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Marc van der Meer (Mitte) hat auf der Insel Kos viele freundliche, aber auch hilfsbedürftige Menschen erlebt.

Flüchtlingshelfer plant Stiftung

"Ich will etwas verändern"

Im Rind berichtete ein Flüchtlingshelfer von seinen Erfahrungen auf der Insel Kos und seinen Plänen, eine Stiftung zu gründen.

Von DANIELA HAMANN

Der Flüchtlingsstrom hat momentan spürbar abgenommen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass diese subjektive Verbesserung der Lage in Bezug auf den Flüchtlingsstrom nur von kurzer Dauer sein wird. Es ist Fakt, dass weiterhin viele Menschen in Nordafrika und auch im Nahen Osten immer noch darauf warten, in den für sie Glück verheißenden reichen Norden flüchten zu können. Die ersten Menschen auf die sie dann treffen werden sind freiwillige Helfer aus ganz Europa, wie der 51 Jahre alte Marc van der Meer aus Rodgau bei Darmstadt.

Am Donnerstagabend berichtete der Familienvater mit holländischen Wurzeln im Rind von seiner Reise auf die griechische Insel Kos, wo er zwischen Weihnachten und Neujahr, genauer gesagt zwischen dem 23. Dezember und 6. Januar, im Auftrag der holländischen Hilfsorganisation „Stichting Bootvluchteling“ zwei Wochen als freiwilliger Helfer gearbeitet hat.

Er habe dort vor allem Bootsflüchtlingen geholfen, so van der Meer. Das Erlebte sei sehr emotional gewesen. „Ich war die ganze Zeit voll auf Adrenalin“, sagte der dynamische Mann. Er habe trotzdem versucht, eine gewisse Abgrenzung zu den Schicksalen zu behalten. Trotzdem hat die Erfahrung sein Leben verändert, wie der freiwillige Helfer weiter berichtet. „Als ich wieder nach Hause kam, habe ich eine Woche gearbeitet“, so van der Meer, der als freiberuflicher Digital Account Manager in der Werbebranche tätig ist. „Nach dieser Woche habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr über Gewinnmaximierung und Profit nachdenken möchte, sondern grundsätzlich etwas verändern will“, erzählte Marc van der Meer weiter. Er sei nun seit Februar im Sabbatical – einem längeren Sonderurlaub – obwohl er, wie er zugibt, finanziell unter Druck stehe. „Aber das ist mir im Moment egal“, sagte der Familienvater, denn: „Ich habe eine Vision.“ Diese sieht so aus, dass er eine Stiftung gründen möchte. Den Antrag dazu habe er bereits gestellt. Da der Prozess noch nicht abgeschlossen sei, könne er noch nichts zum Namen der Organisation sagen, so van der Meer. Doch was die Stiftung tun soll, darüber hat der 51-Jährige schon genau nachgedacht: „Die Stiftung soll ehrenamtliche Helfer akquirieren, nicht nur für die Flüchtlingshilfe, sondern auch für andere Bereiche wie Bildung oder Pflege. Die Stiftung soll die akquirierten freiwilligen Helfer dann weiter unterstützen und motivieren.“ Wie genau die Unterstützung aussehen soll, konnte Marc van der Meer noch nicht sagen. Er wünsche sich jedoch eine Kooperation mit anderen Hilfsorganisationen, wie zum Beispiel dem UNHCR, das ist das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Und vor allem soll seine Stiftung international arbeiten. „Ich habe gute Kontakte zum britischen Sender BBC“, so Marc van der Meer. Die Radioabteilung habe mit ihm zusammen einen Beitrag zu seiner Vision und seinen Erfahrungen in Griechenland erstellt, der am 26. Mai um 15.15 Uhr auf BBC Radio 4 online laufen wird. Der Abend im Rind sei der Start einer Vortragsreihe, die immer kostenlos sein wird und mit der der gebürtige Holländer auch nichts verdienen wird. Gleichzeitig sei der Vortragsabend in Rüsselsheim auch der Startschuss der Arbeit für seine Stiftung.

Bislang hat der Vater zweier Teenager im Alter von 17 und 18 Jahren noch wenig Verständnis von seinen Kindern in Bezug auf seine Flüchtlingshilfe an Weihnachten und seine weiteren Visionen erfahren. Doch beim Vortrag in Rind waren seine Kinder dabei. „Darüber bin ich sehr glücklich“, gab der Vater strahlend zu. Im kommenden Dezember will Marc van Meer wieder nach Griechenland fahren, um sich zu engagieren und zu helfen. „Nicht nur die Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe, sondern auch die Bewohner von Kos. Viele haben durch die Finanzkrise ihre Existenz verloren“, sagte van der Meer.

Bis dahin habe seine neue Stiftung hoffentlich ihre Arbeit aufgenommen und damit, so van der Meer hoffnungsvoll, einen weiteren Schritt für eine bessere Welt getan.

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