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Heiter und von Kunst flankiert: Christian Reiling lenkt das kulturelle Geschehen in der Stadt.

Stadtverwaltung

Christian Reiling lenkt das kulturelle Geschehen in Rüsselsheim

2015 wurde die Kultursteuerung als Teil der Stadtverwaltung neu geschaffen. Seither ist Christian Reiling, unterstützt von einer behördlichen Kraft, der Steuermann für das Kulturelle, Tür an Tür mit Bürgermeister und Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne).

„Ich bin der Steuermann“, sagt Christian Reiling (32) scherzend, nimmt auf den blauen Sitzen unter dem Bild der Künstlerin Inge Besgen Platz, das den Rathauskorridor schmückt. Der Begriff vom „Steuermann“ ist in der Stadt am Main hübsch gewählt.

Wo andere ein Kulturamt haben, schlug Rüsselsheim mit Bürgermeister und Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne) 2015 neue Wege ein: Eine vakante Stelle aus dem Wirtschaftsplan des Eigenbetriebes Kultur123 wurde in die Stadtverwaltung übertragen. „Ich habe mich nach meinem Studium in Mainz – Kulturanthropologie und Politikwissenschaft – darauf als Kulturmanager beworben. Das Stellenprofil passte genau“, erzählt Christian Reiling. Die Kultursteuerung sei an das Büro des Kulturdezernenten angegliedert und kein eigener Fachbereich. „Im Sinn eines Kulturamtes übernehme ich Aufgaben der kommunalen Kulturarbeit. Kultur 123 übernimmt andere, wir kooperieren. Ziel ist die Stärkung und Entwicklung des Kulturstandorts“, führt Reiling aus. Und ergänzt salopp: „Ich bin quasi die kommunikative Schnittstelle.“

Zentrale Anlaufstelle

Immerhin: Hohe Wellen im Für und Wider hat die Kultursteuerung zunächst geschlagen. Jene, die beim Bootsbau mitwirkten – Dennis Grieser und Eckhard Kunze, Geschäftsführer von Kultur 123, sind zur Winterpause allerdings nicht erreichbar. Die Flotte scheint auf Eis zu liegen. Mit kritischer Anmerkung meldet sich Thorsten Weber (CDU) zu Wort. (siehe Info-Kasten). Doch zurück zu Reiling: Bei Kulturterminen ist er an der Seite von Dennis Grieser zu sehen, agiert freundlich zurückhaltend. Einklang ist Basis der Zusammenarbeit. Koordination und Kommunikation, Projektentwicklung, Beratung für Kulturschaffende, Anlaufstelle für kulturelle Fragen aller Art, seien Teile seines Amts, wird Reiling konkreter. Kurz: Er hat Auge und Ohr am Puls der Stadt. „Lokale Kulturförderung ist die Hauptaufgabe. Es geht in Abstimmung mit der Verwaltung, mit Gebäudewirtschaft und auch mit dem Fachbereich Umwelt und Planung um die Förderung von Projekten, die Relevanz für die Stadt aufweisen.“

14 300 Euro beträgt das Budget für Projektförderung aktuell, für den Handlungsschwerpunkt „Freizeit, Kultur, Bildung, qualifizieren“ kommen 45 860 Euro hinzu. „So wurden zuletzt Projekte des Kunstvereins, der Kulturpreisträger ist, sowie Stephan Völkers ,Jazz im Inselhof‘ oder die restaurierte Alte Mühle als Spielort für Hergen Schulz und für Lesungen sowie auch das Domizil für das Theater Sechzig90 im Opel-Altwerk gefördert“, benennt Reiling Beispiele. Prima sei es, wenn Kulturschaffende direkt auf ihn zukämen: „Projekt vorstellen und schauen, was geht.“ Dies tat Sam Khayari, dessen Rüsselsheim-App als medialer, künstlerischer Stadtrundgang nun wissenschaftliche Begleitung erfährt. Das sei richtungsweisend, freut sich Reiling.

Versteht sein Handwerk

Apropos Zukunft: Aktuelles Thema sei unter anderen, welche Räume sich für Ausstellungen eignen, und welche von Künstlern und Vereinen bezogen werden können. Es solle eine Übersicht entstehen, die online einzusehen ist. „Derzeit spreche ich mit Vertretern des Kulturreferats der Hochschule Rhein-Main. Mir ist es wichtig, dass Studenten ihre Potenziale einbringen.“ Mit der „Kulturkonferenz“ vom November 2018 gelang es Christian Reiling merklich, Politik, Kulturschaffende und Bürger weiter von seiner Kultursteuerung zu überzeugen. „Kulturelle Teilhabe und Inklusion“ war dabei das Schwerpunktthema, doch der Blick auf das, was seit 2015 gestemmt wurde – etwa das Großprojekt Kunstpfad Mainvorland und der Hessentag als ein Dampfer, den Reiling durch das unruhige Stadtgewässer lotste, zeigt auf: Der Steuermann versteht seinen Job.

von CHARLOTTE MARTIN

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