Anlage, schauen, welche Tiere zu welchen Besuchern passen.

Keine leichte Aufgabe

Das ist eine notwendige, aber auch nicht immer leichte Aufgabe. Die Tierpflegerinnen bauen Bindungen zu den Tieren auf. Zu den einen Tieren entwickeln sie eine mehr, zu den anderen eine weniger starke Beziehungen. „Ich heule heute noch, wenn Tiere gehen“, gesteht Andrea King schmunzelnd. Sie arbeitet bereits seit 22 Jahren in dem Tierheim. Bei ihr fließen aber auch Freudentränen. Denn bei einer erfolgreichen Vermittlung sind die Tierpflegerinnen natürlich auch glücklich.

Wenn die Bindung zu den Kleintieren auch nicht ganz so groß ist, wie zu einem Hund oder einer Katze, geht es Rebekka Triesch, die seit 19 Jahren im Tierheim ihren Lebensunterhalt verdient, nicht anders. Sie bekommt häufig Rückmeldungen von den neuen Haltern, die sich über ihre neuen Freunde freuen, berichtet sie. Ausgesetzte oder auch entlaufene Tiere einsammeln, gehört ebenfalls zu den Aufgaben der Tierpflegerinnen. „Wir rennen auch mit einem Netz durch den Wald und fangen Kaninchen ein“, erzählt Andrea King. Meistens sind sie erfolgreich. „Wir sind hartnäckig“, sagt sie lachend.

Schlechte Haltung

Mitunter müssen sie auch Tiere aus schlechter Haltung abholen. Die drei Frauen sind zwar abgehärtet, aber dennoch nach wie vor häufig schockiert, was ihnen vor die Augen kommt. „Die Tiere tun einem dann sehr leid“, sagt Daniela Becker.

Das gerade Triesch und King schon so viele Jahre im Tierheim arbeiten, müsse wohl am Tierheim liegen, sagen die beiden. „Sonst wären wir nicht so lange hier“, meint King.

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